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Mitteldeutschland „Von Leipzig nach Chemnitz fahren nur Alibi-Fernzüge“
Region Mitteldeutschland „Von Leipzig nach Chemnitz fahren nur Alibi-Fernzüge“
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20:02 25.11.2018
Der ICE 1514 nach Hamburg fährt auf Gleis 11 des Leipziger Hauptbahnhofes ein. Quelle: Soeren Stache/dpa
Leipzig

Schlechte Nachrichten für Chemnitz: Mit der geplanten Elektrifizierung der Strecke nach Leipzig soll die drittgrößten Stadt in Ostdeutschland zwar an den Fernverkehr angebunden werden. Die gefundene Trassenführung über Borna findet sich aber nicht im kürzlich vorgestellten Konzept zum Deutschland-Takt. Auf der Strecke könnten demzufolge nur Alibi-Fernzüge fahren ohne ersichtlichen Vorteil gegenüber dem Regionalverkehr, kritisiert der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn.

„Die sächsische Staatsregierung hat zu früh die Sektkorken knallen lassen“, sagt Kühn. „Statt einem schlüssigen Konzept für die Fernverkehrsanbindung von Chemnitz hat die Bundesregierung Murks produziert.“

Die Hochstufung der Trasse in den vordringlichen Bedarf wurde vor wenigen Tagen von mehreren Seiten als Durchbruch gefeiert. Verständlich: Denn Chemnitz ist seit Jahrzehnten vom Fernverkehr abgehängt. Allerdings soll nach den Planungen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nur die Strecke von Chemnitz bis nach Geithain elektrifiziert werden. Ein weiterer Ausbau (Elektrifizierung) über Bad Lausick sei nicht wirtschaftlich. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage Kühns hervor.

Damit möglichst schnell ICE- oder IC-Züge auf der Strecke fahren können, will der Bund nur diesen Teilabschnitt für den Fernverkehr tauglich machen. Dafür seien Gesamtkosten von 110 Millionen Euro vorgesehen. Von Geithain aus sollen die Züge dann über die bereits elektrifizierte Verbindung über Borna nach Leipzig in den S-Bahn-Tunnel geführt werden.

Dass es die Trasse in den vordringlichen Bedarf geschafft hat und damit die Finanzierung geklärt ist, sei aller Ehren wert, sagt Kühn. „Nur bringt das überhaupt nichts, weil eine Führung des Fernverkehrs durch den City-Tunnel im Deutschland-Takt-Konzept nicht vorgesehen ist.“ Beim Deutschland-Takt handelt es sich um ein neues Fahrplan-Modell, das zu schnelleren Umsteigemöglichkeiten und mehr Pünktlichkeit führen soll. Das Modell integriert Nah- und Fernverkehr und wird zusammen mit den für den Nahverkehr zuständigen Ländern in den kommenden Jahren umgesetzt. Das kürzlich veröffentliche Konzept für den Deutschland-Takt, so Kühn, geht von einem Fernverkehr von Leipzig nach Chemnitz über Bad Lausick aus. Dieser Fakt und der gefundene Kompromiss mit der Einfahrt in den City-Tunnel „passen nicht zusammen und führen zu einer Reihe von Problemen“.

Da wären zum einen die Kapazitätsengpässe im Tunnel. Bereits heute sind die S-Bahnen eng getaktet. „Nur fünf Minuten pro Stunde sind noch nicht mit S-Bahnen belegt. Doch diese fünf Minuten werden benötigt, um Verspätungen nicht über den ganzen Tag mitzuschleppen.“ Sollte es nicht geschafft werden, die S-Bahn-Taktung grundsätzlich so zu ändern, dass die volle Kapazität des Tunnels von zwölf Zügen pro Stunde und Richtung erreicht wird, müssten für zusätzliche Fernzüge S-Bahn-Verbindungen geopfert werden. Aber das wolle sicher niemand.

Zum anderen besteht neben dem City-Tunnel ein weiterer Flaschenhals, der nicht beseitigt werden soll: Der Streckenabschnitt BornaGeithain ist nur eingleisig ausgebaut. Wie ebenfalls aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht, ist ein zweigleisiger Ausbau nicht vorgesehen. Konkret teilt das Ministerium in Berlin mit, dass bei der Bewertung des Ausbauprojekts ChemnitzLeipzig ein zwei- oder mehrgleisiger Ausbau der Strecke nicht wirtschaftlich sei.

Kühn fordert deshalb: „Die Elektrifizierung der Bahnstrecke darf nicht in Geithain enden, sondern muss weiter über Bad Lausick bis nach Leipzig erfolgen.“ Sachsen müsse sich jetzt mit aller Kraft dafür stark machen. Mit der Elektrifizierung alleine ist es aber nicht getan – die Strecke müsse zudem mehr zweigleisige Abschnitte bekommen, damit sich Fern- und Regionalverkehr nicht behindern. Die Landesregierung in Dresden, so kritisiert Kühn, sei an dem jetzigen Zustand übrigens nicht unschuldig. Hätte der Freistaat Anfang 2000er-Jahre die Planungen der Deutschen Bahn zum modernen Ausbau nicht zusammengestrichen, könnte Chemnitz schneller an den Fernverkehr angeschlossen werden.

Von Andreas Dunte

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