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Freiberger Forscher wollen der Tiefengeothermie zum Durchbruch verhelfen

Neues Bohrverfahren Freiberger Forscher wollen der Tiefengeothermie zum Durchbruch verhelfen

Für das menschliche Auge kaum zu erfassen schießen 25 Blitze pro Sekunde auf die runde Betonscheibe in dem kleinen Wasserbecken. Das harte Gestein in dem Demonstrator zerbröselt bei einer elektrischen Spannung von 500 000 Volt im Nu. Nun soll das neue Bohrverfahren in der Praxis zeigen, was im Labor bereits gelungen ist.

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Freiberg. Für das menschliche Auge kaum zu erfassen schießen 25 Blitze pro Sekunde auf die runde Betonscheibe in dem kleinen Wasserbecken. Das harte Gestein in dem Demonstrator zerbröselt bei einer elektrischen Spannung von 500 000 Volt im Nu. Nun soll das neue Bohrverfahren, das Freiberger und Dresdner Wissenschaftler entwickelt haben, auch in der Praxis zeigen, was im Labor bereits gelungen ist. Mit dem sogenannten Elektro-Impuls-Verfahren wollen Matthias Reich und sein 15-köpfiges Team der Tiefengeothermie zum Durchbruch verhelfen. Anders als Öl oder Gas sitze die begehrte Erdwärme in Hartgestein wie beispielsweise Granit oder Gneis, erklärte der Professor für Tiefbohrtechnik der TU Freiberg.

Um Erdwärme aus der Tiefe zu gewinnen, wird bislang mit Meißeln gebohrt. Doch viel mehr als einen Meter pro Stunde schaffen konventionelle Methoden nicht. Für ein fünf Kilometer langes Bohrloch werden schnell zehn Millionen Euro fällig. „Das ist nicht nur langsam und aufwendig, auch der Verschleiß ist hoch“, erläutert der Forscher bei der Projektvorstellung in Freiberg. So müssen bei Bohrungen in Hartgestein alle ein bis zwei Tage die stumpfen Bohrmeißel gewechselt werden. Der Blitz-Bohrer hingegen arbeitet laut Reich berührungslos und damit verschleißfrei. Weil bisherige Verfahren extrem teuer sind, fehlt der Industrie das große Interesse.

Genau das wollen die Wissenschaftler mit ihrem seit zehn Jahren laufenden Forschungsprojekt ändern. „Nach ersten Einschätzungen könnten wir Einsparungen von 20 bis 25 Prozent erreichen“, sagte Reich. Zudem soll der Blitz-Bohrer doppelt so schnell bohren wie ein Meißel. Nachdem sich das Verfahren bereits im Labor bewährt hat, steht nun bis Mitte Oktober der Feldversuch auf dem Campus der TU Freiberg an. „Das ist quasi ein erster Machbarkeitstest – wenn wir bis in eine Tiefe von 20 bis 30 Metern kommen, sind wir hoch zufrieden.“

Von einer kommerziell einsetzbaren Lösung ist man aber noch weit entfernt, betont der Professor. Dennoch ist das Verfahren ein wichtiger Schritt in Richtung Energiewende. Denn der heiße Dampf aus der Tiefe kann im Gegensatz zu anderen alternativen Energieformen wie Solar- oder Windkraft rund um die Uhr und wetterunabhängig genutzt werden. Nach Reichs Einschätzung sind weitere fünf bis zehn Jahre erforderlich, bis das System praxistauglich ist.

Von Claudia Drescher

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