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Mitteldeutschland Nach 30 Jahren: Wernesgrüner Brauerei verabschiedet sich von DDR-Technik
Region Mitteldeutschland Nach 30 Jahren: Wernesgrüner Brauerei verabschiedet sich von DDR-Technik
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11:11 11.04.2019
Inbetriebnahme der neuen Fassabfüllung durch Geschäftsführer Marc Kusche. Quelle: David Rötzschke
Wernesgrün

So schlecht kann die DDR-Technik nicht gewesen sein: In der Wernesgrüner Brauerei wurden die Bierfässer zumindest noch bis vor zwei Monaten mit einer Anlage abgefüllt, die aus DDR-Zeiten stammte. 1989 war sie noch kurz vor der Wende im damaligen VEB Exportbierbrauerei Wernesgrün eingebaut worden – und tat dann auch nach der Privatisierung bei der Brauerei, die seit 2002 zu Bitburger gehört, fast drei Jahrzehnte lang zuverlässig ihre Dienste. Jetzt wurde sie nach 30 Jahren ausgemustert.

Nach zwei Monaten Bauzeit ging dort nun eine neue, moderne Fassabfüllung in Betrieb. Zwei Millionen Euro hat die Brauerei sich das kosten lassen. „Die erfolgte Investition stärkt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, erklärte Brauerei-Chef Marc Kusche am Dienstag bei der feierlichen Inbetriebnahme. Bis zu 90 Fässer à 30 oder 50 Liter kann die Maschine pro Stunde abfüllen – und das mit deutlich weniger Wasser- und Energieverbrauch als vorher. „Mit der neuen Anlage können wir den Wasser- und Energieverbrauch der Wernesgrüner Brauerei signifikant senken“, so Kusche.

Flaschenabfüllung 2011 erneuert

Fast 30 Jahre nach der Wende geht hier damit die letzte Anlage, die noch aus der DDR stammte, außer Betrieb. Die Flaschenabfüllung, die bis dahin ebenfalls über eine Anlage aus DDR-Zeiten erfolgte, war schon 2011 erneuert worden. Nur die Fässer für die Zapfanlagen von Gaststätten wurden zuletzt noch mit Vorwende-Technik befüllt. Der größte Teil des Bieres verlässt die Brauerei aber ohnehin in Flaschen, nur rund ein Siebentel des Ausstoßes geht in Fässern an die Gaststätten der Region.

Dass DDR-Technik noch so lange im Einsatz war, ist bei Brauereien aber nicht ungewöhnlich. Auch die Radeberger Brauerei hat ihre Fassabfüllung erst im Juli 2018 erneuert. Die neue Anlage dort ist sogar deutlich größer als die im Vogtland: Statt 90 Fässer pro Stunde schafft sie sogar 200.

Mibrag lässt DDR-Bagger sogar noch umziehen

In anderen Branchen ist DDR-Technik sogar nach wie vor im Dauereinsatz. Etwa bei der Mibrag im Tagebau Vereinigtes Schleenhain südlich von Leipzig: Der war erst in den 80ern mit Baggern und Förderanlagen aus dem Takraf-Kombinat bestückt worden. Und die tun dort nach wie vor gute Dienste. Man habe die Maschinen natürlich mehrfach modernisiert und neue Steuertechnik eingebaut, sagte ein Techniker. Ansonsten sei 30 Jahre für Förderanlagen aber kein Alter.

2016 ließ die Mibrag einen Schaufelradbagger des DDR-Herstellers sogar noch einmal umziehen – vom Abbaufeld Schleenhain ins benachbarte Abbaufeld Peres. Die Bundesstraße 176, die beide trennt., musste dafür voll gesperrt werden. Weitere Bagger sollen bis 2023 umziehen.

Robotertechnik wie im Autowerk

In Wernesgrün dagegen hält mit der neuen Anlage nun auch Robotertechnik Einzug. Erstmals kommt ein vollautomatischer Knickarm-Roboter vom Automatisierungs-Spezialisten Kuka zum Einsatz, wie man sie sonst eher in Autofabriken findet. Die Anlage übernimmt jetzt alles von der Reinigung der Pfandfässer, die von den Kneipen zurückkommen, über die Prüfung auf Lecks bis hin zur Befüllung und Verpackung auf Paletten für den Abtransport.

Der Roboter erledige nun viele Arbeitsschritte ohne jede menschliche Hilfe. Das spare vor allem Platz in der engen Halle. Der Roboter könne verschiedene Arbeitsschritte auf kleinstem Raum ausführen. Jobs gehen dadurch aber nicht verloren, versicherte Geschäftsführer Kusche. Die Brauerei hat knapp 100 Mitarbeiter.

Sonderschichten im Vorfeld

Um den Umbau stemmen zu können, hatte der Betrieb im Vorfeld sogar Sonderschichten gefahren. Denn die neue Anlage steht an derselben Stelle, an der die alte stand. Die musste daher schon vor zwei Monaten eingemottet und herausgerissen werden. Damit den Kneipen nicht der Biernachschub ausgeht, hatte die Brauerei daher zuvor auf Lager produziert.

Von Frank Johannsen

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