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Mitteldeutschland Mordfall Wunderlich: Verteidigung scheitert mit Befangenheitsantrag
Region Mitteldeutschland Mordfall Wunderlich: Verteidigung scheitert mit Befangenheitsantrag
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13:46 20.02.2017
Die Verhandlung wird am Mittwoch (9 Uhr) fortgesetzt. Quelle: Archiv
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Zwickau

Geknebelt, gewürgt, erdrosselt: Heike Wunderlich ist vor fast 30 Jahren einen qualvollen Tod gestorben. Im Prozess zum Mord an der damals 18 Jahre alten Frau hat der renommierte Rechtsmediziner Hans-Peter Kinzl anhand von Obduktionsprotokollen die früheren Befunde bestätigt. Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin Gera-Zwickau sagte am Montag vor dem Landgericht Zwickau, diese seien sehr detailreich erfasst und in ihrer Komplexität ohne Widersprüche.

Zum Auftakt des 15. Verhandlungstages war die Verteidigung mit einem Befangenheitsantrag gegen den rechtsmedizinischen Gutachter gescheitert. Der Vorsitzende Richter lehnte den Antrag als unbegründet ab. Die Verteidigung hatte ihren Vorstoß damit begründet, dass der Sohn von Oberstaatsanwalt Holger Illing an dem vom Gutachter geleiteten Institut angestellt ist. Illing hat die Anklage erhoben, war am Montag aber nicht in der Sitzung. Sein Sohn war laut Angaben nicht an der Untersuchung der Befunde beteiligt.

Es bestehe kein Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Gutachters, erklärte der Richter. Kinzl war von der Staatsanwaltschaft beauftragt worden, die Obduktionsprotokolle aus dem Jahr 1987 noch einmal auf Plausibilität zu prüfen und zu bewerten.

Angeklagt in dem Prozess ist ein 61 Jahre alter Frührentner aus Gera. Ihm wird vorgeworfen, am 9. April 1987 die damals 18 Jahre alte Heike Wunderlich in Plauen im Vogtland vergewaltigt und erdrosselt zu haben. Bislang schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Ihnen sei es mit dem Antrag um eine ordnungsgemäße Durchführung des Prozesses gegangenen, sagte Verteidiger Cord Hendrik Schröder. Die Konstellation, dass der Sohn des Anklägers im Rahmen seiner Facharztausbildung am Institut des von der Staatsanwaltschaft bestellten Gutachters angestellt sei, habe „ein Geschmäckle“.

Wie bei seinen ersten Aussagen am vorherigen Verhandlungstag bestätigte Kinzl die Befunde aus der am 11. April 1987 durchgeführten Obduktion. Für seine Begutachtung habe er die Protokolle, 48 Sektionsfotos und Aufnahmen vom Tatort analysiert und ausgewertet.

Nach seiner Einschätzung sei der Täter brutal und mit niederstem sexuellen Trieb vorgegangen, so Kinzl. Er habe sein Opfer quasi zweimal erdrosselt: Zuerst mit Slip und BH, anschließend mit einer Gummihalterung vom Moped. Letzteres habe vom Krad geholt werden müssen. „Das Gummiband macht nur Sinn, wenn damit der Todeseintritt abgesichert wurde“, sagte der Rechtsmediziner. Er wertete dies als ein gesteuertes und mehrfach eskalierendes Handeln.

Die Verhandlung wird am Mittwoch (9 Uhr) fortgesetzt.

dpa

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