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Mitteldeutschland „Fahrspaß pur“ - aber noch haben es Elektroautos schwer
Region Mitteldeutschland „Fahrspaß pur“ - aber noch haben es Elektroautos schwer
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12:04 03.07.2017
Ein Knackpunkt bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele in Sachen E-Mobilität ist die Lade-Infrastruktur. Quelle: dpa
Leipzig

Der Leipziger Handwerksmeister Matthias Bruder ist begeistert. „Fahrspaß pur“ bescheinigt er seinem E-Transporter, den er erst im März für seinen Heizungsbaubetrieb angeschafft hat. „Mit der Werkstattausrüstung und dem Dachgepäckträger komme ich zwar nur 115 bis 120 Kilometer weit. Das reicht in der Regel aber auch für die Montagetouren aus.“ Zudem habe sein Monteur herausgefunden, dass die Kunden gern bereit seien, „ihrem Handwerker“ das Laden am eigenen Stromnetz zu erlauben.

Leute wie Bruder gehören nach Auffassung von Stefan Trommer denn auch zur idealen Zielgruppe für E-Mobilität. „Handwerker oder auch Pflegedienste haben in der Regel fest geplante Einsatztouren“, sagt der Experte vom Berliner Institut für Verkehrsforschung. Selbst wenn es über Land ginge, seien täglich meist nicht mehr als 200 Kilometer zu bewältigen. „Das schaffen inzwischen schon viele der reinen Elektroautos.“

Damit sich möglichst viele gewerbliche Nutzer von den Vorteilen der E-Mobile überzeugen können, hat in Sachsen zum Beispiel die Stadt Leipzig ein Förderkonzept umgesetzt. Demzufolge können Unternehmen bis zu 10 150 Euro erhalten, wenn sie Elektrofahrzeuge im Alltag testen. Davon hätten im vergangenen Jahr bereits 20 Firmen Gebrauch gemacht, teilte die Stadtverwaltung mit. Diese berichteten den Angaben zufolge von durchweg positiven Erfahrungen im Praxisbetrieb.

Special: Der e-Golf-Test

Wie praxistauglich sind die aktuellen Elektroautos? Diese Frage wollen zwei DNN-Leser beantworten, indem sie eine Woche lang den neuen e-Golf im Alltag auf Herz und Nieren prüfen. Täglich berichten wir über ihre Erfahrungen und werfen auch einen Blick auf Infrastruktur, Verwaltung und Politik. Hier geht´s zum Special.

Ein Knackpunkt bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele in Sachen E-Mobilität ist die Lade-Infrastruktur. Nach einer Studie des Wirtschaftsministeriums in Dresden sind sachsenweit 1000 Ladepunkte im öffentlichen Raum nötig, um eine erste flächendeckende Versorgung zu bieten und damit einen Impuls für die Entscheidung zum Kauf von E-Autos zu schaffen.

Derzeit gibt es den Angaben zufolge aber erst 200 Ladepunkte im Freistaat. Laut dem Internetportal „e-tankstellen-finder“ sind es in Brandenburg 74 und in Sachsen-Anhalt 46. Für Thüringen weist es 45 aus - dort sollen bis 2020 insgesamt 370 neue Ladestationen entstehen, wie Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ankündigte.

Beispiele für Elektromobilität in Sachsen

Wenngleich die Elektromobilität auch in Sachsen mit eher kleinen Schritten vorankommt, gibt es doch einige Beispiele, wo sich vor allem Behörden als Vorkämpfer zeigen.

POLIZEI: Im Rahmen des Pilotprojekts “Elektromobilität Polizei Sachsen (EmoPol)„ stehen der sächsischen Polizei seit Juni 2016 insgesamt 44 Elektrofahrzeuge im täglichen Dienstbetrieb zur Verfügung. Ziel ist es, die Nutzung von Elektrofahrzeugen für die Zwecke des Polizeivollzugsdienstes zu erproben.

