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Mitteldeutschland Lehrkräfte schalten sich mit Petition in Schulpolitik in Sachsen ein
Region Mitteldeutschland Lehrkräfte schalten sich mit Petition in Schulpolitik in Sachsen ein
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13:05 11.03.2018
Quelle: dpa
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Dresden

Die Initiative ist unterschrieben von „Lehrkräften, Eltern, Familien und Untersützern“ und richtet sich direkt ans Zentrum der Macht im Freistaat: an den sehr geehrten Herrn Ministerpräsidenten Kretschmer und den sehr geehrten Herrn Minister Piwarz. Mit einer Online-Petition schalten sich jetzt Pädagogen in die Schulpolitik in Sachsen ein. Und wieder spielt die Absetzung des Gymnasiallehrers Frank Haubitz vom Posten des Kultusministers eine tragende Rolle. Bis zum Freitagabend hatten sich bereits mehr als 1500 Unterstützer gefunden, innerhalb eines Monats sollen es etwa 12000 werden.

„Nicht erst seit der Personalentscheidung hinsichtlich des Ministerpostens im Bereich Bildung sehen wir die dringende Notwendigkeit, uns als Lehrkräfte des Freistaates Sachsen zu Wort zu melden“, heißt es. Dann wird es deutlich: „Wir kritisieren die politische Prioritätensetzung in unserem Bundesland wie sie seit mehr als einem Jahrzehnt zu beobachten ist und fordern eine Neuausrichtung der Bildungspolitik im Sinne der Kinder und Jugendlichen.“

Die Zukunft eines Landes sei eng geknüpft an die Erziehung und Bildung der Jugend. Die Vermittlung von Grundlagenwissen, methodischen und sozialen Kompetenzen sowie die bewusste ganzheitliche Begleitung von Kindern und Jugendlichen garantiere die gesunde Reifung eines mündigen, produktiven und glücklichen Menschen, der sich nach seinen individuellen Möglichkeiten für die freiheitlich- demokratische Gesellschaft einsetzt und diese mitgestaltet.

Höchstmaß an Professionalität nötig

„Als pädagogische Fachkräfte übernehmen wir genau diese Aufgabe“, schreiben die Initiatoren. Jeden Tag begleiten, erziehen und unterrichten wir junge Menschen der kommenden Generation. In Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und gesellschaftlicher Pluralität wird dieser Auftrag zunehmend komplexer und erfordert ein Höchstmaß an Professionalität, emotionaler und zeitlicher Flexibilität sowie umsichtiger Kooperation. Die Arbeit mit und an Menschen sei nicht nur eine Berufung und Herzenssache, „sie fordert - übt man sie ernsthaft und konsequent aus – den ganzen Menschen und dessen Umfeld“.

Es gilt, das Thema Bildung und Erziehung wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und für dessen Wertschätzung zu kämpfen. Dazu gehören ein konstruktiver Diskurs zwischen allen am Bildungsprozess Beteiligten, kurzfristige Maßnahmen zur Entbürokratisierung des schulischen Alltags sowie verantwortungsvolle Entscheidungen für ein gesundes Arbeitsklima an sächsischen Schulen. „Frank Haubitz hatte in diesem Zusammenhang zahlreiche praxisnahe Maßnahmen zusammengestellt, die in weiten Teilen sächsischer Kollegien als positive Signale gewertet wurden.“ Nicht nur unter Lehrkräften, sondern auch in den Familien der Schülerinnen und Schüler sei der kraftvolle und konkrete Auftakt der Amtszeit des ehemaligen Ministers begrüßt worden. „Denn das ist es, was Sachsens Bildungsbereich braucht: politische Tatkraft und den aktiven Rückhalt der Bevölkerung.“

Weniger Schüler pro Klasse und weniger Stunden

Haubitz war von Ministerpräsident Stansilaw Tillich (CDU) nach dem Rücktritt von Vorgängerin Brunhild Kurth (CDU) berufen, doch wenige Wochen später nach dem Amtsantritt von Michael Kretschmer (CDU) nach Tillichs Rücktritt schon wieder entlassen worden. Der neue Regierungschef berief Christian Piwarz, bis dahin parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion zum Kultusminister und verteidigt diese Entscheidung bis heute als richtig.

Die Autoren der Petition wünschen Piwarz jetzt „Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen sowie uns einen kämpferischen, kooperativen und weitsichtigen Minister, der sein Handeln in den Dienst der sächsischen Kinder und Jugendlichen stellt“. Die Zeichen der Zeit gilt es nicht nur zu erkennen, sondern es heißt aktiv Politik zu betreiben, die progressiv und durchdacht die Zukunft Sachsens im Blick hat.

Dazu formulieren sie mehrere „Kernpunkte“: Um nachhaltige pädagogische Arbeit zu ermöglichen, bedürfe es zusätzlicher Anrechnungsstunden für KlassenlehrerInnen, TutorInnen und MentorInnen, einer Erhöhung des Gesamtstundenpools an Schulen sowie einer langfristigen und festen Beschäftigung von SozialarbeiterInnen an jeder Bildungseinrichtung. Für einen individuellen und schülerorientierten Bildungsprozess sollte die Klassenstärke auf 24 SchülerInnen reduziert werden.

Nur eine gesunde, selbstwirksame Lehrkraft könne ganzheitliche Bildungsprozesse gestalten. „Wir setzen uns für die Herabsetzung des Regelstundensatzes auf 24 Unterrichtsstunden pro Woche ein.“ Um eine Flexibilität der Lehre hinsichtlich einer lebensnahen und schülerorientierten Ausrichtung zu gewährleisten, sehen die Autoren die Notwendigkeit einer Überarbeitung der Lehrpläne und einen raschen Ausbau der digitalen Infrastruktur in allen schulischen Bildungseinrichtungen.

Aufruf zum Gespräch

Die Bürokratisierung des schulischen Alltags raube wertvolle Ressourcen. Schulen sollte mehr Gestaltungsspielraum eingeräumt werden. Es gelte, die Kraft auf das Kerngeschäft zu fokussieren: die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Um gesellschaftliche Wichtigkeit und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen, sei die Bedeutung einer finanziellen Gleichstellung innerhalb der Schularten und im Vergleich der Länder nicht zu unterschätzen.

Die Zeit drängt. Wir fordern Sie auf, die Bildung und Erziehung junger Menschen als oberste Priorität einzustufen und praxistaugliche Signale zu senden und rufen dazu auf, „mit uns zu konkreten bildungspolitischen Maßnahmen ins Gespräch zu kommen“.

Von Ingolf Pleil

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