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Mitteldeutschland Lara Liqueur: Spaß und Spiele
Region Mitteldeutschland Lara Liqueur: Spaß und Spiele
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20:53 09.09.2015
Quelle: PR

Für die Dresdner Oberbürgermeisterwahl tritt sie jedenfalls an, und Roberto Blanco ist vielleicht noch das beste Motiv, dass man ihr zuschreiben kann. „Weil ich die einzige bin, die das moralisch und geistig tote Dresden retten kann – mit ganz vielen Spirituosen“, erläutert sie selbst ihre Motivation gegenüber DNN. Sie oder er, das weiß man auch nicht so genau. Jedenfalls wird die Bewerbung bei der Dresdner Wahlbehörde offiziell als Lars Stosch und der Berufsbezeichnung DJ geführt, mit dem Geburtsdatum 8. April 1995.

Die selbsternannte „Drag-Queen aus Dresden“ sieht sich als fast „unbeschreibliche Travestie-Künstlerin“. Entweder das liebreizende Mädchen von Nebenan oder der coole Glamour-Drag-Alien: Lara Liqueur beherrsche ihre Rolle immer so, wie sie sein muss und versuche dabei trotzdem nie, sich über ihr Publikum zu stellen. Auch das weiß man nicht so genau. „Ich werde die Stadt ab dem 7. Juni regieren und am 8. Juni anständige Harald-Glööckler-Tapeten im Rathaus installieren lassen. Anschließend werde ich ein Denkverbot in der rational befreiten Zone Dresden verhängen. Alles weitere ergibt sich dann von selbst“, lauten die Ziele als OB. Sie trete für die „sehr gute Partei Die PARTEI an, der seit Jahren der Ruf von Kompetenz und zuverlässiger Inhaltslosigkeit vorauseilt“, heißt es auf der Internetseite mit ihrem „Regierungsprogramm“ – darin werden dann unter anderem Olympische Winterspiele für Dresden und der sofortige Wiederabriss der Frauenkirche genannt. Um Unterstützungsunterschriften hat Stosch auch mit Gratis-Liqueur vor dem Wahlamt auf der Theaterstraße geworben. Freischnaps gegen Unterschrift hieß das Motto und es hat gereicht. Mit 262 gültigen Unterschriften lag Stosch über der nötigen Zahl von mindestens 240 Unterstützern.

Das finden viele andere Interessenten für eine Kandidatur vielleicht nicht so lustig. Von 18 Anmeldungen fielen zwölf aus Mangel an Unterschriften durch. Drei Bewerber haben keine einzige Unterschrift bekommen. Zwei Interessenten haben genau eine erhalten. Einer lebt in Pirna. Am 27. Februar, 9 Uhr, war er der erste, der seine Kandidatur beantragt hat. Im Gemeindewahlausschuss, wo über die Zulassung der Kandidaten entschieden wurde, ist er gar nicht erst aufgetaucht. Das haben viele so gemacht. Auch Samuel Fink, der sich als KassettenDJ – Rumpelkopf bezeichnet, ist nicht erschienen. Er hat es immerhin auf 185 gültige Unterstützer-Unterschriften gebracht.

Auch Axel Müller aus Dresden ist gescheitert, er hat nur eine Unterschrift bekommen. „Das war ein guter Freund“, sagt er. Der 53-Jährige ist Werkzeugmacher von Beruf. Angemeldet ist er als Freiberufler. Im Prinzip sei er aber gerade arbeitslos. „Der Weg war das Ziel, es ging mehr um den olympischen Gedanken“, beschreibt er seine Motive. „Ich wollte mal sehen, wie weit ich komme.“ Jetzt ist er schon „ein bisschen enttäuscht“. Mancher hätte ihn im Vorfeld schon für verrückt erklärt. „Aber warum, wir sind doch ein freies Land, da kann doch jeder machen , was er will“, meint Müller. Übelnehmen will er es seinen ganzen Bekannten aus dem Kegelverein oder dem Stadtviertel nicht. „Die Menschen haben doch den Kopf voll mit so vielen anderen Dingen“, sagt Müller und winkt ab. Jetzt hofft er, dass jemand gewählt wird, der sich auskennt in der Stadt.

Die vielen chancenlosen Kandidaten werden sich dann nur durch den Spaß an der Freude unterscheiden.

Ingolf Pleil

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