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Mitteldeutschland Kahlschlag bei T-Systems: Nur ein Standort in Dresden bleibt
Region Mitteldeutschland Kahlschlag bei T-Systems: Nur ein Standort in Dresden bleibt
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14:33 23.06.2018
Erst 2014 hatte T-Systems das neue Rechenzentrum in Biere bei Magdeburg eröffnet. Jetzt droht fast allen Standorten der Telekom-Tochter in Mitteldeutschland das Aus. Quelle: Foto: dpa
Leipzig/Dresden/Bonn

Die Ankündigung hat die 2.000 Mitarbeiter der Telekom-Tochter T-Systems kalt erwischt: Per Livestream im Internet hatte T-Systems-Chef Adel Al-Saleh am Donnerstag verkündet, dass er bundesweit 6.000 Jobs streichen will – und fast alle der 230 Standorte in Deutschland schließen sollen. Maximal 20 sollen erhalten bleiben.

„Das ist wirklich der Hammer“, sagte am Freitag die Jenaer Gewerkschaftssekretärin Kerstin Chagoubi von Verdi in Mitteldeutschland. Sechs der sieben T-Systems-Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen drohe nun die Schließung. 800 der rund 2000 T-Systsems-Jobs in den drei Bundesländern stehen damit vor dem Aus.

Eine Rosskur für die schwächelnde Telekom-Tochter

Am härtesten dürfte es Magdeburg treffen, wo bisher 360 Mitarbeiter für T-Systems arbeiten. Ebenfalls vor der Schließung stehen laut Verdi die Standorte in Leipzig mit 150 Mitarbeitern, Erfurt mit 50, Chemnitz (35) und Zwickau (16). Erhalten bleiben dürfte in Mitteldeutschland allein der Standort von T-Systems Multimedia Solutions in Dresden mit 1200 Mitarbeitern. Denn der gehört nicht direkt zu T-Systems sondern zu einer selbstständigen Tochter – und die will Unternehmenschef Al-Saleh von der Sparrunde ausnehmen.

Der zweite Dresdner Standort von T-Systems steht dagegen wohl vor dem Aus. Das würde 170 Mitarbeiter treffen. Hoffnung gibt es dagegen noch, dass wenigsten das erst 2014 eröffnete Rechenzentrum in Biere bei Magdeburg erhalten bleibt. Das hatte sich die Telekom-Tochter damals 200 Millionen Euro kosten lassen. Allerdings seien dort nur 40 Mitarbeiter beschäftigt, hieß es bei Verdi.

Details, welche 20 Standorte erhalten bleiben, wollte das Unternehmen noch nicht nennen. Man wolle sich aber auf die größeren Strandorte konzentrieren, hieß es. Die Pläne hatte T-Systems-Chef Al-Saleh am Donnerstag bei einer Führungskräftetagung in der Bonner Telekom-Zentrale verkündet. Mehr als 400 Mitarbeiter waren dazu an den Rhein gereist, weitere 9000 verfolgten die Veranstaltung im Internet. Denn das Treffen wurde per Videostream live an alle 230 Standorte in Deutschland übertragen. Mit der Rosskur will Al-Saleh die schwächelnde Telekom-Tochter komplett neu aufstellen. 600 Millionen Euro will er im angestammten Großkundengeschäft einsparen, davon 180 Millionen bereits in diesem Jahr. Einen Großteil des Geldes will er dann in neue Wachstumsfelder wie Cloud-Dienste und IT-Sicherheit investieren.

Verdi: „Wir werden uns vehement gegen Pläne wehren“

Der Rückzug aus der Fläche dürfte dabei ganz gezielt als Instrument zum Stellenabbau gedacht sein, sagte der Leipziger Gewerkschaftssekretär Enrico Zemke. „Dahinter steht die Absicht, die Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu drängen.“ Denn eigentlich gelte es in der IT-Branche eher als Vorteil, „gerade in der Fläche viele Ansprechpartner zu haben“, ergänzte sein bayerischer Verdi-Kollege Helmut Doser.

Weltweit sollen sogar 10.000 Stellen wegfallen. Bis 2020 soll der Stellenabbau in drei Runden über die Bühne gehen. Die ersten 2000 Jobs sollen in Management und Verwaltung wegfallen, weitere 2.000 von Deutschland nach Indien und in die Slowakei verlagert werden. Dass die Außenstellen zunächst verschont bleiben, hat einen einfachen Grund: Noch gilt hier ein Kündigungsschutz, den T-Systems einst mit Verdi vereinbart hatte. Doch der läuft Ende 2018 aus. In den kommenden beiden Kündigungsrunden wird es daher auch die Außenstellen treffen.

Ab 2019 sollen in den Außenstellen dann bundesweit 3.500 Jobs wegfallen, davon die ersten 1.000 bereits im kommenden Jahr, hieß es bei Verdi. Die Gewerkschaft will sich das nicht gefallen lassen. „Wir werden uns vehement gegen Pläne wehren, die die Geschäftsfähigkeit von T-Systems und die Existenzgrundlage von Tausenden Beschäftigten zerstört“, sagte Lothar Schröder vom Verdi-Bundesvorstand, der bei der Telekom auch im Aufsichtsrat sitzt, gegenüber dem „Handelsblatt“. „Das kommt einer Massenentlassung gleich.“

„Die Leute haben ja nichts mehr zu verlieren.“

Nach der Ankündigung will Verdi nun auch in der gerade laufenden Tarifrunde bei T-Systems die Daumenschrauben anziehen. Denn anders als bei der Telekom selbst ist die bei der Tochter noch nicht abgeschlossen.

Verdi fordert 5,5 Prozent, die ersten drei Verhandlungsrunden blieben bisher ohne Ergebnis. „Wenn alle Standorte in Mitteldeutschland von dem Abbau betroffen sind, dann muss zumindest in der Tarifrunde mehr Geld rauskommen“, sagte Verdi-Sekretärin Chagoubi. „Das werden wir notfalls per Streik durchsetzen.“ Und das könne nun ganz schnell gehen. „Die Leute haben ja nichts mehr zu verlieren.“

Von Frank Johannsen

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