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Mitteldeutschland Mutter Hoa gibt kleinen Elefanten auf – Tante springt ein
Region Mitteldeutschland Mutter Hoa gibt kleinen Elefanten auf – Tante springt ein
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17:06 12.04.2019
Der kleine Elefant am 11.4.2019 im Leipziger Zoo. Quelle: Zoo Leipzig
Leipzig

Das Elefanten-Baby ist in diesen Tagen die Attraktion schlechthin im Zoo. Seit gut zwei Wochen zeigt sich das Kalb täglich im Außengehege vor dem Elefantentempel. So auch am Freitagmorgen bei Wind und niedrigen Temperaturen. „Das perfekte Wetter für Elefanten“, sagt Tierpfleger Thomas Günther. Ähnlich seien die klimatischen Bedingungen auch in der asiatischen Heimat der Tiere. Während die zahlreichen Besucher frösteln, tapst das nunmehr elf Wochen alte Baby zusammen mit Tante Dong Chung neugierig durch die Freianlage.

Ersatzmilch kann zu Problemen führen

Ein Anblick, der Zoodirektor Jörg Junhold vorsichtig optimistisch stimmt. „Wir sind mit der Entwicklung des Kleinen soweit zufrieden“, sagt er. Nach der Geburt des Mini-Bullen hatte es Probleme gegeben: Mutter Hoa (33) nahm ihren Nachwuchs nicht an und musste von ihm getrennt werden. Die Ernährung des Kleinen wurde vollständig auf Ersatzmilch umgestellt, was bei asiatischen Jungtieren nicht unproblematisch ist. „Es besteht die Gefahr, dass nicht alle Nährstoffe durch die Milch aufgenommen werden“, erklärt Tierpfleger Günther.

Babyfant wiegt schon 118,5 Kilo

Die Gefahr besteht weiter, auch wenn der Leipziger Nachwuchs „gut zugelegt“ habe. 118,5 Kilo wiegt das 93 cm große Kalb inzwischen. Sieben Mal am Tag füttern Günther und seine Kollegen den Kleinen mit einer Mischung aus Fohlen-, Trocken,- und Elefantenersatzmilch, die durch den hohen Fettanteil viel Energie liefert. Nach wie vor wird das Kalb rund um die Uhr von Pflegern betreut, auch wenn nachts nur noch eine Person zur Kontrolle vor Ort ist. „Das Ganze ist ein immenser Kraftaufwand“, macht Zoodirektor Junhold deutlich. Er ist stolz darauf, was seine Mitarbeiter für das Wohl des kleinen Elefanten auf sich nehmen.

Tante Dong ist wie eine Mutter

Dabei sei es trotz allem wichtig, dass sich das Kalb nicht zu sehr an die Pfleger anpasse. Es solle sich als Elefant fühlen und auch so verhalten. Hierbei nimmt Tante Dong Chung (36) eine wichtige Rolle ein. Sie kümmert sich ruhig und zuverlässig um den bisher noch namenlosen Nachwuchs. „Wenn man beide zusammen sieht, hat man fast das Gefühl, sie sei die Mutter“, erzählt Tierpfleger Günther. Zwar ist Dong Chung selbst kinderlos, sie hat sich aber auch schon um Elefantendame Rani (9) gekümmert, als diese aus Hamburg neu in den Leipziger Zoo kam.

Rani schubst kleinen Artgenossen manchmal um

Rani reagiert teilweise sehr ungestüm auf den Nachwuchs und schubst ihn auch schon mal um. „Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie auf einem Auge blind ist“, erklärt Günther. Auch Mutter Hoa verhält sich nach wie vor aggressiv gegenüber ihrem Kalb und reagiert ablehnend auf die Rufe nach Futter. „Sie wird sicherlich eine der letzte sein, mit der wir das Baby zusammenführen“, sagt der Tierpfleger. Er hofft, dass sich der kleine Elefant bis dahin weiter stabilisiert.

Denn durch einen Nabelbruch steht für ihn auch noch eine Operation an. Einen Termin gebe es allerdings noch nicht. Und so wird der kleine Elefant in den nächsten Wochen weiterhin täglich im Außengehege zu sehen sein. Dass er dabei seit zwei Wochen auch von Besuchern beobachtet wird, stört ihn nicht. „Es gehört zur Entwicklung dazu, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen“, sag Seniorkurator Gerd Nötzold. Und dazu gehören im Zoo eben auch Besucher.

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Von Julia Horn