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Mitteldeutschland Sachsens LKA warnt: So zocken Internet-Erpresser ab
Region Mitteldeutschland Sachsens LKA warnt: So zocken Internet-Erpresser ab
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10:01 01.09.2018
Internet-Erpresser versuchen, auch mit intimen Nacktaufnahmen ihrer Opfer an Bares zu kommen. Quelle: dpa
Leipzig

Vermutlich konnte der 23-Jährige aus Leipzig-Grünau sein Glück kaum fassen. In diversen Online-Chats hatte ihn eine Unbekannte kontaktiert, schon Stunden später ließ sie vor ihrer Webcam alle Hüllen fallen und ihn daran teilhaben. Aufgewühlt wie er war, konnte sie ihn sogar animieren, sich ebenfalls auszuziehen und nackt zu räkeln. Doch plötzlich war der Spaß vorbei und die neue Bekannte wurde dienstlich: 3000 Euro sollte der Grünauer zahlen, andernfalls würden Nacktaufnahmen von ihm im Internet auftauchen. So skurril die Geschichte um die Sex-Erpresserin auch scheint: Liebesfallen wie diese sind längst kein Einzelfall, warnt Tom Bernhardt vom sächsischen Landeskriminalamt (LKA).

Nacktbilder gegen Geld

Zum sogenannten „Love-Romance-Scamming" sind im Polizeilichen Auskunftssystem Sachsen (PASS) allein für das vergangene Jahr 213 Betrugs-, Erpressungs- und Geldwäschedelikte mit einem Gesamtschaden von mehr als 1,6 Millionen Euro erfasst. In elf Fällen ging es um Erpressungen mit zuvor ausgetauschten Nacktbildern oder ähnlich intimen Aufnahmen.

„Eine hundertprozentig valide Darstellung aller Fälle kann allerdings nicht abgebildet werden“, so der Behördensprecher, „da dieses Tatphänomen nicht eigenständig erfasst wird.“ Bernhardt recherchierte daher nach 68 verschiedenen möglichen Textstellen wie „Love“, „Datingportal“, „neu.de“, „Date-Plattform“, „Internetbekanntschaft“. Zudem gehen die Ermittler von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, da viele Opfer sich schämen, Anzeige zu erstatten.

Drohung auch mit Selbstmord

Oftmals gelingt es den Scammern, ihren Zielpersonen emotional sehr nahe zu kommen. Ein harmlos scheinender Flirt im Netz, Mails über Monate hinweg. „Und plötzlich meint man, die große Liebe vor sich zu haben“, so der Kriminalhauptkommissar. „Doch das reale Kennenlernen wird von einer Geldüberweisung abhängig gemacht, entweder für das Visum oder für den Kauf eines Flugtickets oder es gibt eine Notlage: Ein enger Angehöriger ist erkrankt, nur eine teure Operation kann helfen oder Wertsachen und Pass wurden gestohlen und die Hotelrechnung ist offen. Dabei scheuen die Täter nicht, erpresserische Methoden anzuwenden, sogar mit Selbstmord wird gedroht.“

Opfer zwischen neun und 84

Per Western Union überweisen die Opfer dann Bares – nach Erkenntnissen des LKA meist nach Ghana, Nigeria, den USA, Großbritannien, der Türkei oder auch Russland. Und das nicht zu knapp: Bei neun der 213 Delikte lagen die Schadenssummen zwischen 50 000 und 118 000 Euro, allein zweimal wechselten je 100 000 Euro den Besitzer. In etwa der Hälfte der Fälle gab es hingegen gar keinen Schaden oder weniger als 1000 Euro.

Die insgesamt 196 Opfer waren zwischen neun und 84 Jahre alt. 60 von ihnen waren männlich, 143 weiblich, wobei vier Frauen sogar jeweils zweimal Abzockern auf den Leim gingen. Hauptzielgruppe der Täter waren Frauen ab 40 Jahren, die immerhin mehr als 60 Prozent aller Opfer ausmachen. Gerade in den Geldwäsche-Fällen waren auch Institutionen betroffen.

Ärzte und Kunsthändler

Ermittelt wurden bislang 45 Tatverdächtige, darunter 13 Deutsche, die in derart illegale Geldgeschäfte verstrickt waren. Unter den Erpressern waren ein US-Amerikaner und mehrere Frauen aus Deutschland. Doch gerade viele Betrügereien blieben ungeklärt. „Allein in 59 dieser Fälle waren Gelder oder auch Pakete mit Handys und anderen Dingen in Richtung Westafrika, überwiegend nach Ghana und Nigeria avisiert“, so der LKA-Sprecher. Hier wurden fast ausschließlich Frauen zu Opfern. Männer fallen hingegen ins Beuteschema angeblich heiratswilliger Frauen aus der Russischen Föderation. 2017 floss 12-mal Geld von sächsischen Männern, die von einer Ehe träumten.

Betrüger und Erpresser kommen im Netz aber nicht nur als potenzielle Bräute, sondern auch als angebliche amerikanische Soldaten, UN- oder Militärärzte sowie Arbeiter auf Bohrinseln oder Containerschiffen daher. Manche Täter geben sich auch als kanadische Gold- und Kunsthändler aus. Laut dem LKA lässt sich durchaus simpel testen, ob es der oder die neue Bekannte ernst meint: Einfach den Namen mit dem Zusatz „Scammer“ googeln.  

Von Frank Döring

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