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Mitteldeutschland Haftstrafe für Ex-Schatzmeister des Anwaltverbands
Region Mitteldeutschland Haftstrafe für Ex-Schatzmeister des Anwaltverbands
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18:35 27.07.2017
Symbolbild Quelle: dpa
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Bautzen

Der große Schwurgerichtssaal 222 im Bautzener Gericht ist dem Angeklagten bestens bekannt. Knapp 25 Jahre lang setzte sich der Rechtsanwalt für seine Mandanten an diesem Ort für ein faires Urteil ein. Am Donnerstagmorgen tritt er selbst in Handschellen vor die Richter und Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der frühere Schatzmeister des Anwaltsverbands Sachsen soll laut Anklage die Interessensvertretung der Anwälte um 65 000 Euro sowie eine Mandantin um 285 000 Euro betrogen haben. Nach sechsstündiger Verhandlung verurteilt das Gericht den 60-Jährigen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Im Gerichtssaal verfolgen langjährige Wegbegleiter den Prozess wegen gewerbsmäßiger Untreue gegen den Juristen, von dessen Leben ein Scherbenhaufen geblieben ist. „Was ich gemacht habe, ist vielleicht zu erklären, aber nicht zu entschuldigen. Ich habe die Reißleine nicht gezogen und muss die Verantwortung tragen“, sagt er in der Verhandlung.

Doch vor dem Fall kam der Aufstieg. Seine 1992 in Bautzen gegründete Kanzlei lief gut. Gemeinsam mit einem Freund gründete er sogar noch ein kleines Unternehmen. Beide wollten amerikanische Oldtimer an Hochzeitgesellschaften vermieten. Doch das Finanzamt stufte die Unternehmung später als „Liebhaberei“ ein und erhob Steuernachforderungen. Sein Partner hatte da schon Insolvenz angemeldet.

„Ich habe zuerst mit eigenen Mitteln die Verbindlichkeiten getilgt“, sagt der Angeklagte. Irgendwann reichte es nicht mehr. Pfändungen begannen. Die Ehe ging zu Bruch, Unterhaltszahlungen wurden fällig. Der schöne Schein sollte gewahrt werden.

Mit Geld aus der Kasse des Anwaltverbands habe er Engpässe in der Kanzlei und beim persönlichen Lebensunterhalt überbrückt, schildert der 60-Jährige in seinem Geständnis. Es entstand wohl ab 2002 ein Gesamtschaden von 212 000 Euro, gab sein Nachfolger im Anwaltverband vor Gericht an. Für viele Fälle sei der Nachweis jedoch schwierig und verjährt. Zudem habe es früher im Verband keinen Rechnungsprüfungsbericht gegeben. „Wir haben unserem Kollegen vertraut, aber nun gelernt“, sagt der Zeuge. Angeklagt waren Entnahmen zwischen 2012 und 2014.

Vertraut hat dem Anwalt auch die gerichtlich bestellte Betreuerin einer Mandantin, die er um ihr Erbe gebracht hat. „Ich hätte für Sie meine Hand ins Feuer gelegt“, sagt die Zeugin. Die Entschuldigung und die Reue des Beklagten bringt das Geld allerdings nicht zurück. Aufgrund seiner Zahlungsunfähigkeit wurde gegen den Angeklagten inzwischen ein Insolvenzverfahren eröffnet. Eine Schuldsumme von 770 000 Euro nennt der Sachverständige dem Gericht. Seine Zulassung als Rechtsanwalt hat die zuständige Kammer in Dresden bereits vor wenigen Wochen widerrufen.

Das Urteil nimmt der einst erfolgreiche Rechtsanwalt gefasst auf. Er werde auf Rechtsmittel verzichten, sagt er. Anfang 2017 war er noch zeitweise untergetaucht und dann in Untersuchungshaft gekommen. Der Haftbefehl bleibe aufgrund weiterer Fluchtgefahr aufrechterhalten, sagt die Vorsitzende Richterin.

dpa

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