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Industriegebiet Kodersdorf: Neue Investoren im Dreiländereck

Wirtschaft Industriegebiet Kodersdorf: Neue Investoren im Dreiländereck

Das Industriegebiet in Kodersdorf (Kreis Görlitz) wächst weiter: Wie die Elbeflugzeugwerke mitteilten, soll noch im Februar mit der Bauvorbereitung für die neue Fabrik des Airbuszulieferers begonnen werden. Weitere Investitionen am Standort im Dreiländereck planen der Felgenhersteller Borbet und die Holzindustrie Schweighofer.

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Mitarbeiter der CCI-Assembly GmbH arbeiten am 07.02.2017 in der Produktionsstätte des Unternehmens in Kodersdorf (Sachsen) an einer Verkleidung für Frachträume von Airbus Flugzeugen.

Quelle: dpa

Kodersdorf. Noch überzieht Frost den Kodersdorfer Boden. Sobald er taut, steht dem nächsten Spatenstich im Industriegebiet nördlich von Görlitz nichts mehr im Weg. Noch im Februar will der Airbuszulieferer Elbeflugzeugwerke die Baustelle für die neue Fabrik einrichten. „Ein Jahr später soll die Produktion beginnen“, sagt Unternehmenssprecher Christopher Profitlich. Die Aircraft Composites Sachsen GmbH, als hundertprozentige Tochter der Elbe Flugzeugwerke, wird Fußbodensysteme und Frachtraumverkleidungen für die Airbus A320-Familie herstellen.

Für die Elbeflugzeugwerke ist das Kodersdorfer Industriegebiet bereits bekanntes Terrain. Vor vier Jahren haben sie dort für eine Tochterfirma ein Grundstück erworben. „Dort fertigen wir weiter die Leichtbaukomponenten unter anderem für die Langstreckenflugzeuge der A330 -Familie und der A380“, sagt Profitlich. Nötig wird der Neubau in zweistelliger Millionenhöhe durch die Ankündigung des Flugzeugbauers Airbus, Produktionskapazitäten hoch zu fahren.

Kodersdorfs Bürgermeister René Schöne (CDU) freut die Entwicklung. In seinem Büro hängt der Bebauungsplan der Industriegebiete an der Wand. „Es erinnert mich daran, was wir uns vorgenommen haben und welche Aufgaben wir noch haben“, sagt er. Seit 23 Jahren ist der 53-Jährige Bürgermeister der knapp 2500 Oberlausitzer. Sechs Jahre läuft seine Amtszeit im Ehrenamt noch. Er kennt auch schlechte Zeiten. 

Nach der Wende kehren die Menschen den Dörfer mit Blick auf Görlitz den Rücken. Die 2100 bis 2200 Arbeitsplätze, vorwiegend in der Landwirtschaft und im Dachziegelwerk, gehen verloren. 15 Jahre später – „im schlechtesten Jahr“ - gibt es nur noch 395 sozialversicherungspflichtige Jobs. An der neugebauten Abfahrt der A4, der vorletzten auf deutscher Seite, fahren die Menschen in dieser Zeit eher vorbei.

Schöne hat das nicht vergessen. Umso stolzer machen ihn die aktuellen Zahlen: Das Durchschnittsalter der Kodersdorfer ist 44 Jahre - damit ist der Ort die zweitjüngste Gemeinde im Landkreis Görlitz. 2018 würden allein im Industriegebiet bis zu 1600 Beschäftigte arbeiten. Von den 100 zu vergebenden Hektar dort seien gerade einmal nur fünf Hektar übrig. Gleichzeitig werde für die Schule ein Anbau geplant – sowie der Neubau einer Kindertagesstätte. Viele der Unternehmen im Industriegebiet - inzwischen gibt es dort acht Firmenadressen - sicherten sich Kita-Plätze. 

Ein solches Kodersdorfer Unternehmen ist Räderspezialist Borbet. Wie Sprecherin Nathalie Schmidt mitteilt, wird am sächsischen Standort ab Februar das zweite automatische Lager mit einer eine Kapazität von 17 000 Rädern aufgebaut. Allmählich steige so 2017 die Zahl der Mitarbeiter auf 440. Dann würden die Leichtmetallräder in fünf Schichten rund um die Uhr hergestellt. „Ziel ist, dass 2018 rund 2,5 Millionen Leichtmetallräder von Borbet aus Kodersdorf in alle Welt gehen“, erklärt Schmidt. Die Produktion läuft seit Sommer 2016.

Für Kodersdorf habe sich der Felgenhersteller aus dem Sauerland wegen der Lage im Dreiländereck Sachsen, Polen und Tschechien sowie wegen der Nähe zu Deutschlands großen Automobilherstellern und Fachkräften entschieden. Diese Lage überzeugte auch den Holzverarbeitungsbetrieb Klausner, der 2015 durch die Holzindustrie Schweighofer aus Österreich übernommen wurde. Erst jüngst stimmte der Gemeinderat der Erweiterung dessen Standorts zu. Das Unternehmen mit derzeit 400 Mitarbeitern will 2017 zwei Millionen Euro unter anderem in die zweite Hobelanlage investieren. „Voraussichtlich geht der Ausbau der Holzverarbeitung 2018 weiter“, sagt Sprecher Thomas Huemer.

Für Bürgermeister Schöne stehen hinter diesen Erfolgen viel Arbeit, gute Partner im Gemeinderat und bei der Sächsischen Wirtschaftsförderung - und Glück. „Wir hatten über 100 potenzielle Interessenten da. Jetzt können wir unter anderem sagen, wer einen Airbus betritt, betritt Kodersdorfer Boden“, sagt er schmunzelnd und schaut auf den Bebauungsplan. Eine Umgehungsstraße würde er gern bauen, um den Schwerlastverkehr aus dem Ort zu bekommen. Und in der Schublade liegt schon ein B-Plan zur Erweiterung des Kodersdorfer Industriegebiets.

dpa

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