Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Immer mehr Tierarten in sächsischen Städten und Dörfern heimisch
Region Mitteldeutschland Immer mehr Tierarten in sächsischen Städten und Dörfern heimisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:27 25.11.2017
Immer noch ein seltenes Phänomen: Elche in Sachsen. Dieses Exemplar "schlich" sich 2014 in die Kantine von Siemens. Quelle: Roland Halkasch
Anzeige
Dresden

Füchse, Hasen, Marder und Waschbären: Immer mehr Tierarten zieht es aus offenem Gebiet und Wald in Städte und Dörfer, sagt der stellvertretende Sprecher des Umweltministeriums, Jörg Förster. „Dort kommen sie leicht an Nahrung.“ Siedlungsbau, Straßen und Industrieanlagen hätten die natürlichen Lebensräume der Tiere oft beschnitten. Durch klimatische Veränderungen begünstigt, seien die Populationen hingegen gewachsen. Die Kommunen und Tierschutzvereine versuchen, der unkontrollierten Ausbreitung Herr zu werden, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Elch wie 2014 in einem Dresdner Bürogebäude oder eine Rotte Wildschweine 2013 in der Leipziger Innenstadt sind noch selten. Der Waschbär jedoch hat die menschlichen Siedlungen als idealen Lebensraum entdeckt, sagt Förster. Dort finde er Unterschlupf in leerstehenden Gebäuden, Garagen, Gartenlauben oder Dachböden sowie Futter in Speiseabfällen in nahezu unbegrenzter Menge.

In Dresden wurden in der Jagdsaison 2016/17 nach Angaben der Stadt 247 Wildschweine, 320 Füchse, 193 Waschbären, 52 Steinmarder und 18 Hasen zur Strecke gebracht. Füchse, Marder und Waschbären gebe es mittlerweile im gesamten Stadtgebiet, sagt ein Stadtsprecher. Zum Vergleich: In der Saison 2010/11 wurden 349 Füchse, 51 Stein- und Baummarder und nur 20 Waschbären erlegt.

Die Zahl der 35 bis 45 Biber in Stadt sei möglicherweise weiter gestiegen, heißt es. An der Elbe habe er mittlerweile fast alle geeigneten Stellen besiedelt. Ein Biber-Damm hatte in den Kanälen eines Pumpwerks der Stadtentwässerung einen Stau verursacht. Deshalb wurde ein Rohr durch den Damm geschoben, um das Wasser abzuleiten. Doch die Biber errichteten einen weiteren Damm. Jetzt soll auch der solch eine Drainage erhalten. Der Artenschutz bleibe gewahrt, die Biberfamilie könne weiter an diesem Bachabschnitt leben, heißt es.

Tauben werden in Dresden wie etwa am Rathaus mit Fallen, der Ansiedlung von Turmfalken, Vogelattrappen und Spikes bekämpft. Verglichen mit den 1990er Jahren sei deren Zahl deutlich zurückgegangen, weil es kaum noch Kriegsruinen als Unterschlupf gebe, heißt es bei der Stadt. Die „Initiative Stadttauben“ der Tierschutzorganisation Anima verfolgt ein anderes Konzept und betreut auf dem Dach des Hauptbahnhofs, wo besonders viele dieser Tiere leben, einen Taubenschlag.

„So lässt sich deren Vermehrung kontrollieren“, sagt Vereinschef Matthias Bernickel. Einmal im Jahr dürfen sie ihre Eier ausbrüten, damit sie im Schlag verbleiben. Ansonsten werden ihre Eier durch Eier aus Ton ersetzt. Die artgerechte Fütterung mit Körnern soll bewirken, dass der Kot der Tiere weniger aggressiv ist und etwa an Gebäuden weniger Schäden verursacht. Aktuell gibt es in Dresden zwei solcher Taubenschläge, ein dritter soll demnächst öffnen.

In einigen Gegenden Sachsens streunen zudem viele verwilderte Katzen. „Das Problem wird immer größer“, sagt die Chefin des Vereins „Tiere in Not“ in Chemnitz, Denise Putsche. „Wir sind zwar bestrebt, die  Bestände zu kastrieren. Aber es tauchen immer wieder neue Tiere auf.“ Teilweise habe der Verein Katzen aufgenommen. Es gelinge jedoch nicht immer, sie an Menschen zu gewöhnen.

Laut Sozialministerium wird seit 1992 wird die Übernahme von Tierarztkosten für die Kastration von herrenlosen Tieren gefördert. Seit 2014 würden dafür jährlich 280 000 Euro eingestellt. 

Der Großenhainer Tierschutzverein hat in diesem Jahr nach eigenen Angaben 56 Katzen kastriert. 2016 waren es etwa 40. Die Stadt habe viele dörfliche Ortsteile und Kleingärten, wo die Katzen zahlreich Nachwuchs bekämen, erläutert der Vereinsvorsitzende Armijn Krake. Vielen Menschen sei das gleichgültig. Die Jungen würden sich selbst überlassen oder auch getötet. „Der irrige Glaube, dass nur unkastrierte Katzen auch Mäuse fangen, ist noch weit verbreitet.“ Die Stadt denke jedoch daran, eine Kastrationspflicht für freilebende Katzen in der Polizeiverordnung festzuschreiben.

In Radeberg bei Dresden gilt eine solche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht schon seit 2012. Und in Großschirma (Mittelsachsen) ist es verboten, freilebende Katzen zu füttern. Besitzer von Stubentigern hätten dafür zu sorgen, dass diese nicht verwildern oder sich unkontrolliert vermehren, heißt es. Über die Katzenpopulationen konnten in beiden Fällen keine Angaben gemacht werden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Während Björn Höcke im Eventpalast spricht, wird draußen protestiert. Rund 200 Menschen versammelten sich am Samstag auf der Alten Messe, um gegen die Konferenz des rechten Compact-Magazins zu protestieren. Dabei kam es auch zu Rangeleien mit der Polizei.

25.11.2017

Die Alternative für Deutschland plant in Sachsen ein Gegengewicht zum rechtem Parteiflügel: Mitglieder wollen nun ein Mitte-Bündnis gründen. Momentan gibt es bereits acht solcher Bündnisse auf Landesebene, unter anderem in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

25.11.2017

Björn Höcke (AfD), Lutz Bachmann (Pegida) und Martin Sellner (Identitäre) sollen am Samstag in Leipzig auf der sogenannten Compact-Konferenz auf der Alten Messe in Leipzig auftreten. Dagegen formiert sich Protest.

24.11.2017
Anzeige