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Mindestlohn bringt Sachsen mehr Vor- als Nachteile

Studie Mindestlohn bringt Sachsen mehr Vor- als Nachteile

Der Mindestlohn hat in Sachsen nicht die negativen Effekte ausgelöst wie befürchtet. Wie eine Studie zeigt, sind mit der Einführung keine Arbeitsplätze vernichtet worden. „Für die Beschäftigten gab es reale Lohnzuwächse. Die Unternehmen reagierten mit geringfügigen Preiserhöhungen sowie mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.“

8,84 Euro pro Stunde beträgt der Mindestlohn.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig. Der Mindestlohn hat in Sachsen nicht die negativen Effekte ausgelöst wie befürchtet. Wie eine Studie zeigt, sind mit der Einführung keine Arbeitsplätze vernichtet worden. „Für die Beschäftigten gab es reale Lohnzuwächse. Die Unternehmen reagierten mit geringfügigen Preiserhöhungen sowie mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung statt Mini-Jobs.“ So fasst der DGB eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zusammen.

Das sei vor allem von Arbeitgeberseite so nicht erwartet worden, sagt Sachsens DGB-Vize Markus Schlimbach. Antje Weyh vom IAB bestätigt: „In der öffentlichen Diskussion um die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns galt Sachsen als besonders stark von den Auswirkungen betroffenes Bundesland.“ Laut Studie gaben 44 Prozent der befragten sächsischen Betriebe an, dass sie 2015 wegen der Einführung des Mindestlohnes die Vergütung in ihrem Unternehmen auf 8,50 Euro pro Stunde erhöht haben. Im restlichen Ostdeutschland waren das nur 36 Prozent.

Bemerkenswert sei, dass in jedem dritten vom Mindestlohn betroffenen Betrieb  60 bis 100 Prozent der Belegschaft  erst mit Einführung des Mindestlohns 8,50 Euro die Stunde verdient haben. Bereits zuvor – 2014 – hatten 17 Prozent der Unternehmen in Sachsen die Löhne angehoben. Besonders betroffen vom Mindestlohn sind Unternehmen der personenbezogenen Dienstleistungen (Gastgewerbe, Friseure) mit 62 Prozent und der distributiven Dienstleistungen wie beispielsweise Logistik mit 41 Prozent. Für Betriebe des Produzierenden Gewerbes gilt das nur zu 24 Prozent.

Die Studie gibt kaum Hinweise, so Weyh, dass sich die betriebliche Arbeitsnachfrage in messbarem Ausmaß verringert hat. „Wenn überhaupt, gab es eine leichte Zurückhaltung bei den Neueinstellungen. Vielmehr zeigt sich, wie auch in anderen Bundesländern, dass die Betriebe eher mit Preiserhöhungen oder einer Verringerung der Arbeitsstunden reagiert haben.“

Der durchschnittliche Betrieb in Sachsen, der vom Mindestlohn betroffen war, hatte zumeist weniger Beschäftigte als der nicht vom Mindestlohn betroffene Betrieb. Gleichzeitig lag aber der Anteil an geringfügig entlohnt Beschäftigten in vom Mindestlohn betroffenen Betrieben höher.

Der DGB hat aus der Studie noch etwas herausgelesen: „Auffällig ist die hohe Fluktuation in Betrieben, die zu Mindestlohn-Bedingungen beschäftigen“, so Schlimbach. 15 Prozent der Beschäftigten verließen das Unternehmen innerhalb eines Jahres, 23 Prozent davon hat der Arbeitgeber gekündigt. In Unternehmen, die mehr als Mindestlohn zahlen, verlassen nur sieben Prozent den Betrieb. Ferner: Der durchschnittliche Lohn zwischen Mindestlohnbetrieben und anderen differiert gewaltig. In Betrieben, wo mehr als der Mindestlohn gezahlt wird, gehen die Mitarbeiter im Schnitt mit 2400 Euro im Monat nach Haus. Das sind 1000 Euro mehr.

Für Sachsens DGB sind die Zahlen ein klares Zeichen dafür, dass in Betrieben, die nur Mindestlohn zahlen, das „Betriebsklima nicht zum Besten steht. Die Mitarbeiter gehen weg, wenn sich eine Chance auf einen besser bezahlten und sicheren Job bietet“, so Gewerkschafter Schlimbach.

Von Andreas Dunte

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