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Mitteldeutschland Kontroverse in Klipphausen: Höckes Schatten lastet auf Sachsens AfD
Region Mitteldeutschland Kontroverse in Klipphausen: Höckes Schatten lastet auf Sachsens AfD
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10:25 30.01.2017
Sichtlich zufrieden zeigt sich Frauke Petry nach ihrer Rede vor den AfD-Delegierten in Klipphausen. Quelle: dpa
Klipphausen

Sein Schatten war stets spürbar im leicht garstigen Ambiente, sein Name aber fiel so gut wie nie: Der Thüringer AfD-Chef und verbriefte Rechtsableger Björn Höcke dominierte den gesamten Parteitag der sächsischen AfDler am vergangenen Wochenende. Doch die Redner vorn am Pult wollten in ihren offiziellen Statements davon nur wenig wissen. Es war der Landeskonvent der AfD, zu dem sich 320 Delegierte in Klipphausen versammelten – unweit der Ausfahrt Wilsdruff an der Autobahn A4. Rund eineinhalb Wochen ist der denkwürdige Dresdner Auftritt von Höcke zum Holocaust-Gedenken erst her.

Auf dem AfD-Landesparteitag in der Gaststätte der Agrargenossenschaft Burghardswald ging es ans Eingemachte: Wie hält es die Parteibasis mit Höckes Provokationen, nachdem sich Parteichefin Frauke Petry mit einem herben Gegenschlag von ihm distanziert hatte? Wie viele AfD-Mitglieder im Freistaat teilen dessen völkisch-nationale Parole von der „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“? Und wie viele stehen hinter Petry? Um all das ging es, schließlich war das Murren der Basis wegen Petrys Haltung im Vorfeld des Konvents kaum zu überhören. Die AfD-Chefin selbst versuchte in Klipphausen, die Fallstricke zu umschiffen. Keine Grundsatzrede von ihr als Parteichefin war vor­gesehen, und auch in ihrem Statement zur Begrüßung verlor sie kein unmittelbares Wort zum ungeliebten Thüringer „Parteifreund“, dem sie doch „parteischädigendes Verhalten“ vorgehalten hatte.

Was Petry vielmehr sagte, betraf das Allgemeine: dass sich die AfD zwar grandios im Aufwind befinde und bei den kommenden Wahlgängen ein „sicheres zweistelliges Ergebnis“ anvisiere; dass das Potenzial der Partei aber „nach oben begrenzt“ sei. Folge: Die AfD wolle „stärkste Oppositionspartei“ werden, eine Mehrheit von 51 Prozent aber sei dann doch wohl nicht absehbar. Darüber hinaus sprach sich Petry gleich mehrfach für das aus, was sie Realismus nennt. „Wir sind keine Utopisten“, lautete der Kernsatz dazu. Und irgendwie war er damit dann doch da, der so vehement umschiffte Bezug zu Höcke. Denn in AfD-Kreisen wird der Thüringer gern als eine Art Nationalromantiker beschrieben, als ein völkischer Charismatiker. Und genau das will Petry nicht.

Ansonsten schleppte sich der Parteitag stundenlang dahin. Viele Dutzend Abstimmungen zum Prozedere gab es, gespickt mit Reden, Gegenreden, Aus­zeiten und Anträgen zur Geschäfts­ordnung. Geknistert hat es dennoch erheblich. Das war nicht nur in jenem Moment zu spüren, als Generalsekretär Uwe Wurlitzer das Höcke-Thema auf die Tagesordnung setzen wollte – damit aber von den Delegierten gnadenlos abgeschmettert wurde; und es zeigte sich vor allem beim zweiten Teil des Parteitags. Dabei ging es um die Sachsen-Liste mit AfD-Kandidaten für die Bundestagswahl.

Hier allerdings ließ sich die Kontroverse kaum mehr deckeln. Schließlich stellte sich den Delegierten nicht nur Petry für den Listenplatz 1 zur Wahl, den ebenso heiß begehrten Listenplatz 2 hatte kein Geringerer als der Dresdner Richter Jens Maier im Visier. Und genau der war es, der kurz vor dem Höcke-Auftritt vor zehn Tagen ebenfalls am Mikro stand – und dort mit markigen Sprüchen Furore gemacht hatte. Vom „Schuldkult“ der Deutschen, der „endgültig beendet“ werden müsse, bis hin zu „Mischvölkern“, mit denen die „nationalen Identitäten“ ausgelöscht würden, hatte er alles im Programm. Und ganz nebenbei outete sich Maier als Höcke-Fan. Dieser, sagte er, sei schlicht „meine Hoffnung“.

Damit stand die Gemengelage am Wochenende fest: Klar, am Stuhl von Petry wollten die AfD-Parteigänger dann doch nicht allzu zu heftig sägen, aber ihren Widerpart, den Dresdner Höcke-Jünger Maier, wählten sie dann trotzig doch – und das keineswegs verhalten. Das lässt sich in den Quoten ablesen. So erhielt Petry 79,1 Prozent der Delegierten-Stimmen, ein für eine Landeschefin nicht gerade berauschendes Ergebnis – zumal sie ohne Gegenkandidat angetreten war. Über ein Fünftel ihrer eigenen Anhängerschaft lehnt sie also ab, einfach mal so, selbst wenn es keine Alternative gibt. Das Ergebnis von Maier für Listenplatz 2 sah nur wenig anders aus, mit einem entscheidenden Unterschied: Der Höcke-Verehrer hatte es mit einem Gegenkandidaten zu tun – was seine Quote umso bemerkenswerter macht.

Von Jürgen Kochinke

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