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Kommt die kirchliche „Trauung für alle“?

Nach „Ehe für alle“ Kommt die kirchliche „Trauung für alle“?

Ein wichtiger Schritt ist er für die einen; ein falscher für die anderen. Der Beschluss des Bundestages, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, stößt in den beiden großen Kirchen in Sachsen auf ein geteiltes Echo.

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Quelle: dpa

Dresden. Ein wichtiger Schritt ist er für die einen; ein falscher für die anderen. Der Beschluss des Bundestages, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, stößt in den beiden großen Kirchen in Sachsen auf ein geteiltes Echo.

Zufrieden zeigen sich in der evangelisch-lutherischen Kirche Betroffene und deren Sympathisanten. Von Freude und Überraschung darüber, dass das lange angestrebte Ziel so unerwartet schnell erreicht worden sei, spricht Markus Raschka. Der Aktivist für die Rechte von Lesben und Schwulen hält jedoch weitere Aufklärung innerhalb der evangelischen Kirche in Sachsen für nötig. „Mein Mann und ich werden gemeinsam mit anderen Freundinnen und Freunden weiterhin Präsenz zeigen, am Infostand stehen, uns für Hauskreise, Gemeindeabende und Pfarrkonvente anbieten zum Gespräch“, kündigt er an.

Markus Gutfleisch von der ökumenischen, also konfessionsübergreifenden Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) begrüßt das Ende von „ausgrenzenden Sonderregeln, die sich schon im Begriff ‚Verpartnerung’

verbergen“. Er sei überzeugt, „dass die Ehe für alle christlich ist, dass lesbische und schwule Paare ein Segen füreinander und für die Gesellschaft sind“. Nach der „Ehe für alle“ brauche es nun zunächst Respekt für alle: „Von den Kanzeln, in Schulen, im kirchlichen Arbeitsrecht, Respekt auch für die, die nicht heiraten und dennoch solidarisch, engagiert und in der Vielfalt des Regenbogens leben“.

In die Freude über die Gleichstellung gleichgeschlechtlich liebender Menschen mischt sich für den Leipziger Pfarrer Frank Martin vom liberalen Forum für Gemeinschaft und Theologie (“frei und fromm“) Sorge darüber, dass Beleidigungen und Übergriffe trotz rechtlicher Gleichstellung nicht aufhören. In der sächsischen Landeskirche sieht er noch Handlungsbedarf: „Statt einer Trauung für alle wurde – immerhin – nur eine Segnungsagende für Lesben und Schwule beschlossen, die wieder als diskriminierend verstanden wird.“

Gemeint ist die Segnung einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft, möglich seit Jahresbeginn. Die Entscheidung darüber überlässt die Kirchenleitung ganz dem Pfarrer: Hält er den Segen für vereinbar mit seinem Bibelverständnis, darf er ihn erteilen. Wenn nicht, kann ihn niemand dazu zwingen.

Im sächsischen Landeskirchenamt ist eine abwartende Haltung zu beobachten. Viele Folgefragen seien in dem „unangemessen hastigen“

Verfahren offengeblieben, konstatiert Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz.

Absehbar indes sei: „Die neue Beschlusslage wird vermutlich aber auch innerhalb unserer Landeskirche ein neues Gespräch und eine theologische Vergewisserung über das Wesen der Ehe in Gang setzen.“

Denn ein grundlegender Gegensatz hat sich aufgetan: Unter „Ehe“ versteht der Staat nun etwas Anderes als die Kirche, die an Bibel und Bekenntnis gebunden ist. Zugleich verweist Burkart Pilz auf einen gemeinsamen

Nenner: „Der Grundsatz für kirchliches Handeln bleibt aber: Kirche begleitet Menschen und kann Hilfestellung leisten, wo sie verlässlich und verbindlich miteinander leben. Schnittpunkt mit staatlichem Handeln ist die Sorge und die Unterstützung von Kindern in Gemeinde und in Bildungseinrichtungen.“

Zurückhaltend, doch deutlich reagierte Landesbischof Carsten Rentzing.

Auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) erklärte er, es gelte weiter „die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann“.

Neben dem Forum „frei und fromm“ fordert auch der Bundesverband der Frauen in der evangelischen Kirche nun als nächsten Schritt eine kirchliche Trauung auch für homosexuelle Paare. Nach dem erbitterten Streit um schwule und lesbische Theologen in Pfarrhäusern und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare könnte das in der sächsischen Landeskirche neue Debatten entzünden. Derzeit sieht Burkart Pilz jedoch keinen Anlass zu einer Diskussion über eine „Trauung für alle“: „Unser Gesprächsstand und unsere Ordnungen beinhalten dies momentan nicht.“

In der römisch-katholischen Kirche in Sachsen ist die Position klar und einheitlich. Denn die Ehe gilt dort als eines der sieben Sakramente, als heilig und unantastbar also. Als „Keimzelle der Gesellschaft“ solle die Ehe besonderen Schutz genießen, erklärt Michael Baudisch, Sprecher des Bistums Dresden-Meißen. Für katholische Christen sei die Ehe von vier wesentlichen Prinzipien geprägt: „der lebenslangen Bindung, der Verbindung zwischen Mann und Frau, der Bereitschaft, Leben weiterzugeben, und die Ausrichtung auf das beiderseitige Wohl der Partner“.

Baudisch bedauert, mit dem Bundestagsbeschluss sei die differenzierte Wahrnehmung unterschiedlicher Partnerschaftsformen aufgegeben worden.

Und betont: „Die Wahrnehmung von Unterschieden ist keine Diskriminierung. Wenn es darum geht, die Wertschätzung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu betonen, wäre auch eine andere formelle Ausgestaltung vorstellbar gewesen. Das muss nicht dadurch geschehen, dass der Rechtsstatus der Ehe für alle geöffnet wird.“

Von Tomas Gärtner

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