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Mitteldeutschland Leipziger Firma holt die „Landshut“aus Brasilien nach Deutschland
Region Mitteldeutschland Leipziger Firma holt die „Landshut“aus Brasilien nach Deutschland
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09:09 20.09.2017
Von Terroristen im Oktober 1977 gekidnappt und von der GSG 9 befreit: Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf dem Flughafen im brasilianischen Fortaleza.   Quelle: Foto: dpa

 Am sächsischen Flughafen Leipzig/Halle unterhält die russische Unternehmensgruppe Volga-Dnepr mit ihrer Tochterfirma Ruslan Salis GmbH ein konkurrenzloses Frachtfluggerät. Vor allem mit der spektakulären Antonow 124-100 „Ruslan“ übernimmt man bereits seit 2006 anspruchsvolle Lufttransporte – so wie jetzt auch den Rücktransport der am 13. Oktober 1977 entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ nach Deutschland. Zur Zeit wird die historische Maschine auf dem Flughafen im brasilianischen Fortaleza demontiert.

Vier Jahrzehnte, nachdem die „Landshut“ durch Terroristen auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt/Main samt 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern entführt und fünf Tage später in einer abenteuerlichen Aktion in der somalischen Hauptstadt Mogadischu durch das Kommando GSG  9 gestürmt worden war, erreicht die Boeing 737-200 bald wieder deutschen Boden. Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine wollten palästinensische Terroristen ihre deutschen RAF-Gesinnungsgenossen unterstützen, die zuvor Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer († 62) entführten. und später umbrachten. Polizisten finden die Leiche des Daimler-Managers am 19. Oktober 1977 im Kofferraum eines Pkw im französischen Mühlhausen.

Soweit die Historie: Voraussichtlich am Sonnabend landet nun die „Landshut“ wieder in Deutschland – auf dem Bodensee-Airport in Friedrichshafen. Doch dies nicht aus eigener Kraft. In diesen Tagen demontieren und verteilen Experten der Lufthansa Technik AG die „sterblichen Überreste“ der Maschine auf zwei russische Frachtflieger: Der Rumpf landet dann am Bodensee in einer riesigen Antonow AN-124 an, Flügel und Leitwerk mit einer Iljuschin IL-76.

Bewerkstelligt wird alles durch eine in Sachsen beheimatete Firma – die Ruslan Salis GmbH mit Sitz am Airport Leipzig/Halle. Das Tochterunternehmen der russischen Frachtfluggesellschaft Volga-Dnepr Airlines verfügt halt über das nötige Luftequipment, darunter allein zwölf AN-124. Doch mehr erfährt man in Leipzig nicht zu diesem spektakulären Unterfangen, vielmehr verweist man hier dezent auf das Auswärtige Amt in Berlin. Und das aus gutem Grund: Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) höchstselbst arbeitete offenbar zusammen mit der Dornier-Stiftung daran, das symbolträchtige Flugzeug vom jetzigen Standort im brasilianischen Fortaleza zurückzuführen. Hier erwarb man es dem Vernehmen nach zum Schrottpreis von 20 000 Euro. Denn zuletzt flog die „Landshut“ von 2002 bis Januar 2008 für die brasilianische TAF Linhas Aéreas, ehe diese sie nach 38 Betriebsjahren und 60 000 Flügen stilllegte.

Zugute kommen bei der Überführung der „Landshut“ fraglos der Umstand, dass die Antonow von vorn wie von hinten beladen werden kann, sowie der riesige Bauch des Vogels. Gleich fünf kleinere Hubschrauber fänden auf einmal darin Platz. Ob denn der Westen will oder nicht, die AN-124 – zu der es mit der AN-225 sogar noch ein etwas größeres Modell gibt – ist schlicht konkurrenzlos. In den letzten 15 Jahren landeten die Großraumtransporter auf über 900 Flughäfen in 140 Ländern.

Deutschland ist übrigens der Hauptkunde dieser Salis-Abkommen, auch wenn die 1080 Flugstunden, für die die Bundeswehr die AN-124 allein 2017 vorgebucht hat, aus einem Nato-Deal von zwölf Ländern resultieren. Das westliche Militärbündnis vereinbarte bereits 2006 einen ersten Nutzungskontrakt für die russischen Riesenvögel namens „Ruslan“ (zu Deutsch: Löwe) und verlängerte diesen seither ständig – zuletzt de facto unbefristet. Zumindest deutet darauf die ausgeschriebene Bezeichnung der Abkürzung „Salis“ hin. Denn verbarg sich dahinter ursprünglich die Sprachformel „Strategic Airlift Interim Solution“, was auf eine Übergangslösung (= Interim) verwies, ist in dem im Dezember 2016 erneuerten Papier nun von „Strategic Airlift International Solution“ die Rede.

Indes war Ruslan Salis bis dahin noch ein russisch-ukrainisches Konstrukt. Seit 2017 gehen die beiden vormaligen Partner – die Volga-Dnepr Airlines im russischen Uljanowsk und der ukrainische Staatsbetrieb Antonov Design Bureau in Kiew – getrennte Wege. Damit schloss auch die Nato mit beiden Unternehmen getrennte Salis-Verträge ab. Die Leipziger Ruslan Salis GmbH soll dabei mit bis zu zwölf AN-124 im Geschäft sein, die Ukrainer mit sieben Maschinen. Das dürfte sowohl der größeren Flotte der Russen geschuldet sein als auch deren moderateren Preisen. Laut Insidern kalkulieren sie die Flugstunde mit 23 341 Euro – und damit gut ein Drittel günstiger als die Ukrainer.

Das russische Schwesterunternehmen Volga-Dnepr Technics GmbH, das ebenfalls am Airport Leipzig/Halle sitzt, betreibt hier zugleich einen der größten Wartungshangars Europas. Mit 8500 Quadratmetern Grundfläche kann er gleich vier Airbus 320 aufnehmen, jedoch nur eine An-124-100. Nicht nur alle Antonows der russischen Unternehmensgruppe werden hier entsprechend der Pflichtintervalle gecheckt, auch etwa Boeings. Errichtet wurde die 17,7 Millionen Euro teure Halle übrigens durch den Flughafen Leipzig/Halle. „Und wir haben sie dann für 30 Jahre gepachtet, bis 2042!“, unterstreicht Ildar Iliyasov, Geschäftsführer von Volga-Dnepr-Technics und Vizechef für Technik bei Ruslan Salis, die Langfristigkeit dieses russischen Engagements in Sachsen.

Von Harald Lachmann

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