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Mitteldeutschland Landarzt-Mangel: Sachsen sollen bei Medizinstudium bevorzugt werden
Region Mitteldeutschland Landarzt-Mangel: Sachsen sollen bei Medizinstudium bevorzugt werden
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20:51 09.09.2015
Barbara Klepsch im Gespräch mit den Redakteuren Jan Emendörfer (l.), André Böhmer und Andreas Debski. (r.) Quelle: Wolfgang Zeyen

Außerdem kündigt sie harte Finanzverhandlungen für die Krankenhäuser an.

Sachsen hat die Gelder für die Krankenhäuser zwar aufgestockt, doch die Klinikchefs sprechen immer noch von einem Investitionsstau. Was unternehmen Sie, damit sich die fehlenden Finanzen nicht auf die Patienten durchschlagen?

Dazu muss man zunächst sagen: Bis 2014 haben die Krankenkassen rund 44 Millionen Euro pro Jahr zur Finanzierung von Investitionskosten in Krankenhäusern dazu gegeben. Diese Zuschüsse sind nun weggefallen. Für den laufenden Doppelhaushalt haben wir lange mit dem Finanzminister gerungen. Und ein gutes Ergebnis erzielt. 130 und 120 Millionen Euro pro Jahr sind ein solider finanzieller Grundstock für die sächsischen Krankenhäuser. Natürlich kann man sich immer mehr wünschen - doch wir sollten realistisch sein. Unsere Krankenhäuser sind gut aufgestellt. Damit das so bleibt, dürfen in den nächsten Jahren die Gelder nicht reduziert werden. Das Budget muss also mindestens gleich bleiben.

Sehen Sie die Gefahr, dass an dieser Stelle gespart werden soll?

Haushaltsverhandlungen sind immer ein Ringen. Auch bei der Krankenhaus-Finanzierung ist das nicht anders. Alle Ressorts haben ihre Wünsche - doch nicht alle sind erfüllbar. Im sächsischen Zukunftsfonds sind bereits 60 Millionen Euro speziell für die Kliniken eingeplant worden. Und nach der Sommerpause beginnen die ersten Gespräche für den Doppelhaushalt 2017/18. Dann wird wieder hart verhandelt werden müssen.

Die Bundesregierung hat vor kurzem den Gesetzentwurf für eine neue Krankenhausstruktur vorgelegt. Sind Sie - wie die Klinikchefs - enttäuscht?

Nein, im Gegenteil. Andere Bundesländer haben bereits Probleme, ihren Anteil für die Kofinanzierung des Strukturfonds aufzubringen. Für Sachsen wären das 25 Millionen Euro. Die gleiche Summe gibt im Gegenzug der Bund. Das ist viel Geld und für mich ein positives Signal.

In Sachsen gibt es 80 Kliniken, davon viele in Regionen, die ausbluten. Wird sich der Freistaat in Zukunft noch alle diese Krankenhäuser leisten können?

In den vergangenen Jahren wurden fünf Milliarden Euro investiert. Wir haben bereits eine schlanke Krankenhausstruktur. Andere Bundesländer sind weit davon entfernt. Natürlich müssen wir aber auch bei uns schauen, wie die Kliniken inhaltlich ausgerichtet sind. Momentan arbeiten wir an einem neuen Krankenhausplan, hierzu wird auch ein Gutachten erstellt. Es geht darum, wie wir die Krankenhauslandschaft zukunftsfähig gestalten. Dahinter steht auch die Frage, wie die Grundversorgung im ländlichen Raum gesichert wird und wo spezielle Ausrichtungen notwendig sind.

Es besteht also keine Gefahr, dass kleinere Kliniken geschlossen werden?

Wie gesagt, wir haben bereits eine gut aufgestellte Krankenhauslandschaft. Ob alle Kliniken eine Zukunft haben, das lässt sich heute noch nicht sagen. Uns geht es um die medizinische Versorgung, und die muss in der Fläche gesichert werden. Dafür brauchen wir auch gute Ideen und neue Konzepte. Und wir brauchen mehr Miteinander zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten - im Interesse der Patienten, die sich ebenfalls umstellen müssen. Die Telemedizin - für die in Sachsen gerade das deutschlandweit größte Projekt erprobt wird - ist eines dieser Beispiele. Klar ist aber auch: Technische Neuerungen können den Arzt nicht ersetzen. Aber sie können die Kommunikation erleichtern und Prozesse beschleunigen.

