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Mehr Schutz vor Geisterfahrern: Sachsen plant Rüttelstreifen

Autobahn Mehr Schutz vor Geisterfahrern: Sachsen plant Rüttelstreifen

Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen den Schutz vor Geisterfahrern auf Autobahnen und Bundesstraßen erhöhen. Ein in Baden-Württemberg getestetes Verfahren, bei dem Rüttelstreifen auf den Asphalt aufgetragen werden, könnte bald auch in den beiden mitteldeutschen Ländern zum Einsatz kommen.

Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen mit Rüttelstreifen den Schutz vor Geisterfahrern auf Autobahnen und Bundesstraßen erhöhen

Quelle: Silvio Kuhnert

Leipzig/Desden/Erfurt. Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen den Schutz vor Geisterfahrern auf Autobahnen und Bundesstraßen erhöhen. Ein in Baden-Württemberg getestetes Verfahren, bei dem Rüttelstreifen auf den Asphalt aufgetragen werden, könnte bald auch in den beiden mitteldeutschen Ländern zum Einsatz kommen.

Erfinder der Falschfahrer-Bremse ist der Leipziger Polizist Konstantin Berkovych. Seine Idee: Fünf Streifen aus Kaltplastik werden längs zur Fahrbahn aufgetragen. Autofahrer, die die falsche Auffahrt nehmen, werden dadurch ordentlich durchgerüttelt und vom Krach aufgeschreckt. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) weihte die Rüttelstreifen selbst ein, passierte die präparierten Stelle gleich mehrfach mit unterschiedlichem Tempo im Auto. Sein Fazit: Es funktioniert. Nur der Rütteleffekt könnte noch stärker sein. „Durchaus möglich, dass wir die Kaltplastik-Kante etwas deutlicher herausarbeiten“, so Berkovych, der sich bereits auf den Einsatz seines Verfahrens auf mitteldeutschen Straßen freut.

„Wir stehen der Idee sehr aufgeschlossen gegenüber und werden uns das vor Ort genau anschauen“, sagt Jens Jungmann, Sprecher des sächsischen Verkehrsministeriums. Auch die Landesstraßenbaubehörde in Sachsen-Anhalt steht der Idee offen gegenüber. Nach Angaben des Präsidenten Uwe Langkammer gibt es sogar schon einen Termin für ein Treffen in Baden-Württemberg. Allerdings drängt es in Mitteldeutschland nicht ganz so wie anderenorts. Die Zahl der Geisterfahrer ist auf ostdeutschen Autobahnen gering. Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Sachsen sieben Unfälle mit neun Verletzten durch Falschfahrer. Getötet wurde niemand. In Thüringen gab es 2015 und 2016 drei Unfälle durch Geisterfahrer. 2016 wurden ein Mensch getötet. In Baden-Württemberg hingegen registrierte man allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 14 Falschfahrer-Unfälle. 14 Personen wurden dabei verletzt, zwei kamen ums Leben.

„Wir haben bereits im Jahr 2014 für auffällige Fahrbahnmarkierungen und eine umfangreiche Beschilderung an Auffahrten gesorgt“, sagt Jungmann aus dem sächsischen Verkehrsministerium. Und Langkammer aus Sachsen-Anhalt ergänzt: „Die Autobahnen im Osten sind in den vergangenen Jahren gut ausgebaut worden.“ Dabei habe man auch darauf geachtet, Ab- und Auffahrten besser zu kennzeichnen. Ähnlich in Thüringen: Eine doppelte Fahrstreifenbegrenzung zwischen den Auf- und Abfahrten sowie Richtungspfeile auf den Fahrstreifen sollen für mehr Sicherheit sorgen. Über die Idee der Rüttelstreifen an Autobahnabfahrten habe man bisher noch nicht nachgedacht.

Die Erfindung aus Sachsen ist nicht ganz zum Nulltarif zu haben. Nach Angaben von Berkovych sind bei seriellem Einsatz zwischen 3500 bis 5000 Euro pro Auffahrt fällig.

Allerdings: Aufklappbare Metallkrallen im Asphalt, wie sie beispielsweise Österreich als Schutz vor Geisterfahrern einsetzt, sind deutlich teurer. Außerdem behindern sie bei Unfällen die Anfahrt von Rettungsfahrzeugen und gefährden zudem Motorradfahrer.

Von Andreas Dunte

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