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Mitteldeutschland Feiern nach dem Terroralarm - Fest für Toleranz in Chemnitz
Region Mitteldeutschland Feiern nach dem Terroralarm - Fest für Toleranz in Chemnitz
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17:07 03.10.2018
Chemnitzer Künstler halten im Stadthallenpark Schilder mit der Aufschrift «Glamnitz», einer Wortschöpfung aus «Chemnitz» und «Glamour», in den Händen und sprechen mit Bürgern. Zum Tag der Deutschen Einheit fand dort ein Fest für Toleranz und Demokratie statt. Quelle: dpa
Chemnitz

Die mutmaßliche rechtsextremistische Terrorgruppe „Revolution Chemnitz“ soll am 3. Oktober eine gewalttätige Aktion geplant haben. Doch bevor die acht Männer zuschlagen konnten, wurden sie festgenommen. Am Einheitstag herrscht nun gespannte Ruhe in der Stadt. Die Bürger sind zu einem „Fest für Toleranz und Demokratie“ eingeladen. Rund 2000 Menschen sind dazu nach Veranstalterangaben am Mittwochnachmittag in den Stadthallenpark gekommen. Drumherum: Dutzende Mannschaftswagen der Polizei und Hunderte uniformierte Einsatzkräfte.

Unter den Besuchern des Festes sind viele Familien und junge Menschen, aber auch Aktive von Chemnitzer Vereinen. Sören Uhle wertet die Veranstaltung als Erfolg. Er ist Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft und Organisator des Fests. Innerhalb von 14 Tagen hätten sie mit mehr als 20 lokalen Vereinen das Programm dafür auf die Beine gestellt. „Wir wollen den Ereignissen der vergangenen Woche starke Bilder gegenüberstellen“, betont er.

Mit Blick auf die ausgehobene mutmaßliche rechte Terrorzelle und der vorher im Raum stehenden Gefahr an diesem Tag sagt Uhle: „Ich find's toll, dass viele Menschen keine Angst haben und hier sind.“ Saadat Ahmed ist einer der Festbesucher, er ist mit seiner Familie da. Er sei hier, weil er sich für Toleranz stark machen wolle. Und: „Die Sicherheit ist so groß hier, da hatte ich keine Bedenken.“

Am Abend war unter dem „Nischl“, dem Karl-Marx-Monument, auch noch das Abschlusskonzert der Reihe „Am Kopp“ geplant. Damit hatte die Wirtschaftsförderung in den vergangenen Wochen den Platz unter dem Monunemt besetzt - als Antwort auf die aggressiven, rassistischen Demos und Proteste nach dem Tod eines 35-Jährigen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes Ende August.

Am Bühnenrand im Stadthallenpark hat sich eine junge Gruppe zusammengefunden, sie tragen Glitzer im Gesicht und sind bunt angezogen. Die acht Männer und Frauen spielen am Chemnitzer Theater und ziehen gemeinsam zu Demonstrationen und Veranstaltungen, die in der Stadt stattfinden. Sie sind eine lokale Satiregruppe, nennen sich „Glamnitz“. Ihre Mission: Dem Ansehen der Stadt „mehr Glamour verpassen“.

Vierstimmig stimmen sie ein Lied an, „Irgendwo auf der Welt gibt es ein bisschen Glück. Schnell haben sich die Festbesucher um sie versammelt. Nach dem kurzen Lied sagt Philipp von Schön-Angerer, einer der Schauspieler, er habe am Vorabend des 3. Oktober ein mulmiges Gefühl gehabt. „Der NSU war auch nicht zu dritt. Jetzt sind einige Leute festgenommen worden, ich hoffe, das ist der Großteil, aber wer weiß, ob da nicht noch 50 mehr sind.“

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden wird der Tag der Deutschen Einheit auch gefeiert. Bei einer Feierstunde im Landtag appelliert Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) an den Anstand der Sachsen. Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien die größten Gefahren für die Demokratie, sagt der Regierungschef einmal mehr. Dem müssten nicht nur Polizei und Rechtsstaat entschieden entgegentreten, „sondern jeder für sich in seinem eigenen Lebensumfeld“.

„Ich erlebe bei meiner Arbeit hautnah, wie Leute sagen, dass sie Angst haben rauszugehen“, sagt in Chemnitz Katharina Weyandt. Sie ist Geschäftsführerin der Brücke Chemnitz, einer Anlaufstelle für Geflüchtete in der Stadt. Weyandt steht auf der Westwiese unter einem blauen Pavillon, bietet Kuchen an und erzählt aus ihrer Arbeit. „Das Schlimmste ist, wenn so etwas passiert und niemand ist da“, sagt sie mit Blick auf die mutmaßliche Terrorzelle. Es sei gut, dass sich inzwischen mehrere Vereine um Migranten kümmern und sie unterstützen.

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