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Mitteldeutschland Mehr Raser und mehr betrunkene Verkehrsteilnehmer in Sachsen
Region Mitteldeutschland Mehr Raser und mehr betrunkene Verkehrsteilnehmer in Sachsen
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14:41 12.04.2019
Aggressives Fahren und zu hohe Geschwindigkeit sind häufig Grund für schwere Unfälle. Obwohl es zuletzt in Sachsen weniger Kontrollen gab, stieg die Zahl der eingeleiteten Verfahren wegen zu hoher Geschwindigkeit auf 227.000. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Die Zahl der Straftaten von Sachsens Verkehrsteilnehmer ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Grund für übermäßige Freude bietet dieser Fakt allerdings nicht: Denn parallel dazu starben mehr Menschen bei schweren Unfällen, wurden mehr betrunkene Autofahrer und Raser von den Behörden überführt – letzteres neuerdings auch nach illegalen Straßenrennen.

Genau 46.754 Strafverfahren wegen groben Fehlverhaltens im oder auf dem Fahrzeug wurden im vergangenen Jahr von Sachsens Polizeidienststellen eingeleitet. Die meisten gab es im Bereich Dresden, weil dort im Vergleich zu den anderen vier Polizeidirektionen deutlich mehr Alkoholfahrten zur Anzeige kamen. Dazu summieren sich 470.322 geahndete Ordnungswidrigkeiten für leichtere Vergehen, wie fehlende Sicherheitsgurte oder überhöhte Geschwindigkeit. Hier liegt die PD Chemnitz klar vorn – in erster Linie, weil den Beamten dort mehr Raser ins Netz gingen als in Dresden, Leipzig, Görlitz und Zwickau. Alle Delikte zusammengezählt zeigen auch: Jeder fünfte Autofahrer im Freistaat wurde 2018 für ein Fehlverhalten im Straßenverkehr bestraft.

„Der größte Rückgang in der Statistik ist bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort zu verzeichnen“, sagt Landtagsabgeordneter Enrico Stange. Regelmäßig fragt der Linkenpolitiker Verkehrsdaten bei Innenminister Roland Wöller (CDU) ab, analysiert die Entwicklungen. Fahrerflucht sei allerdings lediglich ein Anzeigedelikt, erklärt er. Bedeutet: Wenn nach der Flucht eines Unfallverursachers keine Anzeige gestellt wird, landet der Fall auch nicht in den Akten. „Es stellt sich die Frage, inwieweit aufgrund eingestellter Verfahren die allgemeine Bereitschaft, überhaupt eine Anzeige zu stellen, zurückgegangen ist. Das scheint der Fall zu sein“, so Stange gegenüber der LVZ.

5000 geahndete Alkoholfahrten

Interessant sei auch die gestiegene Zahl der Strafverfahren wegen Trunkenheit am Steuer – die eine Gefängnisstrafe zu Folge haben können (§ 316 StGB). Mehr als 3000 solcher Alkoholtouren, bei denen die Täter nicht mehr in der Lage waren, ihr Fahrzeug tatsächlich zu führen, gab es im vergangenen Jahr. Zählt man die leichteren Verstöße mit überschrittener Promillegrenze noch hinzu, wurden im vergangenen Jahr mehr als 5000 alkoholisierte Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr gezogen. Auch in diesem Fall ist die Dunkelziffer durchaus höher, denn wie Stange betont, hängt der Erfolg direkt mit der Zahl der Verkehrskontrollen zusammen. Knapp 490.000 gab es davon anno 2018. Klingt viel, ist aber tatsächlich nur noch ein Drittel dessen, was vor zehn Jahren Standard in Sachsen war. Damals gingen den Beamten folgerichtig auch noch doppelt so viele betrunkene Autofahrer ins Netz.

Ähnliches betrifft auch die Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen. Knapp 8700 Kontrollen wurden im vergangenen Jahr auf Sachsens Straßen durchgeführt, vor zehn Jahren waren es dreimal so viele. Parallel zur gezückten Laserpistole kommen auch fest installierte Blitzer zum Einsatz, halten natürlich auch Polizeistreifen ihre Augen nach Rasern offen. Trotz weniger Kontrollen konnten so 2018 letztlich mehr Fälle von zu schnellem Fahren als im Vorjahr geahndet werden – 227.000 stehen in den Akten, ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2017. Neu in der Statistik ist die vor eineinhalb Jahren geschaffene Kategorie „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ (§ 315d StGB). Insgesamt 21 solcher Rennen wurden im vergangenen Jahr auf Sachsens Straßen registriert, die meisten im Bereich der PD Leipzig.

100 Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Die bedrückendsten Rubriken in der Statistik betreffen indes Leib und Leben. „Die Zahl der fahrlässigen Körperverletzungen liegt auf hohem Niveau, die Zahl der fahrlässigen Tötungen ist sprunghaft angestiegen“, sagt Enrico Stange. 198 Personen starben im vergangenen Jahr auf Sachsens Straßen, gegen 100 Auto- und Motorfahrer wurde deshalb ein Strafverfahren eingeleitet. Im Jahr zuvor waren es noch jeweils ein Viertel weniger. Dazu kommen mehr als 6000 Strafverfahren wegen Körperverletzungen – nach fast 18.000 Unfällen im vergangenen Jahr, bei denen Menschen zu Schaden kamen.

„Hier zeichnen sich einerseits das zunehmende Unfallgeschehen auf den Autobahnen aufgrund des wachsenden Verkehrs sowie die zunehmende Rücksichtslosigkeit von Dränglern und Rasern ab“, sagt Stange. Darüber hinaus gebe es aber auch eine deutliche Zunahme von schwerwiegenden Unfällen mit Radfahrern. „Insgesamt müssen viel stärkere Anstrengungen unternommen werden, um für Fußgänger und Fahrradfahrer den Straßenverkehr sicherer zu machen und die Kontrolltätigkeit der Polizei auszubauen“, fordert der Linkenpolitiker. Denn das Verhalten der Verkehrsteilnehmer insgesamt zu verändern, brauche einen langen Atem.

Mehr Datenjournalismus: www.lvz.de/fakten

Von Matthias Puppe

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