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Mitteldeutschland Holger Zastrow in der Kritik: Gegenwind für großen Zampano der Liberalen
Region Mitteldeutschland Holger Zastrow in der Kritik: Gegenwind für großen Zampano der Liberalen
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11:21 04.12.2016
Bekommt mächtig Gegenwind: Holger Zastrow (47). Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Götterdämmerung in der sächsischen FDP: Galt der Dresdner Unternehmer Holger Zastrow bisher als großer Zampano der Liberalen im Freistaat, so weht ihm jetzt der Wind ins Gesicht. Zum ersten Mal seit nahezu zwei Jahrzehnten formieren sich interne Kritiker, machen öffentlich Front gegen der 47-Jährigen, der vom Dresdner Elbtal aus viele Jahre lang keinen anderen neben sich duldete – und offene Kritik schon gar nicht. Aktuelles Zeichen für das Ende dieser wenig liberalen Spielart ist die Stellungnahme der Leipziger Parteifreunde nach einem Kreisparteitag am vergangenen Wochenende – eine kaum mehr verhohlene Klatsche für den Landeschef.

Dabei ist der FDP-Kreisvorsitzende Marcus Viefeld in seiner Wortwahl noch recht moderat. Nach den Wahldesastern auf Bundes- und Länderebene wollten sich die sächsischen Liberalen als „offene Mitmachpartei“ präsentieren, teilt er mit, notwendig sei ein „positiver und nach vorn gerichteter Kurs“. Schon das klingt ein wenig wie die Linie von FDP-Bundeschef Christian Lindner, der die Liberalen aus dem Tal der Tränen führen soll. Darüber hinaus ist Lindner nicht gerade als Vertrauter von Zastrow bekannt. Entsprechend kommt Viefeld dann auch umgehend zur Sache. „Der sogenannte ,sächsische Weg’ ist für den Leipziger Kreisverband beendet“, heißt seine Losung. „Diesen Maßstab werden wir an alle anlegen, die im Frühjahr für den neuen Landesvorstand kandidieren.“

Das ist eine klare Kampfansage an die Adresse von Zastrow. Schließlich war er es, der mit markigen Sprüchen wie „Herz statt Hartz“ in den Wahlkampf zog und sich dabei nicht scheute, mit populistischen Parolen eine ähnliche Klientel anzusprechen wie die damalige PDS oder auch die rechtsextreme NPD. Für Zas-trow aber war genau das Programm. Sein Ziel war es, die FDP als Protestpartei zu platzieren – eine Tatsache, die ihn zwar 2004 in den Landtag spülte, sich aber zehn Jahre später verbraucht hatte. Grund: Das Milieu der Unzufriedenen und Nörgler bedienen seitdem andere, die Alternative für Deutschland (AfD) vor allem.

Entsprechend fielen Zastrows Liberale auch in Sachsen durch: Gerade mal 3,8 Prozent holten sie bei der Landtagswahl 2014 – ein Desaster, zumal die FDP mit am Kabinettstisch saß. Damit will sich der Leipziger Kreisverband nicht zufriedengeben. „Es bringt nichts, nur dagegen zu sein“, schreibt Kreischef Viefeld. „Nur gegen ,die da oben’ oder gegen ,die Medien’ zu sein, verändert nichts.“ Genau das aber hat Zastrow jahrelang getan. Mit seinem sächsischen Weg ging er bewusst auf Konfrontation zur eigenen Bundespartei, woran sich auch in letzter Zeit wenig geändert hat. So steht Zastrow seit jeher für einen eher wirtschafts- beziehungsweise nationalliberalen Kurs, während Bundeschef Lindner eben auch das Sozialliberale gern bespielt.

Entsprechend wird die Luft für den Dresdner Unternehmer mittlerweile dünn. Doch nicht nur aus Leipzig bekommt Zastrow Gegenwind zu spüren, auch in der Landeshauptstadt musste er vor rund zwei Wochen eine krachende Niederlage einstecken. So fiel er bei der FDP-Wahlkonferenz für die Bundestagswahl 2017 mit Pauken und Trompeten durch. Als Direktkandidat im Dresdner Wahlkreis 160 schickt seine Partei lieber den 34-jährigen Christoph Blödner ins Rennen. Als Grund für die Niederlage wird an der Elbe gern auf Zastrows Liebäugelei mit dem Pegida-Umfeld verwiesen, vor allem die eigene Parteijugend habe ihm diese populistischen Ausflüge übel genommen – und ihm nun die Quittung präsentiert.

Zastrow selbst reagierte darauf in der ihm eigenen Art. „Das wird erhebliche Konsequenzen haben“, orakelte er vieldeutig. Welche, könne er allerdings noch nicht sagen. In Leipzig gibt es ganz offensichtlich einige Parteifreunde, die da schon einen Schritt weiter sind. Erhebliche Konsequenzen dürfte es vor allem für einen haben – Zastrow selbst.

Von Jürgen Kochinke

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