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Mitteldeutschland Leipziger Forscher in Sorge um Orang-Utans
Region Mitteldeutschland Leipziger Forscher in Sorge um Orang-Utans
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12:27 19.02.2018
Lebensraumverlust und Wilderei – das sind die größten Gefahren für Orang-Utans (großes Foto). Die Leipziger Biologin Maria Voigt (29) auf dem Fluss Kinabatangan in Malaysia mit den Kollegen Asli (Mitte) und Wasli (rechts).  Quelle: Fotos: Serge Wich/privat
Leipzig

Die Artenschutzmaßnahmen der vergangenen 50 Jahre haben nicht verhindern können, dass die Zahl der Orang-Utans auf Borneo weiterhin dramatisch sinkt. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt ein Team von Forschern aus 38 internationalen Institutionen unter der Leitung des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI), des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle–Jena–Leipzig (iDiv) und der Liverpool John Moores University.

Neueste Daten deuten darauf hin, dass sich die Gesamtzahl der Borneo-Orang-Utan zwischen 1999 und 2015 um mehr als 100.000 Tiere verringert hat. Die federführende Autorin einer entsprechenden Studie ist Maria Voigt, der wissenschaftliche Leiter des Projekts heißt Hjalmar Kühl. Beide sind vom Leipziger MPI und iDiv.

Verfolgung durch den Menschen

Biologin Voigt und Primatologe Kühl sowie Wissenschaftler aus Großbritannien und Australien kommen zu dem Schluss, dass vor allem die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen die Menschenaffen bedroht. Auf Borneo im Malaiischen Archipel, drittgrößte Insel der Welt und größtes Eiland Asiens, ist der Rückgang am dramatischsten in Gebieten, die abgeholzt oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt wurden.

„Überraschenderweise war jedoch der zahlenmäßige Verlust von Orang-Utans in Primärwäldern und Wäldern, in denen selektiv Holz geschlagen wird, am größten – also dort, wo die meisten Orang-Utans vorkommen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Leipziger Max-Planck-Instituts vom Donnerstag.

Die Verfolgung durch den Menschen – etwa das Töten der Tiere in Konfliktsituationen und die Jagd nach Fleisch beziehungsweise für den Haustierhandel – sei wahrscheinlich einer der Hauptgründe für den Rückgang in diesen Waldgebieten.

Vorkommen in Plantagen

Hauptautorin Voigt erläutert, warum die aktuellen Verlustraten so viel höher sind als bisher angenommen: „Da wir jetzt mehr Daten zu Vorkommen und Dichte der Orang-Utans haben, können wir die Verteilung und Populationstrends der Tiere besser rekonstruieren. So haben wir erfahren, dass Orang-Utans viel weiter verbreitet sind als bisher vermutet und dass sie sogar in einigen Plantagen vorkommen.“

Neue Nahrungsquellen

Orang-Utans wurden oft als eine sehr sensible Art beschrieben, die nur unter den besten ökologischen Bedingungen überleben kann. Immer öfter stellen die Forscher aber fest, wie widerstands- und anpassungsfähig die Primaten sind. So können sie sich von Pflanzen ernähren, die ursprünglich nicht zu ihren natürlichen Nahrungsquellen gehörten; beispielsweise von Akazien oder Ölpalmen.

„Was die Orang-Utans aber nicht verkraften, sind die hohen Tötungsraten“, heißt es in der Studie weiter. Orang-Utans hätten nur selten und außerdem wenig Nachwuchs. Schon eine frühere Erhebung habe gezeigt: Wenn nur einer von 100 ausgewachsenen Orang-Utans pro Jahr aus einer Population entfernt wird, stirbt diese Population sehr wahrscheinlich aus.

Eine andere Studie zu Tötungsraten hat ergeben, dass in manchen Gebieten Borneos von 100 erwachsenen Orang-Utans pro Jahr drei bis vier getötet oder gefangen wurden. Diese Ergebnisse würden den hohen Populationsrückgang in den Wäldern von Borneo erklären, heißt es.

Einige stabile Populationen

Er sehe aber auch Positives, sagt Studienleiter Kühl, der schon Untersuchungen zu Sumatra-Orang-Utans, afrikanischen Gorillas und Schimpansen durchführte. „Es gibt tatsächlich mehr Orang-Utans, als wir bisher dachten. Und einige Populationen scheinen relativ stabil zu sein.“ Da es diese Gruppen in Teilen des malaysischen Borneos und in den größeren Nationalparks im indonesischen Borneo noch gibt, „ist es unwahrscheinlich, dass der Borneo-Orang-Utan in absehbarer Zeit aussterben wird“. Trotzdem sei es dringend notwendig, zusätzliche Verluste zu verhindern. Weitere 45 000 Orang-Utans könnten in den nächsten 35 Jahren allein durch die Zerstörung ihrer Lebensräume verschwinden.

Naturschutzbehörden in der Pflicht

Die aktuelle Studie von Voigt, Kühl & Co. sieht vor allem die indonesischen und malaysischen Naturschutzbehörden in der Pflicht, „geeignete Strategien zu entwickeln, die den aktuellen Populationsrückgang berücksichtigen“.

Von Dominic Welters

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