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Mitteldeutschland Chemnitz: Polizei korrigiert Zahl der Verletzten nach oben
Region Mitteldeutschland Chemnitz: Polizei korrigiert Zahl der Verletzten nach oben
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13:19 02.09.2018
Fast 10.000 Menschen nahmen am Samstag in Chemnitz an dem Demos von AfD, Pegida und Pro Chemnitz sowie am Gegenprotest teil. Quelle: Knofe (2), dpa
Chemnitz

Tausende Demonstranten haben sich am Sonnabend in Chemnitz versammelt. Ein Aufzug der AfD kam nur wenige hundert Meter weit, dann wurde die Versammlung aufgelöst, Gegendemonstranten hatten die Strecke blockiert. Danach drohte die Lage zeitweise zu eskalieren. Bis 22.30 Uhr registrierten die Einsatzkräfte 25 Straftaten. Dabei handelte es sich um Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Am Sonntag sprach die Polizei dann von 37 Anzeigen. Diese Zahl könne noch weiter steigen.

Nach jetzigem Stand wurden 18 Personen verletzt, darunter auch ein Mitarbeiter des MDR, der eine Treppe hinunter gestoßen worden sein soll. Zunächst war von neun Verletzten die Rede. Drei Polizeibeamte erlitten beim Zurückdrängen von Versammlungsteilnehmern Blessuren. Die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel bedanket sich bei ihren Kollegen. "Trotz der erwarteten und mittlerweile uns bekannten Straftaten ist es doch weitgehend friedlich geblieben. Dafür gilt auch mein Dank auch der großen Anzahl an besonnenen Versammlungsteilnehmern", so Penzel weiter.

Abseits der Aufmarschroute wurde am frühen Abend ein Afghane angegriffen und geschlagen. Der 20-Jährige erlitt im Ortsteil Markersdorf bei dem Übergriff durch mehrere Täter leichte Verletzungen. Ob es sich bei den vier vermummten Personen um ehemalige Versammlungsteilnehmer handelt, ist noch nicht klar.

Wöller: "Fingerspitzengefühl und konsequentes Handeln"

Die Polizei war am Sonnabend mit einem Großaufgebot vor Ort. Beamte aus zehn Bundesländern und der Bundespolizei waren angereist, mehrere Wasserwerfer und Räumpanzer standen bereit. Insgesamt sicherten 2000 Beamte die Aufzüge ab. Am Sonntag meldet sich auch Innenminister Roland Wöller (CDU) zu Wort. „Ich bin dankbar, dass es gestern im Zusammenhang mit den Demonstrationen und Versammlungen weitgehend friedlich geblieben ist“, sagte er laut einer Mitteilung in Dresden. Er dankte den friedlichen Teilnehmern und den Polizisten für Umsicht, Fingerspitzengefühl und konsequentes Handeln bei schwierigem Einsatz. „Es ist deutlich geworden, dass wir rechten Chaoten und gewaltbereiten Extremisten nicht die Straße überlassen, sondern Recht und Ordnung durchsetzen", so Wöller weiter.

Es sei zu hoffen, „dass sich dauerhaft Besonnenheit und Toleranz in unserem Land, in Sachsen, aber insgesamt in Deutschland durchsetzen“, sagte Wöller. Demokratie lebe von unterschiedlichen Meinungen und lebhafter Kritik, die frei geäußert würden, „aber auch davon, sich gegenseitig zuzuhören und andere Meinungen zu achten."

11.000 Teilnehmer bei Demos

Die AfD und das fremdenfeindliche Bündnis Pegida hatten zu einem sogenannten „Schweigemarsch“ für den in der Nacht zu Sonntag ermordeten Daniel H. aufgerufen. Zuvor fand bereits eine Kundgebung der rechtspopulistischen Wählervereinigung Pro Chemnitz statt. Zu diesen beiden Veranstaltungen kamen laut dem Sprecher der Stadt Chemnitz rund 4500 Teilnehmer. Darunter waren nach Angaben von Beobachtern erneut viele Rechtsextreme und Hooligans. Bereits am Montag war es am Rande einer Pro-Chemnitz-Demo zu Ausschreitungen Rechtsextremer gekommen.

Ein breites Bündnis aus der Zivilgesellschaft, von Parteien und antifaschistischen Gruppen hatte zum Gegenprotest aufgerufen. Laut dem Stadtsprecher kamen dort rund 4000 Menschen zusammen. Die Polizei nannte später eine Gesamtzahl von 9500 Personen für beide Lager und korrigierte diese Zahl am Sonntag auf mehr als 11.000. Bereits am frühen Nachmittag versammelten sich viele der Teilnehmer bei der Kundgebung unter dem Motto „Herz statt Hetze“, wo unter anderem die Band Madsen auftrat. Auch viele Bundes- und Landespolitiker waren zu der Kundgebung gekommen.

