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Mitteldeutschland Halberg-Guss-Nachfolger will 2019 wieder durchstarten
Region Mitteldeutschland Halberg-Guss-Nachfolger will 2019 wieder durchstarten
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20:17 19.12.2018
Leipzigs OBM Burkhard Jung bedankt sich bei der Weihnachtsfeier in der Gießerei bei den Mitarbeitern für ihren erfolgreichen Kampf gegen die Schließung. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig/Braunschweig

Zum ersten Mal überhaupt schmiss das Management am Mittwoch in der Gießerei, die jetzt Gußwerke Leipzig heißt, eine Weihnachtsfeier. „Das gab es hier echt noch nie“, sagte anerkennend einer der Mitarbeiter. Die Feier sei ein Signal für die neuen Firmenkultur, sagte der Chef des Investors One Suqare aus München, Frank Günther, der zusammen mit seinem Co-Chef Wolf Waschkuhn extra nach Leipzig gereist war. „Wir wollen die Leute mitnehmen.“

Und zugleich wolle man sich bei den noch 530 Mitarbeitern bedanken, fügte der von vom neuen Eigner eingesetzte Geschäftsführer Thomas Meichsner hinzu. „Dass die Produktion in so kurzer Zeit wieder hochgefahren wurde, ist eine tolle Leistung. Die Mannschaft zieht voll mit.“ Pünktlich zum Schichtwechsel um 14 Uhr hatte er die Mitarbeiter in die festlich dekorierte Werkskantine eingeladen. Denn die Produktion lief unverändert weiter. „Wir müssen ja den Lieferrückstand aufholen.“

OBM lobt Kampf der Mitarbeiter

Zu Gast waren auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Dresdner Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs (beide SPD). „Ihr habt es denen richtig gezeigt“, sagte Jung mit Blick auf den Ausstand im Sommer, mit dem der Eigentümerwechsel erst erzwungen wurde. „Kompliment. Chapeau. Respekt. Das war ein super Stinkefinger.“ Brangs sicherte zu, dass der Freistaat beim Neustart mit Bürgschaften zur Seite stehen werde. „Dazu stehen wir.“

Zeitgleich zur Feier stritten in Braunschweig vor dem Landgericht VW und Prevent um den für die Gießerei bezahlten Kaufpreis von 50 Millionen Euro. VW hatte die Summe, die beim Notar auf dem Konto liegt, pfänden lassen. Der Autokonzern verlangt 42 Millionen Euro Schadenersatz wegen überhöhter Preise, die ihm ab Ende März in Rechnung gestellt wurden.

Gericht will erst im Januar entscheiden

Dagegen geht Prevent nun vor. Fast vier Stunden lang lieferten sich beide Seiten im Gerichtssaal einen Schlagabtausch – fast genauso wie im April in Leipzig, wo sich VW vor Gericht mit der Prevent-Tochter ES Guss aus Schönheide in Erzgebirge stritt. Die Braunschweiger Richterin Maike Block-Cavallaro wirkte zunehmend entnervt. Eine Entscheidung fällte sie am Ende nicht. Die soll am 16. Januar verkündet werden.

In Leipzig zeigten sich davon alle unbeeindruckt. Zwar hatte Prevent angekündigt, wegen der Pfändung den ganzen Verkauf rückgängig machen zu wollen – und die Leipziger Gießerei dann 2019 zu schließen. Dass das wirklich passieren wird, glaubt in Leipzig aber niemand. „Das Thema ist für uns durch“, sagte einer der Gießer. „Halberg Guss ist Geschichte. Wir sind jetzt die Gußwerke Leipzig.“ Und mit dem neuen Eigner zeigte er sich hoch zufrieden. „Die Stimmung hat sich total gedreht.“

Abgesprungene Kunden kehren zurück

Die Produktion laufe bereits wieder in drei Schichten, sagte Meichsner. Alle Großkunden, die Prevent verschreckt hatte, seien zurückgekehrt. Die Auslastung liege bei 90 Prozent. Leider laufe es aber noch nicht ganz so gut, wie gehofft. Viele Kunden hatten sich während der langen Auseinandersetzung nach anderen Lieferanten umgesehen – und nehmen nun weniger ab als früher.

„Aber das werden wir alles zurückholen“, sagte Meichsner selbstbewusst. „Jetzt heißt es erstmal: durchschnaufen, Energie sammeln – und dann 2019 wieder durchstarten.“

Von Frank Johannsen

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