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Machtkampf in AfD: Wie stark ist Petry noch?

Streit in der Partei Machtkampf in AfD: Wie stark ist Petry noch?

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist nach Einschätzung von Linken-Chef Bernd Riexinger mit ihrem Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl einer möglichen Schlappe auf dem Parteitag zuvorgekommen. „Sie hat keine Chance gesehen, Spitzenkandidatin zu werden. Das ist kein Verzicht aus hehrem Anlass“, sagte Riexinger.

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Frauke Petry

Quelle: dpa

Berlin. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist nach Einschätzung von Linken-Chef Bernd Riexinger mit ihrem Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl einer möglichen Schlappe auf dem Parteitag zuvorgekommen. „Sie hat keine Chance gesehen, Spitzenkandidatin zu werden. Das ist kein Verzicht aus hehrem Anlass“, sagte Riexinger der „Berliner Zeitung“. „Die AfD hat sich so weit nach rechts verschoben, dass Frau Petry sich nicht mehr durchsetzen kann. Das ist skurril, weil sie selbst den Weg nach rechts geöffnet hat.“

Petry, die in Sachsen auch Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD ist, hatte am Mittwoch überraschend erklärt, dass sie „weder für eine alleinige Spitzenkandidatur noch für eine Beteiligung in einem Spitzenteam zur Verfügung stehe“. Auf dem mit Spannung erwarteten AfD-Parteitag am Wochenende in Köln soll unter anderem über die Spitzenkandidatur und über die weitere strategische Ausrichtung der Partei entschieden werden. Petry strebt an, dass über einen Antrag abgestimmt wird, der festhält, dass die AfD ­mittelfristig koalitionsfähig werden und keine „Fundamentalopposition“ betreiben will. Der Antrag hatte für massiven Streit in der Führungsspitze gesorgt. Der Konflikt ist eng verknüpft mit dem Machtkampf zwischen Petry und ihren Kritikern, zu denen neben dem Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke auch Parteivize Alexander Gauland zählt.

Grünen-Chefin Simone Peter sieht nach Petrys Verzicht „immer mehr rechtsextreme Gesinnung“ in der AfD. „Frauke Petry wird wie einst Bernd Lucke die Geister, die sie rief, nicht mehr los“, sagte Peter der „Rheinischen Post“. Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte der „Berliner Zeitung“: „Das ist ein personeller Streit, kein Richtungsstreit. Mit oder ohne Petry ist die AfD eine rechtsnationale Partei mit offenen Verstrickungen in rechtsextremistische Kreise.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayman Mazyek, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, während Petry immerhin noch zum kritischen Dialog etwa mit dem Zentralrat bereit gewesen sei, hätten sich dem andere aus der Parteiführung komplett verweigert. „Die AfD ist auf dem Weg, die NPD komplett aufzusaugen.“

Schon vor ihrem Rückzug auf Bundesebene verlor Petry offenbar auch an Rückhalt auf dem lokalen Parkett. So hatte der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, dass es zwischen Petry und ihrem Ehemann Marcus Pretzell Streit mit AfD-Mitglied Matthias Moosdorf gebe. Moosdorf, der Cellist im renommierten Leipziger Streichquartett ist, war laut „Spiegel“ 2016 rasch zu Petrys „engem Berater“ aufgestiegen, habe ihre Trauung mit Pretzell im Leipziger Mendelssohn-Haus organisiert und sich fasziniert von ihrer „Schnelligkeit und Intelligenz“ gezeigt. Nun sei es mit der Harmonie dahin, würde Moosdorf in Beschwerdebriefen an die AfD-Spitze seine „Kaltstellung“ beklagen, schreibt der „Spiegel“ und will wissen, dass der Cellist einst dem AfD-Paar Kontakte in höchste russische Kreise vermittelt habe, etwa zu Putins Chefberater Igor Lewitin.

Ob Petry bis zum Parteitag am Wochenende noch Boden gutmachen kann, ist schwer einzuschätzen. AfD-Vize Alexander Gauland signalisierte gestern zumindest Kompromissbereitschaft in Bezug auf den umstrittenen „Zukunftsantrag“ von Petry. „Ich halte den Antrag nach wie vor für Unsinn. Aber wenn mein Name da rauskommt, kann man dem Antrag zustimmen. Dann kann die Partei dem Antrag zustimmen.“ Gauland erklärte außerdem, er wünsche sich, dass Petry trotz ihrer Entscheidung, auf die Spitzenkandidatur zu verzichten, „im Wahlkampf auftritt und präsent ist“. Er stehe weiterhin als Teil eines Spitzenteams zur Verfügung. Die Ökonomin Alice Weidel, die ebenfalls im Gespräch ist, lobte Gauland als „sehr gut geeignet“. Sie habe eine Menge in die Partei eingebracht.

Von dpa

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