Heißt das, die Menschen müssen sich - gerade auf dem Land - auf Einschnitte bei der Versorgung einstellen?

Der Freistaat Sachsen hat schon sehr viel unternommen, um gerade solche Einschnitte zu verhindern oder abzumildern. Andere Bundesländer schauen da auf uns. Aber es gilt ebenso für die ärztliche Selbstverwaltung, die für die Verteilung der Ärzte verantwortlich ist. Wir können keinen Arzt zwingen, eine Praxis in einem bestimmten Ort zu eröffnen. Wir können nur darum werben und die Rahmenbedingungen attraktiv gestalten. Die meisten jungen Mediziner möchten in den Großstädten Leipzig und Dresden, also den Studienorten, bleiben. Deshalb gibt es erhebliche Probleme, den Arztnachwuchs für einen Einsatz auf dem Land zu motivieren. Aber hier sind wir bereits dran.

Wenn die Probleme seit langem bekannt sind: Weshalb wird erst spät gehandelt?

Mit dieser Herausforderung stehen wir ja nicht allein. Und es gibt keine einfachen und schnellen Lösungen. Aber wir kommen mit kleinen Schritten voran. Allerdings wird es immer einen Unterschied zwischen dem Wünsch- und dem Machbaren geben. Da müssen wir uns nichts vormachen. Wir brauchen auch eine viel stärkere Zusammenarbeit von Kommunen und Kassenärztlicher Vereinigung. Nicht selten bedeutet beispielsweise schon die Streichung einer Buslinie für die medizinische Versorgung einen Einschnitt.

Letztlich werden Buslinien auch nur eingestellt, weil Geld fehlt.

Ja, aber einige Kommunen setzen stattdessen Kleinbusse ein, damit die Menschen zum Einkaufen oder eben zum Arzt fahren können. Da gibt es gute Beispiele, wie hier einfach und unkompliziert geholfen werden kann. Lösungen müssen vor Ort gefunden werden. Oft hilft es bereits, wenn sich die Beteiligten besser miteinander abstimmen würden und auch Entwicklungen gesehen und diesen begegnet werden. Das macht es für die Menschen leichter. Es gibt inzwischen auch Kommunen, die wieder Ärztehäuser einrichten - was nach der Wende in eine andere Richtung gelaufen ist, indem die Polikliniken abgeschafft wurden, wird geändert. Für mich ist das der richtige Weg.

Was kann der Freistaat dazu beitragen?

Wir können dafür sorgen, dass die existierenden Bausteine - unter anderem Stipendien, Werbekampagnen und Förderungen - weiter bestehen und auch ausgebaut werden. Außerdem bin ich in Gesprächen, um bei den Auswahlkriterien für Medizinstudenten den Schwerpunkt stärker auf Landärzte zu lenken. Ziel ist: Mehr Studenten, die aus Sachsen kommen, sollen in Sachsen Medizin studieren können - und danach in Sachsen bleiben. Aber wir müssen auch generell das Leben im ländlichen Raum attraktiv gestalten, egal ob Kita-Betreuung oder schnelle Datenleitungen.

Ihre Wissenschaftskollegin, Frau Stange, hat solche Ambitionen zuletzt - mit dem Hinweis auf die Hochschulhoheit - vehement abgelehnt.

Wenn ein Dekan vor mir sitzt und das Problem anspricht, werde ich garantiert nicht weghören. Wir müssen die Fragen gemeinsam und konsequent angehen. Heutzutage kann niemand sagen, wie viele Medizinstudenten aus Sachsen tatsächlich in Sachsen bleiben und als Arzt arbeiten. Auch das müssen wir angehen und unsere Lehren daraus ziehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.07.2015

Jan Emendörfer, André Böhmer un

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