Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Neue Hoffnung für Siemens-Werke, Bombardier Görlitz vor Verkauf?
Region Mitteldeutschland Neue Hoffnung für Siemens-Werke, Bombardier Görlitz vor Verkauf?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:34 26.01.2018
In das Ringen um die Zukunft der sächsischen Betriebs-Sorgenkinder Siemens und Bombardier kommt Bewegung. Quelle: dpa
Görlitz/Erfurt

In das Ringen um die Zukunft der sächsischen Betriebs-Sorgenkinder Siemens und Bombardier kommt Bewegung. Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier prüft einen Verkauf des Görlitzer Werks mit seinen 1300 Beschäftigten. Für die vom Aus bedrohte Siemens-Fabrik in der ostsächsischen Stadt mit ihren 700 Mitarbeitern gibt es vorsichtige Anzeichen für Hilfe.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, sein Konzern werde die Stadt und die Menschen nicht im Stich lassen. „Siemens hat eine soziale Verantwortung.“ Kaeser betonte, wegen der vierten industriellen Revolution müsse Siemens in den nächsten zwei bis fünf Jahren in Deutschland in der Kraftwerks-und Antriebstechnik zwar 3000 Stellen streichen, aber im gleichen Zeitraum würden in anderen Bereichen 15 000 Arbeitsplätze geschaffen. Es müsse darüber gesprochen werden, wie den 3000 betroffenen Mitarbeitern etwa durch Weiterqualifizierung eine Chance gegeben werden könne. Den Menschen in Görlitz „werden wir helfen und ihnen eine Zukunft geben“.

„Wir nehmen das wohlwollend zur Kenntnis“, kommentierte Jan Otto, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Ostsachsen, diese Äußerungen. Sein Leipziger Pendant Bernd Kruppa forderte Kaeser auf, nicht nur an Görlitz zu denken, „sondern an alle ostdeutschen Standorte“. Auch ihnen müsse geholfen werden. Schließlich will der Münchner Konzern, der im vorigen Geschäftsjahr einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro erwirtschaftete, auch das Werk in Leipzig mit seinen 270 Mitarbeitern schließen. Die Leipziger Beschäftigten erarbeiten gerade mit Unterstützung der Gewerkschaft ein Alternativkonzept, um die Fabrik zu retten.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte am Mittwoch den Siemens-Beschäftigten in Görlitz und Leipzig seine Unterstützung zugesagt. Die Abbaupläne von Siemens „können und werden wir so nicht stehenlassen“.

Ebenfalls fraglich ist die Zukunft des Generatorenwerks in Erfurt mit seinen 600 Beschäftigten. Nach derzeitigem Stand denkt Siemens an einen Verkauf. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) betonte, dass die Fabrik wirtschaftlich arbeite und eine hohe Auslastung habe. Erfurt sei von den weltweiten Absatzschwierigkeiten im Großturbinenbereich nur marginal betroffen.

Die Thüringer Fabrik schreibe keine roten Zahlen, verzeichne keine Unterauslastung, sondern leiste als zukunftsweisendes Kompetenzzentrum mit seinem hochqualifizierten Personal einen Beitrag zum Siemens-Gewinn. Aktuell gebe es noch nicht einmal eine besonders hohen Investitionsbedarf, weil das Werk über hochmoderne Produktionsanlagen verfüge. Tiefensee: „Es gibt also überhaupt keine ökonomisch nachvollziehbaren Gründe, diesen Standort zu zerschlagen oder zu verkaufen.“ Auch in Erfurt arbeiten die Beschäftigten an einem Alternativkonzept.

Ein Bombardier-Sprecher sagte gestern, das Unternehmen habe Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft mit externen Partnern signalisiert, um ergebnisoffen auch alternative Zukunftskonzepte für den Standort zu prüfen. Es sei das Ziel, die langfristig beste Lösung für den Standort Görlitz und seine Mitarbeiter zu finden.

Bombardier hatte im vorigen Jahr angekündigt, bundesweit bis zu 2200 seiner 8500 Arbeitsplätze abzubauen. Am stärksten betroffen sind nach einem Aufsichtsratsbeschluss die größten Standorte Hennigsdorf bei Berlin sowie Görlitz. Mit dem Betriebsrat war ein Kündigungsschutz bis Ende 2019 vereinbart worden, ergänzt durch einen Sozialplan und Ausstiegsangebote für Freiwillige. Das Unternehmen will zudem in diesem Jahr fünf Millionen Euro in den Standort Görlitz investieren, um das Werk zu einem Kompetenzzentrum für den Bau von Wagenkästen zu profilieren.

Einem Bericht der Sächsischen Zeitung zufolge schrieb das Werk wegen miserabel abgearbeiteter Aufträge im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 100 Millionen Euro.

Von Ulrich Milde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor 75 Jahren wurde die Schlacht um Stalingrad entschieden. Rund 50.000 Sachsen verloren im Kessel ihr Leben. Nach rund 70 Jahren ist ein verschollen geglaubtes Buchmanuskript wieder aufgetaucht.

25.01.2018

Mit Suppen und Bockwurst versucht der „Kiez Kontor“ in der Zweinaundorfer Straße die gesetzlich vorgeschriebenen Öffnungszeiten zu umgehen. Die JuLis fordern sogar die generelle Abschaffung gesetzlich vorgeschriebener Ladenöffnungszeiten.

25.01.2018

Sachsens SPD-Chef Dulig wird den Koalitionsgesprächen mit der Union beiwohnen. Er soll Teil des Verhandlungsteams sein und sich in der AG Wirtschaft einbringen. Dabei trete er unter anderem für eine Grundrente ein.

25.01.2018
Anzeige