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Hartz-IV-Empfänger sind immer länger arbeitslos

Sachsen und Thüringen Hartz-IV-Empfänger sind immer länger arbeitslos

Wer in Hartz IV rutscht, kommt schwer wieder raus. Empfänger der Grundsicherung sind in Mitteldeutschland immer länger arbeitslos. 2016 waren es in Sachsen im Schnitt 653 Tage. Im Jahr 2011 betrug die durchschnittliche Dauer der Erwerbslosigkeit im Freistaat noch durchschnittlich 584 Tage.

Wer in Hartz IV rutscht, kommt schwer wieder raus.

Quelle: dpa

Leipzig. Wer in Hartz IV rutscht, kommt schwer wieder raus. Empfänger der Grundsicherung sind in Mitteldeutschland immer länger arbeitslos. 2016 waren es in Sachsen im Schnitt 653 Tage. Im Jahr 2011 betrug die durchschnittliche Dauer der Erwerbslosigkeit im Freistaat noch durchschnittlich 584 Tage. In Thüringen gab es einen Anstieg von 468 auf 578 Tage. Länger in der Arbeitslosigkeit gefangen als in Sachsen blieben nur Hartz-IV-Empfänger in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bremen und in Brandenburg.

Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) ausgewertet hat.

„Je länger jemand auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, desto geringer sind seine Chancen auf Rückkehr in eine normales Arbeitsleben“, stellt die Linken-Politikerin zudem fest. Denn von den Langzeiterwerbslosen, die im Jahr 2016 in Mitteldeutschland ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, fand nur jeder achte (Sachsen: 13 Prozent; Thüringen 12,5 Prozent) eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Der überwiegende Teil der Langzeiterwerbslosen wurde aus der Statistik gestrichen – unter anderem aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, Teilnahme an Maßnahmen oder Rente. Bei „marktnahen Kunden“, wie im Behördendeutsch Erwerbslose heißen, die weniger als 12 Monate ohne Job waren, konnten die Agenturen jeden Dritten (Sachsen: 33,6 Prozent; Thüringen 32,8 Prozent) in reguläre Arbeit vermitteln. Sabine Zimmermann spricht von einem „blamablen Ergebnis für die Bundesregierung und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands“. Die große Koalition überlasse Millionen Menschen ihrem Schicksal. „Wenn weniger Hartz-IV-Beziehende gefördert werden, ist es nicht überraschend, dass die Menschen länger erwerbslos sind“, kritisiert die Linke und fordert mehr Geld für Unterstützungsleistungen. Zudem sei ein Recht auf Weiterbildung längst überfällig.

Die Arbeitsagentur hält dagegen: Grundsätzlich würden auch Langzeitarbeitslose von der guten Konjunktur profitieren. Seit 2010 (ein Jahr nach Einführung von Hartz IV) bis 2016 verringerte sich die Zahl der Erwerbslosen in Sachsen von 253198 auf 157862. Im gleichen Zeitraum ging auch der Bestand an Langzeitarbeitslosen von 96165 auf 62363 zurück. Fest stehe aber auch, räumt die Agentur ein, dass der Anteil derer, die länger keiner regulären Beschäftigung nachgegangen sind, konstant hoch ist. Rund 40 Prozent aller Arbeitslosen gelten als langzeitarbeitslos. Viele von ihnen weisen ein oder mehrere Vermittlungshemmnisse auf wie gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Mobilität oder keine aktuellen Qualifikationen. „Aber auch diesen Menschen helfen wir in den Jobcenter und Arbeitsagenturen, um ihnen Zugang zur Arbeitswelt und damit zu einem eigenbestimmten Leben zu ermöglichen“, sagt Frank Vollgold, Sprecher der Landesarbeitsagentur. Die Beratungen seien intensiver und die Maßnahmen auf die jeweilige Problemlage abgestimmt.

Auch die Politik in Sachsen will jetzt helfen. So plant der Freistaat zwei ergänzende Programme, um Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen. Beim Programm „Sozialer Arbeitsmarkt“ sollen Menschen über 58 Jahre, die keine regulären Job in der Wirtschaft finden, für das Gemeinwohl tätig werden. Das zweite Projekt „Tandem“ richtet sich an langzeitarbeitslose Eltern sowie Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren. Hier stehe die Förderung der gesamten Familie im Vordergrund. Hartz IV solle nicht innerhalb der Familie vererbt werden, beschreibt Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Landesarbeitsagentur, das Anliegen. Um sie kümmert sich ein ganzes Team von Experten. Die Teilnahme ist freiwillig.

Von Andreas Dunte

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