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Mitteldeutschland Mehr Dreck bitte – Welt ohne Allergien scheint Ärzten möglich
Region Mitteldeutschland Mehr Dreck bitte – Welt ohne Allergien scheint Ärzten möglich
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18:15 28.09.2018
Allergie-Untersuchung: Mit dem so genannten Prick-Test sollen die Stoffe gefunden werden, die beim Patienten zu Allergien geführt haben. Quelle: dpa
Dresden

Allergien müssen kein Schicksal sein – ein Vorbeugen ist nach Ansicht von Ärzten möglich. Entscheidend seien der Lebensstil und die Abhärtung im Kindesalter, sagte der Leiter des Dresdner Universitäts AllergieCentrum (UAC), Prof. Christian Vogelberg, am Freitag am Rande des Deutschen Allergiekongresses in der Elbestadt.

Kritisch sehen Fachärzte mit Blick auf Allergien vor allem die Auswirkung des westlichen Lebensstils. „Wenig Bewegung, wenig Immunstimulation durch verbesserte Hygiene und geringerer Kontakt mit Bakterien führen dazu, dass das Immunsystem sehr früh fehlgeleitet wird“, erläuterte Vogelberg. „Die wichtigste Erkenntnis hinsichtlich der Allergieprävention ist, dass man den Körper nicht schützen soll vor Kontakt mit möglichen Allergenen – wie man das früher gemacht hat.“

Kurz: Zu viel Hygiene kann auch schaden. „Kinder sollten wieder im Dreck spielen und ihn auch in den Mund nehmen“, sagt der Mediziner. Und sie sollten auch möglichst früh möglichst viele Lebensmittel probieren. Denn in einer relativ frühen Lebensphase gebe es ein Fenster bei der Entwicklung für Verträglichkeit. Durch Ausprobieren entstünden weniger Allergien, zum Beispiel gegen Milch- oder Hühnereiweiß.

Für Vogelberg könnten allergische Reaktionen in Zukunft sogar der Vergangenheit angehören. „Eine Welt ohne Allergien ist möglich“, betonte er. Die Zuversicht basiere auf dem gewachsenen Verständnis zur Entstehung von allergischen Erkrankungen. „Da haben wir enorme Fortschritte gemacht.“ Sie seien die Basis für Vorbeugung.

So könnten bestimmte Bakterienbestandteile sehr früh nach der Geburt zugeführt werden. Zum Beispiel in Form einer „Dreckspritze oder -Nasenspray“. Das könne das Entstehen von Fehlregulationen abwenden.

Denn die Realität ist wenig erfreulich. Nahrungsmittelallergien nehmen zu, Atemwegsallergien treten bei Kindern immer früher auf. Auch das Niveau bei Asthma und Heuschnupfen stagniere unerfreulich hoch. „Ein Einjähriger, der auf Birkenpollen reagiert, ist keine Rarität mehr.“

Laut Vogelberg hat die Umwelt unmittelbaren Einfluss auf das Erbgut. Kinder sollten deshalb nicht abgeschottet werden. Der erste wichtige Schutz sei eine normale Entbindung. Bereits das Rutschen durch den Geburtskanal sei der erste Kontakt mit einem bakteriellen Umfeld – und damit gut für die Immunstimulation.

Zur Vermeidung von Allergien gebe es vielversprechende Studien, derzeit noch in der vorklinischen Phase, in absehbarer Zeit aber auch direkt am Menschen, berichtete der Präsident des Fachkongresses. Dort tauschen sich 1000 Experten, Allergologen, Internisten, Kinderärzte, Hautärzte, Arbeits- und Labormediziner sowie Ernährungsexperten über neueste Forschungsergebnisse aus.

dpa

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