DRESDEN: Sachsens Landeshauptstadt hat vor, den kommunalen Fuhrpark in den nächsten Jahren komplett auf elektrische Fahrzeuge umrüsten. Die bisher 30 öffentlichen Ladesäulen für E-Autos sollen bis 2025 auf bis zu 250 ausgebaut werden. Bis dahin sollen auch 30 sogenannte Mobilitätsstandorte eingerichtet werden - zentrale Verkehrknotenpunkte für öffentlichen Nahverkehr, E-Bikes und Car-Sharing. Laut Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sind derzeit auf Dresdens Straßen gerade einmal 200 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge unterwegs. „Bis 2025 sollen es 25 000 sein, das ist unser Ziel.“

ZWICKAU: Die Stadtverwaltung Zwickau verfügt über elf Elektrofahrzeuge. Zu den Nutzern gehören das Umweltbüro, das Kulturamt, das Bauordnungsamt, das Tiefbauamt, das Ordnungsamt, das Amt für Schule, Soziales und Sport und das Garten- und Friedhofsamt. Eines der Fahrzeuge steht für alle Ämter zur Verfügung. Für den Betrieb wurden sechs Ladesäulen errichtet.

LEIPZIG: Schon heute sei die Kommune mit derzeit rund 90 E-Fahrzeugen in Verwaltung und kommunalen Unternehmen und etwa 200 öffentlichen und privaten Ladepunkten deutschlandweit vorne, heißt es aus der Stadtverwaltung.

TU CHEMNITZ: Im August 2016 begann an der Technischen Universität Chemnitz ein umfangreicher Feldversuch im Projekt „ECoMobility - Connected E-Mobility“. Dafür konnten sich Mitarbeiter sowie studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte der Technischen Universität Chemnitz bewerben. Das Angebot wurde den Angaben zufolge gut genutzt: So wurden bis Ende 2016 bereits 385 Dienstfahrten mit verschiedenen Fahrzeugen zurückgelegt, davon 239 mit Elektroautos, 90 mit Elektrofahrrädern und 56 mit dem Öffentlichen Personennahverkehr.

AUTOMOBILBAU: Wie das Wirtschaftsministerium berichtete, läuft in Leipzig „der als reines Elektrofahrzeug konzipierte und erstmalig im Massenmarkt mit einer Carbonkarosse ausgestattete BMW i3 mit seinem Bruder i8 vom Band. In enger Nachbarschaft dazu werden die Plug-in-Hybride von Porsche elektrifiziert. Und seit wenigen Tagen produziert die Volkswagen AG ihren e-Golf in Sachsen, wobei die Endmontage in der Gläsernen Manufaktur in Dresden stattfindet“.

Viele Stationen werden von Energieversorgern wie EnviaM betrieben. Das Unternehmen kündigte Ende vergangenen Jahres an, zehn Schnellladestationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg neu installieren zu wollen. „Diese sollen in der Nähe von Autobahnen entstehen, aber auch für Nutzer anfahrbar sein, die nicht zu einer Autobahnraststätte fahren wollen“, erklärte Unternehmenssprecherin Claudia Anke. Zudem wolle das Unternehmen an seinen Standorten in den vier Bundesländern seine Ladestationen ausbauen und auch dort zum Teil Schnelllader einrichten.

Diese sind vor allem notwendig, wenn privaten Nutzern die E-Autos schmackhaft gemacht werden sollen. „Die wollen natürlich verlässlich wissen, dass sie auch Reisen über längere Strecken problemlos antreten können“, so Verkehrsforscher Trommer.

Dabei sind einer Studie seines Instituts zufolge gerade Menschen außerhalb von größeren Städten als potenzielle E-Fahrer geradezu prädestiniert. „Sie brauchen nicht unbedingt eine öffentliche Lade-Infrastruktur, weil sie ihre Fahrzeuge im Alltagsbetrieb - wenn nur Fahrten zur und von der Arbeit angetreten werden - über Nacht am Eigenheim an den Strom anschließen können.“

Dass es in Ostdeutschland noch viel Nachholbedarf in Sachen E-Mobilität gibt, zeigt ein Blick in die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes. Danach waren zum 1. Januar 2017 in Sachsen gerade einmal 984 Fahrzeuge mit Elektro- und gut 8300 mit Hybridtechnologie zugelassen. In Sachsen-Anhalt waren es 310 Elektrische und 3739 Hybride, in Thüringen 415 beziehungsweise 3307. Brandenburg meldete 568 E-Autos und 5760 Plug-In-Hybridautos.

Mit Blick auf die Hybriden warnt Trommer: „Viele davon sind wegen der Fördermöglichkeiten als Ersatz für Verbrenner angeschafft worden, werden aber in erster Linie als Verbrenner gefahren.“ Gerade private Nutzer müssten für ihre Kurzstrecken jedoch den Elektroantrieb verwenden, um etwas für den Umweltschutz zu tun.

Von Jörg Aberger, dpa

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