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Mitteldeutschland Generalstaatsanwalt sucht dritten Mann im Chemnitzer Tötungsfall
Region Mitteldeutschland Generalstaatsanwalt sucht dritten Mann im Chemnitzer Tötungsfall
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15:36 04.09.2018
Mit diesem Foto suchen die Chemnitzer Behörden nach dem dritten Tatverdächtigen. Quelle: Polizei Chemnitz / dpa
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Dresden

Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz sucht die Staatsanwaltschaft einen dritten Tatverdächtigen. „Im Ergebnis der umfangreichen Ermittlungen zum Tötungsdelikt zum Nachteil eines 35-jährigen Deutschen am 26. August 2018 in Chemnitz konnte nunmehr ein weiterer Tatverdächtiger identifiziert werden. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse wurde durch das Amtsgericht Chemnitz heute ein Haftbefehl gegen den 22-jährigen irakischen Staatsangehörigen Farhad Ramazan Ahmad erlassen“, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung von Chemnitzer Staatsanwaltschaft und Polizei.

Der Verdächtige ist bisher noch nicht festgenommen, habe sein gewohntes Umfeld verlassen. Die Behörden haben deshalb eine Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben, warnen aber auch davor, dass der Gesuchte bewaffnet sein könnte. Der 22-Jährige trage seine Haare aktuell an den Seiten kurz und das Haupthaar länger. Weitere Angaben zu seinem Erscheinungsbild wurden nicht gemacht.

Wer Angaben zum derzeitigen Aufenthaltsort des 22-Jährigen machen kann oder ihn seit dem 26. August beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln gesehen hat, soll sich bei der Kriminalpolizei Chemnitz oder telefonisch unter 0371/387 3448 melden.

Herkunft zweier Tatverdächtiger noch ungeklärt

Die Herkunft der beiden Männer, die in Chemnitz nach einem Messerangriff auf einen 35-jährigen Deutschen inhaftiert wurden, ist bis heute ungeklärt. Bisher hatten die Behörden die beiden als Iraker und Syrer bezeichnet.

Das Bundesinnenministerium teilte jedoch am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 „im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt“ worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. „im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens“ zu verifizieren.

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als „Totalfälschungen“ entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Offenbar Versäumnisse

Wie bereits zuvor bekannt geworden war, war Yousif A. bereits im November 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Eine Rücküberstellung nach Bulgarien, wo er zuvor registriert worden war, wäre zwar grundsätzlich möglich gewesen. Das dies nicht geschah, ist nach bisherigen Informationen auf Versäumnisse der Ausländerbehörde zurückzuführen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er habe seit Beginn seiner Amtszeit im März „die Weichen für einen glaubwürdigen Neuanfang im Bereich der Asylverfahren und des Bamf gestellt“.

lyn / mpu

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