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Friedhofsglocken-Dieb aus Sachsen zeigt viel Reue - Bewährungsstrafe

Urteil Friedhofsglocken-Dieb aus Sachsen zeigt viel Reue - Bewährungsstrafe

Ein arbeitsloser Mann macht eine Radtour zur Ostsee. Weil er Antikes liebt, fallen ihm Friedhofsglocken auf - und er stiehlt sie später. Das sorgt für Empörung - und gibt Ärger mit der Justiz.

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Mit seinem Urteil ist das Gericht weitgehend der Staatsanwaltschaft gefolgt.

Quelle: dpa

Demmin/Markneukirchen. „Das Ganze lässt erkennen, dass bei Ihnen wohl doch noch nicht ganz Hopfen und Malz verloren sind“, sagt Richter Jörg Blasinski am Donnerstag am Amtsgericht Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Gerade hat er einen 57-Jährigen aus Sachsen zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, weil dieser Ende 2015 zwei historische Friedhofsglocken in Mecklenburg-Vorpommern gestohlen hatte. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Den Ausschlag dafür geben das Geständnis des Mannes, verbunden mit sichtbarer Reue und das Ende seiner Arbeitslosigkeit. Der Sachse muss jedoch zusätzlich 2000 Euro zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

In Dahmen (Landkreis Rostock) und Hohenbrünzow bei Demmin waren die mehr als 100 Kilogramm schweren Glocken Ende 2015 aus ihren hölzernen Glockenstühlen verschwunden. Die Kirchengemeinden und die Einwohner reagierten geschockt über so viel Unverfrorenheit. „Ich interessiere mich für Antikes und wollte die Glocken für mich“, schilderte der Mann aus Markneukirchen im Vogtland im Prozess. Im Jahr 2015 sei er arbeitslos und frustriert gewesen.

„Ich habe damals eine Radtour an die Ostsee gemacht und die Glocken gesehen“, so der 57-Jährige vor Gericht. Dann sei er bei Dunkelheit mit einem Auto gekommen, habe sie ausgehängt, in Decken gewickelt und per Schubkarre zum Auto gebracht. „Später hat mich aber das Gewissen geplagt.“ Inzwischen habe er wieder Arbeit: „Ich darf wieder am Leben teilnehmen.“

Mitte 2016 durchsuchten Polizisten wegen anderer Ermittlungen die Wohnung des Mannes und stießen auf die Beute. Der vorbestrafte Sachselegte schon damals ein Geständnis ab. Die Glocken aus dem 17. und 19. Jahrhundert kamen wieder in ihre Glockenstühle und läuten auch wieder. Viele waren froh, dass das Metall nicht bei einem Schrotthändler gelandet war.

Mit seinem Urteil ist das Gericht weitgehend der Staatsanwaltschaft gefolgt. Richter Blasinski macht aber sehr deutlich, dass der Grat zwischen Bewährung und Freiheitsstrafe sehr schmal war. „Eigentlich gilt der Diebstahl von Kirchenglocken als besonders schwerer Fall.“ Das hätte höher bestraft werden müssen. In diesem Fall seien die Glocken jedoch nicht geweiht gewesen. „Aber bei diesem Strafregister werden sie nicht auf viel Verständnis stoßen, wenn noch einmal etwas passiert“, ermahnt der Richter den Mann.

dpa

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