AfD-Demo wird aufgelöst

Die Teilnehmer von Pro Chemnitz schlossen sich nach ihrer um 16 Uhr begonnen Kundgebung nach einigen Diskussionen schließlich gegen 16.40 Uhr dem sogenannten „Schweigemarsch“ an, an dem auch der Thüringische AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke und Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann teilnahmen. Der Aufmarsch startete mit einer guten Stunde Verzögerung wegen noch zu überprüfender Ordnern gegen 18.15 Uhr und kam nur mehrere hundert Meter weit. In der Nähe des Nischels stoppte die AfD-Demo, bei der viele Rechtsextreme mitliefen bereits.

Gegendemonstranten blockierten die geplante Route. Zu einer Räumung kam es nicht, die Polizei beendete vorher die AfD-Demo, da die Versammlungszeit bereits überschritten sei. „Eine Umgehung der Bahnhofstraße/Zschopauer Straße ist aus gefahrenabwehrrechtlichen Gründen nicht möglich. Der Versammlungsleiter wurde angesprochen, seine Demo zu beenden“, schrieben die Beamten auf Twitter. Das erfolgte um 19.15 Uhr.

Lage droht zu eskalieren

Danach schien die Lage zeitweise zu eskalieren. Rechtsextreme und Hooligans versuchten die Polizeiketten zu durchbrechen und zu den Gegendemonstranten zu kommen. Mehrere Journalisten wurden nach eigener Aussage von Teilnehmern der aufgelösten AfD-Demo attackiert. Die Polizei fuhr mehrere Wasserwerfer und Räumpanzer auf. Auch die Reiterstaffel war vor Ort und griff immer wieder ins Geschehen ein.

Am frühen Abend beruhigte sich die Lage langsam wieder. Viele der Gegendemonstranten machten sich auf zum Bahnhof. Ein harter Kern von rund 300 Demonstranten wollte allerdings nicht nach Hause gehen und brüllte auf der Straßenkreuzung Brückenstraße/Straße der Nationen immer wieder "Widerstand". Die Gruppe zog schließlich an die Stelle, wo Daniel H. getötet wurde, und hielt eine Spontankundgebung ab, obwohl das die Polizei immer wieder untersagt hatte. Dort wurde von den Teilnehmern auch das Deutschlandlied gesungen. Nach einer Stunde beendete die Polizei schließlich auch diese Kundgebung.

Am Roten Turm versuchten zuvor rund 300 Personen zur Versammlung des AfD durchzudringen. Die Ordnungskräfte verhinderten das. Vereinzelt sei es zu Rangeleien gekommen, so die Beamten.

LVZ.de begleitete den Tag mit einem Liveticker. Der Ticker zum Nachlesen:

  • 01.09.18 20:08
    Am Montag findet in Chemnitz ein Konzert unter dem Motto #wirsindmehr statt, das sich gegen Rechtsextremismus richtet. Dabei sind unter anderem Die Toten Hosen, Kraftklub, K.I.Z und Trettmann.
  • 01.09.18 20:06
    Laut Stadt Chemnitz musste der Rettungsdienst bis 21 Uhr zu 17 Einsätzen ausrücken. Davon mussten elf Personen ins Krankenhaus gebracht werden. "Die Feuerwehr musste zu einem Einsatz ausrücken, der im Zusammenhang mit dieser Sonderlage steht", hieß es weiter.
  • 01.09.18 19:12
  • 01.09.18 19:04
  • 01.09.18 19:03
  • 01.09.18 18:51
    Die verbliebenen Teilnehmer der aufgelösten rechten Demo von AfD, Pegida und Pro Chemnitz versammeln sich unterdessen am Gedenkort für den ermordeten Daniel H.
  • 01.09.18 18:45
    An der Johanniskirche, wo die Gegendemonstranten die Strecke der AfD-Demo blockiert hatten, steht immer noch eine Gruppe Demonstranten herum. Daneben warten Polizisten.
  • 01.09.18 18:40
    Laut Polizei sind alle größeren Versammlungen inzwischen beendet.
  • 01.09.18 18:34
    Die Polizei fordert wiederum auf, friedlich zu bleiben.
  • 01.09.18 18:32
  • 01.09.18 18:28
    Am Nischel hatte die Polizei zwischenzeitlich durchgesagt: "Einer Spontankundgebung wird nicht statt gegeben. Bitte entfernen Sie sich in Richtung Theaterstrasse."
  • 01.09.18 18:27
    Es kommt anscheinend in Bahnhofsnähe noch zu kleineren Zwischenfällen.
  • 01.09.18 18:23
    Laut einer Journalistin werden Teilnehmer der Gegendemos vor dem Chemnitzer Bahnhof von der Polizei zurückgehalten, da nur jeweils 400 Menschen in einen Zug passen. Die Stimmung sei aber ruhig.
  • 01.09.18 18:18
    Nach Aussagen mehrerer Journalisten auf Twitter gab es auch Attacken von rechten Demonstranten auf Medienberichterstatter.
  • 01.09.18 18:05
    Es stehen weiter Leute von der aufgelösten AfD-Demo an der Kreuzung Brückenstrasse/Straße der Nationen rum.
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