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Mitteldeutschland Freiberger Forscher starten EU-Projekt zur schonenden Rohstoffsuche
Region Mitteldeutschland Freiberger Forscher starten EU-Projekt zur schonenden Rohstoffsuche
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08:38 05.12.2017
Einen Hubschrauber, der mit einer Sonde zur Rohstofferkundung eingesetzt wird, besichtigen Besucher in Geyer (Sachsen) vor dem Kamm des Erzgebirges. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Freiberg

Die Bürgerversammlung war gut besucht, das Thema war spannend: Rohstofferkundung rund um die erzgebirgische Stadt Geyer ganz ohne Bohrungen. Drei Jahre lang waren Hubschrauber über dem Areal gekreist und hatten mittels Sonden Daten aus der Erde gesammelt. Die Serie von Flügen aber war nur die Vorbereitung für ein Großprojekt. „Das war unser Sandkasten“, sagt Dr. Richard Gloaguen vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Geyer ist eines von drei Referenzgebieten in Europa für eine schonende Suche nach unterirdischen Rohstoffen, die in dieser Woche gestartet wird. Ziel ist es, dafür neue Technologien zu entwickeln und zu testen. Diese sind ein Teil entlang der gesamten Rohstoffkette, die die Forscher am HIF im Blick haben. In anderen Projekten geht es zum Beispiel darum, durch neue Methoden und Strategien den Abbau und die Gewinnung von Rohstoffen zu verbessern. „Wir müssen sehen, dass wir die ganze Kette umweltfreundlich halten“, sagt der Abteilungsleiter Erkundung am HIF.

Die ersten Erkundungsflüge sind im Frühjahr geplant: Aus klimatischen Gründen zuerst im spanischen Gerena und Minas de Rio Tinto, dann in Geyer und schließlich im finnischen Sakatti, nördlich des Polarkreises. Ausgewählt wurden die Regionen nach den Kriterien Klima, Lagerstätten, Bergbau-Historie und Bevölkerung. In das Forschungsprojekt, das „Innovative, Non-Invasive and Fully Acceptable Exploration Technologies“ (INFACT) heißt, investiert die EU 5,6 Millionen Euro bis zum Oktober 2020.

Bei der Vorstellung des Vorhabens schlug den Wissenschaftlern in Geyer auch eine gewisse Skepsis entgegen. Man habe ein Misstrauen gemerkt gegenüber dem, was sie tun, berichtet Gloaguen. Er verspricht den Bürgern Transparenz. Vor Flügen würden die Menschen informiert, tiefe Flüge über bewohntes Gebiet seien tabu, während der Ferien und in der Brutzeit von Vögeln werde nicht geflogen. Auch die Messmethoden der Sonden seien für Mensch und Tier vollkommen unschädlich. „Das ist so ungefährlich, wie neben einem Elektroherd zu stehen“, sagt Gloaguen.

Worum aber geht es? Ob für moderne Handys, Motoren und Akkus für die E-Mobilität oder Windräder für die Energiewende - die Industrie benötigt Metalle: Kupfer, Kobalt, Lithium, Wolfram, Seltene Erden und vieles mehr. Durch Wiederverwendung kann der Bedarf nicht gedeckt werden, Seltene Erden und andere Hochtechnologieelemente werden so kleinteilig verbaut, dass sie (noch) nicht recycelt werden können. „Recycling ist sehr wichtig. Eine Quote von 100 Prozent ist jedoch wie ein Perpetuum Mobile - theoretisch nicht möglich“, sagt Dr. Martin Rudolph, Leiter der Abteilung Aufbereitung am Helmholtz-Institut. Daher werde es immer eine Nachfrage für primäre Rohstoffe geben.

Das HIF will Methoden und Technologien entwickeln, um die Rohstoffnutzung umweltverträglich und effizient möglich zu machen. Auch mit dem Ziel, Deutschland unabhängiger von Importen zu machen. Zumal viele der begehrten Ressourcen aus geopolitisch mitunter sensiblen Regionen kommen: Seltene Erden zu mehr als 80 Prozent aus China oder Kobalt aus dem Kongo.

Die Freiberger Wissenschaftler und ihre Partner verfolgen mit dem europaweiten Projekt nun drei Säulen: Entwicklung und Test von Methoden zur schonenden Rohstoffsuche, Untersuchung der Akzeptanz in der Bevölkerung sowie Anleitung zur umweltfreundlichen Erkundung. Für einen nachhaltigen Bergbau werden in den Referenzgebieten die notwendigen Vergleichsdaten erhoben. Sind die innovativen Methoden zur Erkundung der Rohstoffe erfolgreich, strebt das HIF dafür eine Zertifizierung an. „Wir wollen der TÜV der Exploration werden“, sagt Gloaguen.

Geyer muss dafür auf Sicht keinen aktiven Bergbau fürchten. „Bergbau wäre nicht in unserem Sinnen, weil wir dadurch ein Referenzgebiet verlieren würden“, sagt Forscher Gloaguen. Ob die Einwohner die Argumente überzeugt haben, wird sich auch nach Befragungen durch Meinungsforscher zeigen.

Von Martin Kloth, dpa

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