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Nach Tillich-Schelte von Biedenkopf – Aufruhr in der Sachsen-CDU

Aufruhr in der Sachsen-CDU Nach Tillich-Schelte von Biedenkopf – Aufruhr in der Sachsen-CDU

Die Generalabrechnung von Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich versetzt die CDU in Aufruhr. Der 87-jährige Ex-Landesvater hatte in seinem Haus am Chiemsee mit Ehefrau Ingrid der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Interview gegeben. Dabei geht er mit Tillich hart ins Gericht.

Alles super 2009 in Dresden: Die CDU hat die Wahl gewonnen. Jetzt greift Kurt Biedenkopf (l.) Stanislaw Tillich in einem „Zeit“-Interview an und seine Frau Ingrid (l.) assistiert.
 

Quelle: picture-alliance/ dpa

Dresden. Die Generalabrechnung von Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich versetzt die CDU in Aufruhr. Der 87-jährige Ex-Landesvater (1990 bis 2002) hatte in seinem Haus am Chiemsee (Bayern) mit Ehefrau Ingrid (86) der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Interview gegeben. Dabei geht er mit Tillich (58) hart ins Gericht. Er sorge sich um sein Lebenswerk, sagte Biedenkopf („König Kurt“) mit Blick auf den AfD-Wahlerfolg und den Absturz der Sachsen-CDU auf Platz zwei. Tillich spricht er die Eignung als Regierungschef ab. Mit Bezug auf die eigene Laufbahn in der alten Bundesrepublik sagte Biedenkopf, dass Tillich als gebürtigem Sachsen die „Vorbildung“ fehle. „Er hat das nie gelernt.“

Sachsens CDU hadert mit Biedenkopf-Interview

Zudem brach Biedenkopf als Erster eine Nachfolger-Diskussion vom Zaun: Sein Favorit als nächster Regierungschef in Sachsen: Noch-Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der in Meißen sein Direktmandat verteidigt hatte. De Maizière reagierte prompt: „Ich teile die Auffassung nicht. Seine Vorschläge sind daneben“, sagte er. Zusätzliche Brisanz erhält das Interview durch emotional gefärbte Aussagen von Ingrid Biedenkopf, die sich als Ex-Landesmutter unter anderem über das Verhalten von Tillichs Ehefrau Veronika beschwert („Sie hat sich nie wieder bei mir gemeldet“).

In der Sachsen-CDU sorgte der Frontalangriff der Biedenkopfs für heftige Reaktionen. Die Staatskanzlei will sich zwar weiterhin nicht dazu äußern, führende Partei-Mitglieder zeigten sich aber mehr als nur pikiert. Von vielen gab es dabei Rückendeckung für den angeschlagenen Tillich. „Ich bin entsetzt über die Art und Weise des Umgangs miteinander“, sagte der Europaabgeordnete Hermann Winkler. Er habe am Rand des EU-Parlaments in Straßburg mit Parteifreunden in Sachsen telefoniert und könne deren Empörung verstehen. „Gute Ratschläge erteilt man nicht per Interview aus der Ferne, sondern im persönlichen Gespräch“, so der Leipziger. Das sei einfach kein guter Stil. Fraktionschef Frank Kupfer lobte zwar Biedenkopf im Allgemeinen („große Verdienste für Sachsen“), um dann im konkreten Fall seiner Verärgerung Luft zu machen. „Gute Ratschläge von außen sind oft eher Schläge als guter Rat“, ätzte er. Vor allem mit der Art und Weise könne er nichts anfangen.

Ähnlich harsch fällt das Urteil von Christian Piwarz, Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, aus. Biedenkopf habe sicher große Verdienste um den Wiederaufbau Sachsens, sagte er. „Was mich aber stört, ist, dass diese Aufbauleistung aller Sachsen nun als persönliches Lebenswerk stilisiert wird.“ Leipzigs CDU-Chef Robert Clemen hält Biedenkopfs Kritik für „überzogen“ und „nicht sehr konstruktiv“. Ein möglicher Anlass für die Attacke könnte vielleicht der Streit um den finanziellen Zuschuss durch die Staatskanzlei für Biedenkopfs Tagebücher von 2015 sein, so Clemen. Tillich hatte sich davon distanziert. Er als Regierungschef habe die Publikation nicht zu seiner Sache gemacht. Biedenkopf hatte damals das Gegenteil behauptet.

Von André Böhmer, Anita Kecke und Jürgen Kochinke

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Nach Wahl-Fiasko
In großer Aufmachung berichtet „Die Zeit“ über das Gespräch mit Ingrid (86) und Kurt (87) Biedenkopf, das in deren Haus am Chiemsee in Bayern stattfand.

Auf Harmonie setzende Bilder eines älteren Ehepaars am Chiemsee, aber hochgiftige politische Aussagen, die schwer am Gemütszustand der sächsischen CDU nagen: Das Interview der Biedenkopfs in der Wochenzeitung „Die Zeit“ hat die Union noch tiefer in die Krise gestürzt.

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