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Mitteldeutschland Koala, Katze & Co. - Sensible Esser in Sachsens Zoos
Region Mitteldeutschland Koala, Katze & Co. - Sensible Esser in Sachsens Zoos
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14:55 07.07.2018
Koala-Männchen Oobi-Ooobi frisst an einem Eukalyptuszweig im Zoo Leipzig. Quelle: Jan Woitas/dpa
Leipzig

Hunderte Kilogramm Heu und Stroh, große Portionen Fleisch und Fisch, Dutzende Eier - all das steht täglich auf den Speiseplänen der Zootiere in Sachsen. Die Organisation ist eine Herausforderung, wie Helmar Pohle weiß - und zwar nicht nur wegen der Mengen. Pohle ist Zooinspektor in Dresden und dort für den Speiseplan der Tiere zuständig. Das richtige Futter für jeden Zoo-Bewohner zu finden, könne Jahre dauern, sagt er.

Tiere werden getötet und verfüttert

Zwar werden Obst und Gemüse regional gekauft, Nüsse und Joghurt kommen aus dem Großmarkt. Doch einige Spezies haben besondere Bedürfnisse - zum Beispiel kleinere Katzenarten, die laut Pohle besonders „sensible Esser“ sind. Sie neigen zu Unverträglichkeiten, fressen nicht jedes Fleisch. Deswegen werden auch im Zoo gehaltene Mäuse und andere Kleintiere getötet und frisch verfüttert. Lebendfutter gibt es nicht - das ist bis auf wenige Ausnahmen nach dem Tierschutzgesetz für Wirbeltiere verboten, so Pohle.

Dass Tiere in Zoos getötet und verfüttert werden, ist laut Deutschem Tierschutzbund gang und gäbe. „Rein rechtlich ist die Tötung zur Verfütterung als „vernünftiger Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes abgedeckt und entsprechend für Tierschutzorganisationen keine Handhabe möglich“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Bei eigens gezüchteten Futtertieren wie Mäusen müsse sichergestellt werden, dass sie artgerecht gehalten und fachgerecht und schmerzfrei getötet werden.

Auch im Chemnitzer Zoo leben Farbmäuse und -ratten, Meerschweinchen und Kaninchen, die als Futter enden. Teilweise kämen noch Hühner dazu, sagte ein Sprecher der Stadt. „Außerdem werden diverse Insekten im Tierpark als Futtertiere gehalten.“ Der Leipziger Zoo bekommt zweimal im Monat Lieferungen vom Fleisch- und Fischhändler. Mehr als 41 000 Kilogramm macht das jährlich aus, wie eine Zoosprecherin mitteilte.

Von einem Futterfleischverkauf aus der Nähe bezieht der Dresdner Zoo vor allem Rindfleisch, schätzungsweise 350 Kilogramm in der Woche. Anbieter gibt es nur wenige, sagt der Zooinspektor, das könne ein Problem werden. Denn besonders die sensiblen Tiere merkten sofort, wenn es eine Umstellung gibt oder sich die Qualität des Futters verändert.

Gärtnerin Jacqueline Dittrich schneidet die Blätter einer Eukalyptuspflanze in einem Gewächshaus der Gärtnerei Zschieschang. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Ähnlich geht es auch den anspruchsvollen Koalas. Sie sind besonders wählerisch, fressen nur frische Blätter. Schon drei Jahre, bevor die Beuteltiere in Dresden einzogen, hat der Zoo Gespräche mit einer nahegelegenen Gärtnerei geführt. Zehn bis 15 Eukalyptussorten werden dort extra für die Koalas angebaut. Da es zu riskant wäre, sich auf einen Lieferanten zu verlassen, tauscht man sich auch mit Leipzig aus. Dort lebt seit etwa zwei Jahren der Koala Oobi-Ooobi - und auch extra für ihn werden seitdem nördlich von Leipzig mehrere Sorten Eukalyptus angebaut.

Fotorückblick: Die Ankunft der Koalas Mullaya und Iraga im Dresdner Zoo

Reicht das nicht aus, kommt ein Teil des Futters in Dresden außerdem aus Übersee. „Wir kaufen auch Blätter in Florida. Die werden frisch geerntet, kommen etwa zwei Tage später hier an und lagern in einer speziellen Kühlzelle“, so Pohle. Vor allem im Winter, wenn der Anbau hierzulande schwieriger ist, bekämen die Dresdner Koalas den amerikanischen Eukalyptus. Aber auch im Sommer wird aus Florida zugekauft, damit die Tiere an alle Sorten gewöhnt sind. Ein spontaner Wechsel kommt für die Baumbewohner nämlich nicht infrage.

Doch auch der Speiseplan der meisten anderen Vierbeiner wird regelmäßig überarbeitet. Fast jedes Tier hat irgendeine Besonderheit, weiß Zooinspektor Pohle. Außerdem soll nicht nur das Futter an sich, sondern auch die Fütterungstechnik so natürlich wie möglich sein. „Ein Affe zum Beispiel bekommt das Blatt nicht einfach hingelegt. Er holt es sich vom Baum“, erklärt der Zooinspektor. Auch darauf wird im Dresdener Tierpark Rücksicht genommen.

Von Josephine Heinze, dpa

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