Volltextsuche über das Angebot:

-5 ° / -12 ° wolkig

Navigation:
Google+
Martin Dulig: "Oft fehlender Respekt vor Lebensleistung“

Ostbeauftragter des SPD-Vorstandes Martin Dulig: "Oft fehlender Respekt vor Lebensleistung“

Der sächsische SPD-Chef Martin Dulig verlangt von seiner Partei eine andere Sicht auf den Osten. Nach wie vor gebe es in der SPD noch eine „sehr westdeutsche Sicht und Denkweise“, wenn von Ostdeutschland die Rede sei, sagte der 43-Jährige.

Martin Dulig
 

Quelle: dpa

Dresden.  Der sächsische SPD-Chef Martin Dulig verlangt von seiner Partei eine andere Sicht auf den Osten. Nach wie vor gebe es in der SPD noch eine „sehr westdeutsche Sicht und Denkweise“, wenn von Ostdeutschland die Rede sei, sagte der 43-Jährige. Dulig ist in der schwarz-roten Koalition in Sachsen Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef.

„Ich gehöre einer Generation an, die es leid ist, dass man den Osten nur über Defizite, Minderheiten und Komplexe wahrnimmt und mit Jammern gleichsetzt.“ Er gehe mit Selbstbewusstsein in diese Debatte und dem Wissen, dass Ostdeutschland einiges einzubringen habe. Dulig will künftig als Ostbeauftragter des Parteivorstandes agieren. Unlängst hatte die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Berlin beschlossen, ihre Genossen im Osten stärker zu unterstützen. Das schließt die Funktion eines Ostbeauftragten ein. Ob Dulig noch mit einem anderen Bewerber für das Amt rechnen muss, ist unklar. Letztlich bestimmt der Parteivorstand darüber, voraussichtlich Anfang Januar. „Ich sehe dieses Amt als eine politische Funktion. Ich bin nicht der Geschäftsführer Ost. Meine Aufgabe ist es nicht, die Strukturen der Ost-SPD aufzubauen“, sagte Dulig. Er wolle aber als „Stimme für den Osten“ in der Partei wirken.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl sei es ratsam, „sich genau anzuschauen, warum der Osten so tickt“. Für viele Westdeutsche habe sich nach 1990 wenig geändert. Sie hätten nie versucht zu verstehen, was es für Umbrüche in Ostdeutschland gab: „Es gibt oftmals einen fehlenden Respekt vor den Lebensleistungen der Menschen im Osten vor der Wende, aber auch vor den großen Umbrüchen und Herausforderungen, welche nach der Friedlichen Revolution bewältigt worden sind.“ Teile einer ganzen Generation hätten nach der Wende Demütigungen erlitten. „Sie haben eigene Nachteile wie geringere Löhne und Arbeitslosigkeit in Kauf genommen, nur damit es weitergeht. Dieses Thema wurde nie aufgearbeitet“, so Dulig. Andererseits gebe es aber auch viele Ostdeutsche, die sich bei diesen Themen überhaupt nicht angesprochen fühlten. Zudem hätten sich viele Westdeutsche auf vorbildliche Weise in den Aufbau Ost eingebracht: „Deshalb brauchen wir eine differenzierte Sicht auf die Befindlichkeiten.“

Von Jörg Schurig, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr