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Mitteldeutschland In Sachsen wächst das Risiko für lokale Hochwasser
Region Mitteldeutschland In Sachsen wächst das Risiko für lokale Hochwasser
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08:44 15.08.2017
Das Risiko für lokale Hochwasser in Sachsen nimmt tatsächlich zu, sagt Johannes Franke, Referent beim sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Quelle: dpa

Auf Hitzetage folgen heftige Gewitter und Regengüsse – diese unheilvolle Mixtur ist in diesem Sommer ungewöhnlich oft zu erleben. Kaum eine Woche, die unbeschwertes Sommerwetter bescherte. Der Juli war gar einer der fünf nassesten Sommermonate 1881. Und mit jedem Starkregenfall steigt die Angst vor einem neuen Jahrhunderthochwasser in Sachsen und Thüringen. Experten halten die Sorgen für berechtigt.

Das Risiko für lokale Hochwasser in Sachsen nimmt tatsächlich zu, sagt Johannes Franke, Referent beim sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Hauptgrund seien die häufigeren Starkregenfälle. Im Zeitraum 1991 bis 2015 habe sich das Auftreten dieser Ereignisse und deren Regenmenge etwa um zehn Prozent gegenüber dem Zeitraum 1961 bis 1990 erhöht. Rund 70 Prozent der Fläche Sachsens seien von den Zunahmen betroffen.

Der Erwärmungstrend im Sommer wirke dabei wie ein Katalysator. „Nur ein Grad wärmere Luft kann bis zu sieben Prozent mehr Wasserdampf halten“, sagt der Klimaexperte. Das führe zu einer Intensivierung des Wasserkreislaufes. Höhere Temperaturen führten damit zu häufigerem und vor allen zu intensiverem Starkregen.

Künftig sei davon auszugehen, dass sich der Erwärmungstrend und damit auch die Starkregenentwicklung fortsetzten. Regionaler Klimawandel und die lokale Hochwassergefahr in kleineren Wassereinzugsgebieten stehen Franke zufolge in einem klaren Zusammenhang. Zwischen 2002 und 2013 gab es Franke zufolge fünf extreme Hochwasser in Sachsen. Die Ursachen waren verschieden. Im März 2006 setzten Tauwetter und ergiebiger Regen insbesondere der Elbe zu. Im Juni 2013 waren es sehr starke Niederschläge, die auf eine außerordentlich hohe Bodenfeuchtigkeit fielen.

Meteorologe Dominik Jung ist in Sachen Klimawandel eher zurückhaltend. „Ich tue mich mit dem Begriff schwer, denn das Klima wandelt sich schon seit es die Erde gibt.“ Aktuell gehe die Temperatur-Kurve eben etwas nach oben. „Aber wer weiß, was in 30 oder 40 Jahren sein wird. Das weiß heute noch keiner.“ Richtig sei aber, dass die momentane Erderwärmung die Wetterextreme verschärfe, von Ausnahmefällen könne man kaum noch sprechen. „Langsam werden es zu viele Ausreißer.“

Der Sommer 2017 sei mit seinem ständigen Auf und Ab eigentlich nichts ungewöhnliches. „Das ist typisch für einen Sommer in Mitteleuropa, die sind in der Regel immer von der wechselhaften Sorte.“ Ungewöhnlich seien aber die heftigen Regensummen, die bei den Unwettern zusammenkamen. Besonders Berlin sticht hier heraus. „Ende Juli fielen sogar an einem Tag 250 bis 300 Liter vom Himmel, das ist eine halbe Jahresmenge!“

Bei diesen Wassermassen versage die beste Kanalisation. Allerdings seien in der Vergangenheit auch einige Sünden begangen worden, die das Problem verschärfen. „Bodenversiegelung spielt da eine Rolle, aber ebenso Fluss- und Bachbegradigung. Bei begradigten Läufen strömt das Wasser deutlich schneller weg, es kommt eher zu Hochwassern. Wenn dagegen Kurven im Bach- oder Flussbett sind, nimmt das dem Wasser die Kraft und Energie, es fließt langsamer. Zum Glück ist man in den letzten Jahren schon dabei, solche Fehler zu korrigieren“, so Jung.

Im regenreichen Sommer 2017 hatte die Region Leipzig bislang einfach nur Glück: Die Niederschläge, die Ende Juli im Harz für zahlreiche Überschwemmungen sorgten, waren ursprünglich für Sachsen und Thüringen vorhergesagt. „Petrus hat uns ein Geschenk gemacht“, sagt Axel Bobbe, Bereichsleiter der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. „Wir hatten bereits Unwetterwarnungen und Prognosen, die zum Glück nicht eingetreten sind“, so Bobbe. Die Regenfront ging westlicher als prognostiziert herunter.

Aktuell ist dagegen beim Wetter etwas Entspannung angesagt: Nach einer kleinen Sommerdelle zur Wochenmitte ist ein Schönwetterhoch auf dem Radar der Meteorologen, das tatsächlich einmal länger anhalten könnte.

Von Olaf Majer

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