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Kampfsportstudios in Sachsen haben Konjunktur

Gegen die Angst Kampfsportstudios in Sachsen haben Konjunktur

Mit klopfendem Herzen im Dunkeln, allein in einer Tiefgarage, Furcht vor Belästigung. Mit Selbstverteidigungskursen und in Kampfsportvereinen wollen sich immer mehr Sachsen für gefährliche Situationen wappnen. Sportverbände und Kampfsportstudios hatten in den vergangenen Monaten mehr Zulauf.

Selbstverteidigungskurse stehen bei den Sachsen hoch im Kurs.

Quelle: dpa

Dresden. Mit klopfendem Herzen im Dunkeln, allein in einer Tiefgarage, Furcht vor Belästigung. Mit Selbstverteidigungskursen und in Kampfsportvereinen wollen sich immer mehr Sachsen für gefährliche Situationen wappnen - auch Frauen, Kinder und Ältere, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Sportverbänden und Kampfsportstudios ergab. „Unsere Vereine hatten im vergangenen Jahr Zulauf“, sagt Geschäftsführer Ingolf Bartsch vom Sächsischen Karatebund.

Ob  die sexuellen Übergriffe in Köln vor einem Jahr dabei eine Rolle gespielt haben, lasse sich nur schwer beurteilen. „Vielleicht hat das zusätzlich Schub gegeben“, sagte Bartsch. Auffallend sei, dass viele Menschen über 50 in die Vereine gekommen seien. Genaue Zahlen konnte Bartsch jedoch nicht nennen. Seinen Angaben zufolge gibt es in Sachsen rund 150 Karate-Vereine mit zusammen etwa 8500 Mitgliedern.

„Wir machen Kampfsport“, stellt der Chef der Taekwondo Union Sachsen, Randolf Baldauf, klar. Die Selbstverteidigung sei nur ein Teil davon. Es brauche zwei bis drei Mal Training wöchentlich und das etwa zweieinhalb Jahre, ehe die Techniken und Bewegungen richtig sitzen. Selbstverteidigung sei eher Sache der privaten Kampfsportstudios. Crashkurse von wenigen Wochen sieht er skeptisch. „Wer verspricht, das lasse sich schnell erlernen, der lügt.“ Für einen Einstieg seien solche Kurse aber durchaus gut.  

Kampfkunst von den Philippinen unterrichtet der Verein Arnis Dresden. Arnis sei sehr „alltagstauglich“, sagt Vereinschefin Bianka Schmedeman. „Da gibt es viel, mit dem man sich gut zur Wehr setzen kann.“ Deshalb habe sie sich vor zweieinhalb Jahren für diesen Sport entschieden. Aktuell habe der Verein 25 Mitglieder, 2016 seien 4 hinzu gekommen. „Der höchste Zuwachs der vergangenen zwei Jahre.“ Künftig will der Verein auch Selbstverteidigungskurse für Nicht-Mitglieder anbieten.

Sie habe den Eindruck, dass wegen der aktuelle Sicherheitslage das Bedürfnis zugenommen habe, sich verteidigen zu können, sagt die 32-jährige Vereinschefin. Sie selbst nehme sich da nicht aus. „Es gibt Viertel und Straßen, da gehe ich nachts nicht gern hin.“ Sie habe ihre kämpferischen Fähigkeiten zwar noch nie anwenden müssen. „Aber ich fühle mich damit sicherer.“

Die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen habe zugenommen, berichtet Ralf Ginkel von Krav Maga Dresden. „Vor allem für Frauen und Kinder.“ Das Interesse sei vor allem nach Ereignissen wie denen von Köln immer hoch, lasse aber schon wenige Wochen später wieder deutlich nach.

„Vor allem im Januar und Februar war die Nachfrage für Frauenkurse enorm“, berichtet Jörg Eckstein von der Kampfsportschule Nug Mui in Dresden. Einige der Frauen hätten berichtet, selbst schon belästigt worden zu sein. Auffällig sei: „Früher sind die Menschen meist gekommen, um einfach nur Sport zu treiben. Jetzt steht bei vielen die Selbstverteidigung im Mittelpunkt.“

In den Grundkursen werde den Frauen vor allem beigebracht, wie sie sich unangenehmen Situationen entziehen könnten. In weiteren, längeren Kursen könnten sie dann lernen, sich bei Übergriffen effektiv zu wehren.

„Selbstverteidigung hat in der öffentlichen Wahrnehmung an Ansehen gewonnen“, hat Uwe Päper von der Wing Tsun Kampfkunstschule in Chemnitz festgestellt. Die Nachfrage steige. Päper warnt jedoch vor kurzfristigen Erwartungen. Viele Menschen müssten erst einmal ihre eigenen körperlichen Fähigkeiten ergründen und entwickeln. „Viele wollen spontan etwas machen und sind dann enttäuscht“, so Päper.

Von dpa

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