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Mitteldeutschland Flüchtlinge als Gewinn: Sachsens Handwerk liegt auf Integrationskurs
Region Mitteldeutschland Flüchtlinge als Gewinn: Sachsens Handwerk liegt auf Integrationskurs
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18:13 06.11.2015
Quelle: Arno Burgi, dpa
Dresden

Die Wirtschaft beklagt den Mangel an Fachkräften, junge Menschen aus aller Welt suchen händeringend Arbeit – und doch finden beide Seiten nur selten zueinander. Nicht zuletzt, weil besonders in kleinen und mittleren Betrieben die Scheu vor dem Fremden groß ist. „Hier muss man zeigen: Keine Angst, stellt euch der Herausforderung, öffnet euch“, sagt Uwe Brandstätter vom Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft. Gemeinsam mit der Handwerkskammer Dresden bietet es kostenfreie Kurse zur erfolgreichen Integration ausländischer Mitarbeiter in Betrieben an. „Fit in KMU – Für Integration und Toleranz in kleinen und mittleren Unternehmen“ heißt das aktuelle Projekt, das 2015 bis 2016 läuft.

„Ich habe Glück gehabt“, sagt Nicolay Dimitrov. Noch vor eineinhalb Jahren gehörte der 31-jährige Bulgare zu jener großen Zahl junger, gut ausgebildeter Menschen, die wenig Perspektiven haben. Trotz Fachkolleg und Studium fand er nur Arbeit, die gerade zum Überleben reichte. „Ich wollte eine bessere Zukunft.“ Gefunden hat er sie im Internet. Dort stieß Dimitrov auf ein Vorläufer-Programm von „Fit in KMU“, das ihm eine Ausbildungsstelle zum Mechaniker in der Chemnitzer Terrot GmbH vermittelte. Neben der Sprache gab es für den Neuankömmling aber eine andere Hürde: „die große deutsche Bürokratie“.

Doch nicht nur sie, sondern vor allem kulturelle Unterschiede gilt es in den Integrationskursen zu überwinden. So werden Führungskräfte, Mitarbeiter aber auch Verbände und Ausbildungsstätten geschult und beraten. 250 Teilnehmer hat das Projekt nach eigenen Angaben bisher erreicht; besonders mit der aktuellen Flüchtlingskrise ist das Interesse an den Angeboten deutlich gestiegen. Auch eine Umfrage der drei sächsischen Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern zeigt: 21 Prozent der befragten Firmen wollten 2014 ausländische Arbeitnehmer oder Auszubildende einstellen; noch 2012 war es bloß die Hälfte. „Die Bereitschaft einer signifikanten Anzahl von Betrieben ist da“, sagt auch Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Dresden. Die Betriebe wollten loslegen – da sei es an Handelskammer und Politik, entsprechende Strukturen zu schaffen. Denn für Brzezinski steht fest: „Flüchtlinge sind mögliche Fachkräfte von morgen und übermorgen.“

Auch Sachsens Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (SPD) sieht das Potenzial. „Ich möchte gerne, dass die Besten hier arbeiten“, sagt sie und betont, dass ohne eine sofort greifende Integration von Asylbewerbern später wichtige Fachkräfte an andere Bundesländer verloren gehen könnten. Bei Nicolay Dimitrov hat das Konzept funktioniert. Der junge Bulgare hat viele Freunde in seinem Betrieb gefunden – und möchte in Chemnitz bleiben.

Clara Neubert, dpa

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