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Mitteldeutschland Homo-Ehe boomt in Sachsen
Region Mitteldeutschland Homo-Ehe boomt in Sachsen
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17:22 11.04.2016
Immer mehr gleichgeschlechtliche Paare geben sich in Sachsen das Ja-Wort. Quelle: dpa
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Dresden

Immer mehr gleichgeschlechtliche Paare geben sich in Sachsen das Ja-Wort. Die 279 eingetragenen Lebenspartnerschaften - so heißt die Homo-Ehe offiziell – stellten 2015 einen Rekord dar, wie jetzt eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Sarah Buddeberg (Linke) ergab. 154 Ehen wurden zwischen Frauen geschlossen, 125 zwischen Männern. Der Aufwärtstrend hält schon seit Jahren an. Die Zahl der aufgelösten Homo-Ehen war in den letzten Jahren weitgehend stabil und pendelte zwischen 28 (2012) und 33 im vergangenen Jahr.

„Die Statistik macht deutlich, wie bedeutend die Sichtbarkeit nicht- heterosexueller Beziehungen ist. Je größer ihre gesellschaftliche Selbstverständlichkeit ist, desto mehr Menschen trauen sich auch“, kommentierte Buddeberg die Zahlen. Die sächsische Regierung sei gefordert, aus der gesellschaftlichen Realität die richtigen Konsequenzen zu ziehen: „Lebenspartnerschaft gehört in Sachsen in allen Landkreisen längst zum Alltag. Der Fakt, dass es kein Randphänomen ist, sollte auch die Regierung davon überzeugen, Beratungsstellen nicht nur in den großen Städten einzurichten.“

Die Homo-Ehe ist seit August 2001 in Deutschland möglich. Sachsen hatte am Bundesverfassungsgericht erfolglos dagegen geklagt. Die damals noch allein regierende CDU sah den Wert der Ehe und die Würde von Mann und Frau verletzt. Anfangs durften sich Männer mit Männern und Frauen mit Frauen nur in Räumen der Regierungspräsidien „verpartnern“. Seit 2005 ist das in Standesämtern möglich.

In Sachsen „trauten“ sich anfangs nur wenige Lesben und Schwule. 2002 waren es lediglich 73 Paare, nach drei Jahren insgesamt 215. 2011 veröffentlichte das Statistische Landesamt Zahlen, die mehr über die Heiratswilligen aussagten. Demnach wird die Homo-Ehe vorwiegend im mittleren Lebensabschnitt geschlossen. Die große Mehrzahl der Leute war zwischen 30 und 50 Jahre alt, nur 8 Prozent jünger als 30. Die meisten leben in Großstädten, in jeder zehnten Ehe gab es Kinder.

Unterdessen wird nach einem Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz (EKBO), künftig auch gleichgeschlechtliche Paare kirchlich zu trauen, dies auch für ganz Sachsen gefordert. Die Entscheidung vom Wochenende sei richtungsweisend, meinte der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD (Schwusos), Oliver Strotzer. „Ich erwarte, dass sich die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens mit der "Trauung für alle" befasst und sie auch im übrigen Teil Sachsens zulässt.“ Das EKBO-Gebiet umfasst nur einen kleinen Teil des Freistaats.

Die Rekordzahlen bei den Lebenspartnerschaften zeigten das starke Bedürfnis, sich öffentlich zu seinem gleichgeschlechtlichen Partner zu bekennen und im juristischen Sinne Verantwortung zu übernehmen, meinte Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow. Der EKBO-Beschluss sei deshalb ein wichtiges Signal. „Damit wird die ungerechtfertigte Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare beendet und nicht zuletzt auch deren Rolle als Verantwortungsgemeinschaft gestärkt.“

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing lehnt kirchliche Trauungen Homosexueller hingegen weiter ab. „Daran werden Beschlüsse anderer Landeskirchen nichts ändern.“

dpa

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