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Immer wieder Bombenfunde in Sachsen

Gefährliches Erbe: Immer wieder Bombenfunde in Sachsen

Gefährliche Hinterlassenschaft: Immer wieder stoßen Bauarbeiter in Sachsen auf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Dann müssen in der Regel Menschen in Sicherheit gebracht werden und der Kampfmittelbeseitigungsdienst rückt an.

Immer wieder stoßen Bauarbeiter in Sachsen auf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Quelle: dpa

Dresden. Gefährliche Hinterlassenschaft: Immer wieder stoßen Bauarbeiter in Sachsen auf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Dann müssen in der Regel Menschen in Sicherheit gebracht werden und der Kampfmittelbeseitigungsdienst rückt an.

Eine Schätzung, wie viel Sprengstoff noch unter der Erde liegt, sei nicht möglich, sagte der Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes, Jürgen Scherf. Sachsen gehöre zu den stark mit Altmunition belasteten Regionen. Städte wie Dresden, Leipzig und Chemnitz seien oft bombardiert worden, Ostsachsen sei Kampfgebiet gewesen. Bei ihrem Rückzug habe die Wehrmacht Ausrüstung und Kampfmittel zurückgelassen.

Die 20 Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes wurden 2016 zu fast 700 Einsätzen gerufen und haben dabei rund 12,9 Tonnen Bomben, 95,5 Tonnen Artillerie- sowie fast 23,8 Tonnen Nahkampfmunition geborgen. Vieles davon konnte abtransportiert werden. In sechs Fällen jedoch wurden am Fundort Bomben entschärft, in 16 weiteren wurde gesprengt. Das Land hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 6,5 Millionen Euro für die Beseitigung von Kampfmitteln ausgegeben.

„Die Entscheidung fällt den Kampfmittelbeseitigern oft schwer: Sollen sie versuchen den Zünder zu entfernen oder vor Ort sprengen“, sagt Scherf. Kritisch werde es vor allem, wenn etwa Bombenteile technisch eigentlich nicht zusammen gehören. Mitte November waren Bauarbeiter in Heidenau nahe Dresden auf eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe deutscher Bauart mit russischem Zünder gestoßen. Im Umkreis von 650 Metern mussten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt etwa 4500 Anwohner die Häuser verlassen. Auch ein Seniorenheim und eine private Pflegeeinrichtung waren betroffen. Die Bahn stellte den Verkehr ein, Straßen wurden gesperrt. Am frühen Morgen hatten es die Experten dann geschafft.

Erst Ende Januar hielt in Pirna auf der Baustelle für eine neue Umgehungsstraße eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe die Arbeiten auf. Die Entschärfung dauerte zwei Stunden länger als geplant. Zuvor mussten rund 1800 Anwohner in Sicherheit gebracht werden. Auf dem Gelände des neuen Gefängnisses in Zwickau fanden Arbeiter bei Baugrunduntersuchungen im August eine 150 Kilogramm schwere Fliegerbombe. Die Entschärfung sei problemlos verlaufen, hieß es. Nach drei Stunden konnte der Sprengmeister Entwarnung geben. Auch in Dresden, Deutzen bei Borna (Kreis Leipzig), Leipzig und Chemnitz waren in den vergangenen Monaten Bomben entdeckt worden.

Im Wald bei Dippoldiswalde waren im November 75 Granaten gesprengt worden: Im Mai 1945 war eine Wehrmachtseinheit vom Kriegsende überrascht worden. Die Soldaten hatten damals alles zurückgelassen. Ein Transport der Granaten war nicht möglich. „Das zeigt, wie gefährlich diese alte Munition noch immer ist“, sagte Scherf.

Nur einen Monat zuvor hatten die Kampfmittel-Experten bei Altenberg im Erzgebirge 26 Granaten, eine Panzermine und weitere Waffen ebenfalls gesprengt. Der Fundort war in der Nachkriegszeit Sprenggelände und soll aufgeforstet werden. Deshalb wird dort seit 2014 gezielt nach Granaten, Minen und anderen Waffen gesucht. In Sachsen gibt es aktuell zehn solcher Räumstellen.

Zumindest an der Oberfläche sei Sachsen mittlerweile weitgehend sicher, erklärte Scherf. Gefährlich werde es, wenn Häuser, Straßen oder Gewerbegebiete gebaut würden und die Bagger anrollten. Auch Schatzsucher, die mit Metallsonden in Wäldern den Boden absuchen, leben seiner Meinung nach gefährlich. „Auf absehbare Zeit wird das Berufsbild des Kampfmittelräumers unverzichtbar bleiben“, meinte er und mahnte: „Bei verdächtigen Funden immer die Polizei rufen.“

dpa

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