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Mitteldeutschland Mehr Pflegebedürftige in Sachsen - weitere Zunahme erwartet
Region Mitteldeutschland Mehr Pflegebedürftige in Sachsen - weitere Zunahme erwartet
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10:53 30.06.2018
Symbolfoto Quelle: dpa
Dresden

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen nimmt immer mehr zu. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Pflegekassen ergeben. Als ein Grund dafür gilt die Pflegereform. Dabei wurde das System unter anderem Anfang 2017 von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade umgestellt. Dadurch haben mehr Menschen Anspruch auf Pflegeleistungen, etwa Demenzkranke. Laut GKV-Spitzenverband haben die Pflegereformen der vergangenen Jahre zu einem „Boom der Pflegeleistungen“ geführt. Demnach könnte die Zahl der Leistungsempfänger von deutschlandweit 2,95 Millionen im Jahr 2016 auf rund 3,46 Millionen Ende dieses Jahres steigen.

Wie groß die durch die Reform verursachte Steigerung in Sachsen ausfällt, ist noch nicht bekannt. Laut Gesundheitsministerium wird  erst Ende des Jahres mit den Ergebnisse einer statistischen Erhebung von Dezember 2017 gerechnet. Den Angaben zufolge gibt es in Sachsen 885 stationäre Pflegeeinrichtungen mit rund 55 300 Pflegeplätze.

„Ja, auch in Sachsen ist die Umsetzung der Pflegereform spürbar“, erklärte die Pressesprecherin der Barmer Krankenkasse in Sachsen, Claudia Szymula. Seit Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze I bis III von 2015 bis März 2018 sei die Zahl der Leistungsanbieter in der Pflege um rund sechs Prozent gestiegen. Parallel dazu habe sich die Zahl der Leistungsbezieher kassenübergreifend von rund 167 000 um rund acht Prozent auf rund 174 000 erhöht.

Mit der Leistungsausweitung in der Pflegeversicherung sowie einer neuen Definition von Pflegebedürftigkeit 2017 hätten deutlich mehr Menschen Zugang zu Leistungen. Ein weiter Grund für die Zunahme sei aber auch die demografische Entwicklung, die weitere Alterung der Bevölkerung.

Weil die Pflegeversicherung eine Teilversicherung ist und deshalb nicht alle bei der Pflege entstehenden Kosten von den Kassen abgedeckt werden, hat die Reform laut Szymula auch Auswirkungen auf die Höhe der Eigenanteile. Die Pflegebedürftigen müssten einen Teil der steigenden Kosten selbst tragen. Das sei Anfang 2017 in der ambulanten Pflege spürbar gewesen und werde es nun auch in der vollstationären Pflege. So sei von Januar 2017 bis Januar 2018 der durchschnittliche Eigenanteil in Sachsen um 3,7 Prozent gestiegen.

Diese Entwicklung führe nicht selten zu Unverständnis bei den Betroffenen, sagt Szymula. Im Durchschnitt koste ein Platz in einer vollstationären Pflegeeinrichtung pro Monat in Sachsen rund 1444 Euro. Zum Vergleich: Im Bund sind es durchschnittlich rund 1990 Euro.

Für Unverständnis sorgt laut Techniker Krankenkasse oftmals auch, dass für den Pflegegrad eins kein Pflegegeld gezahlt werde und dass die Kosten nur von einem zugelassenen Leistungserbringer abgerechnet werden könnten.

Bei der AOK Plus, der mit Abstand größten Kasse in Sachsen, stieg die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen von 2016 bis Ende 2017 von 118 000 auf rund 134 000. Das entspreche einer Steigerung von 13,7 Prozent seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes, sagt Bernd Lemke von der Unternehmenskommunikation. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die erstmals Leistungen der Pflegeversicherung erhielten - Versicherte der AOK Plus mit Pflegegrad eins, wie etwa Demenzkranke - habe zum Jahresende 2017 etwa bei 9900 gelegen. Das entspreche mehr als 60 Prozent aller neu hinzugekommenen Fälle.

Die steigende Zahl von Pflegebedürftigen werde sich auch auf die Zahl der benötigten Pflegekräfte auswirken, sagt Lemke unter Berufung auf das Statistische Landesamt. Bis zum Jahr 2030 werde es ein Mehrbedarf von etwa 17 000 Vollzeitstellen geben.

Der Pflegerat in Sachsen begrüßt die Pflegereformen als einen „notwendigen Schritt“. Allerdings werde die Versorgung ohne gut ausgebildete Pflegefachkräfte nicht mehr sicherzustellen sein, sagte dessen Vorsitzender Michael Junge. Zudem solle eine grundsätzliche Neuausrichtung der Versorgungsstrukturen vor allem in ländlichen Gebieten überlegt werden.

dpa

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