Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Mindestlohn bringt Sachsen mehr Vor- als Nachteile
Region Mitteldeutschland Mindestlohn bringt Sachsen mehr Vor- als Nachteile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:30 16.08.2017
8,84 Euro pro Stunde beträgt aktuell der Mindestlohn. Quelle: dpa

Der Mindestlohn hat in Sachsen nicht die negativen Effekte ausgelöst wie befürchtet. Wie eine Studie zeigt, sind mit der Einführung keine Arbeitsplätze vernichtet worden. „Für die Beschäftigten gab es reale Lohnzuwächse. Die Unternehmen reagierten mit geringfügigen Preiserhöhungen sowie mehr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung statt Mini-Jobs.“ So fasst der DGB eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zusammen.

Das sei vor allem von Arbeitgeberseite so nicht erwartet worden, sagt Sachsens DGB-Vize Markus Schlimbach. Antje Weyh vom IAB bestätigt: „In der öffentlichen Diskussion um die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns galt Sachsen als besonders stark von den Auswirkungen betroffenes Bundesland.“ Laut Studie gaben 44 Prozent der befragten sächsischen Betriebe an, dass sie 2015 wegen der Einführung des Mindestlohnes die Vergütung in ihrem Unternehmen auf 8,50 Euro pro Stunde erhöht haben. Im restlichen Ostdeutschland waren das nur 36 Prozent.

Bemerkenswert sei, dass in jedem dritten vom Mindestlohn betroffenen Betrieb  60 bis 100 Prozent der Belegschaft  erst mit Einführung des Mindestlohns 8,50 Euro die Stunde verdient haben. Bereits zuvor – 2014 – hatten 17 Prozent der Unternehmen in Sachsen die Löhne angehoben. Besonders betroffen vom Mindestlohn sind Unternehmen der personenbezogenen Dienstleistungen (Gastgewerbe, Friseure) mit 62 Prozent und der distributiven Dienstleistungen wie beispielsweise Logistik mit 41 Prozent. Für Betriebe des Produzierenden Gewerbes gilt das nur zu 24 Prozent.

Die Studie gibt kaum Hinweise, so Weyh, dass sich die betriebliche Arbeitsnachfrage in messbarem Ausmaß verringert hat. „Wenn überhaupt, gab es eine leichte Zurückhaltung bei den Neueinstellungen. Vielmehr zeigt sich, wie auch in anderen Bundesländern, dass die Betriebe eher mit Preiserhöhungen oder einer Verringerung der Arbeitsstunden reagiert haben.“

Der durchschnittliche Betrieb in Sachsen, der vom Mindestlohn betroffen war, hatte zumeist weniger Beschäftigte als der nicht vom Mindestlohn betroffene Betrieb. Gleichzeitig lag aber der Anteil an geringfügig entlohnt Beschäftigten in vom Mindestlohn betroffenen Betrieben höher.

Der DGB hat aus der Studie noch etwas herausgelesen: „Auffällig ist die hohe Fluktuation in Betrieben, die zu Mindestlohn-Bedingungen beschäftigen“, so Schlimbach. 15 Prozent der Beschäftigten verließen das Unternehmen innerhalb eines Jahres, 23 Prozent davon hat der Arbeitgeber gekündigt. In Unternehmen, die mehr als Mindestlohn zahlen, verlassen nur sieben Prozent den Betrieb. Ferner: Der durchschnittliche Lohn zwischen Mindestlohnbetrieben und anderen differiert gewaltig. In Betrieben, wo mehr als der Mindestlohn gezahlt wird, gehen die Mitarbeiter im Schnitt mit 2400 Euro im Monat nach Haus. Das sind 1000 Euro mehr.

Für Sachsens DGB sind die Zahlen ein klares Zeichen dafür, dass in Betrieben, die nur Mindestlohn zahlen, das „Betriebsklima nicht zum Besten steht. Die Mitarbeiter gehen weg, wenn sich eine Chance auf einen besser bezahlten und sicheren Job bietet“, so Gewerkschafter Schlimbach.

Von Andreas Dunte

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Keine Entwarnung bei Aids und HIV in Sachsen: Trotz Rückgangs liegt die Zahl der HIV-Neuinfektionen mit dem Immunschwächevirus weiter auf hohem Niveau. Im Vorjahr wurden im Freistaat 145 Neuerkrankungen gemeldet – weniger als im Jahr davor mit dem bisherigen Höchstwert von 190 Neuinfektionen, aber über dem Wert von 2013 (139).

16.08.2017

Bei einem Empfang in Dresden hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den im Juli beim G20-Gipfel eingesetzten sächsischen Polizisten gedankt. In der Staatskanzlei sprach er am Dienstag von „Heldinnen und Helden“.

15.08.2017

Nach Hamburg, Kiel und Bremen können nun auch in sächsischen Städten sogenannte Waffenverbotszonen eingerichtet werden. Ob in Dresden Waffenverbotszonen eingerichtet werden, ist im Moment noch nicht bekannt.

15.08.2017
Anzeige