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Lehrer-Mangel: Kultusministerin Kurth fordert mehr Studienplätze in Sachsen

Lehrer-Mangel: Kultusministerin Kurth fordert mehr Studienplätze in Sachsen

Kurz vor dem Schulstart geht Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in die Offensive. Die momentan 1700 Studienplätze für Lehramtsstudenten würden bei Weitem nicht ausreichen, um den künftigen Bedarf zu decken, so Kurth gestern in Dresden.

"Deshalb müssen die Ausbildungskapazitäten aufgestockt werden." Aktuell gebe es viel mehr Bewerber als Studienplätze. "Es gibt keinen Interessen-Mangel am Lehrer-Beruf, sondern einen Mangel an Studienplätzen."

Damit ging Kurth auf Konfrontationskurs zum Wissenschafts- und Finanzministerium, die - zumindest offiziell - noch an dem engen Stellenkorsett festhalten. In den nächsten Tagen sind Gespräche mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) avisiert. Dabei soll auch eine weitere Forderung der Kultusministerin auf den Tisch kommen: Nicht nur an der Universität Leipzig, sondern auch an den TU in Dresden und Chemnitz sollen so schnell wie möglich Lehrer für das Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ausgebildet werden. "Mit dem jetzigen Zustand kann ich nicht zufrieden sein", machte die CDU-Politikerin klar. Hintergrund ist, dass mit steigenden Asylbewerberzahlen auch die Zahl der Flüchtlingskinder in den Schulen steigt: Allein in diesem Schuljahr müssen die DaZ-Stellen auf 632 etwa verdoppelt werden. Die ersten 50 wurden zum Schuljahresbeginn in der nächsten Woche verpflichtet.

Für das neue Schuljahr wurden insgesamt 1100 neue Lehrer unbefristet eingestellt, die 964 Vollzeitstellen einnehmen - so viele wie seit 1990 nicht. Bei gleichzeitig 850 Abgängen (755 Stellen) ergeben sich daraus 250 zusätzliche Stellen - die allerdings gerade einmal ausreichen, den Anstieg um 6000 Schüler etwa aufzufangen. "Die Besetzung freier Stellen hat sich als sehr viel schwieriger als in den Vorjahren erwiesen. Der Lehrerarbeitsmarkt ist weitgehend leergefegt", erklärte Kurth. Deshalb musste ein Fünftel der neuen Lehrer-Stellen mit Seiteneinsteigern und ein weiteres Fünftel mit Lehrern, die nicht für die entsprechende Schulart ausgebildet wurden, besetzt werden. Aufgrund der Probleme bei den Stellenbesetzungen kündigte sie "attraktivitätssteigernde Maßnahmen" wie höhere Eingruppierungen beim Gehalt an. "Ich möchte auch eine Verbeamtung nicht für immer und ewig ausschließen", stellte Kurth mit Fingerzeig Richtung Finanzministerium klar.

Kritik kam umgehend von der Opposition. "Der Einstellungskorridor reicht bei Weitem nicht aus", sagte Cornelia Falken, Bildungsexpertin der Linksfraktion. Zudem kritisierte sie die hohe Zahl an Seiteneinsteigern: "Es fehlen passende Lehrer, mehr als ein Drittel der neuen Lehrer verfügt nicht über entsprechende Qualifikationen. Das gilt insbesondere für die Grundschulen. Die Tendenz, dass der Lehrerberuf zu einem learning by doing gerät, ist besorgniserregend." Der Sächsische Lehrerverband (SLV) begrüßte zwar die hohe Zahl Neueinstellungen, forderte aber bessere Vergütung, damit nicht mehr jeder zweite Junglehrer abwandert. "Bei der Entlohnung muss sich dringend etwas bewegen", so der SLV-Chef Jens Weichelt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2015

Andreas Debski

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