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Mitteldeutschland Experten schlagen Alarm: Automatisierter Wetterdienst erschwert Flutwarnung
Region Mitteldeutschland Experten schlagen Alarm: Automatisierter Wetterdienst erschwert Flutwarnung
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09:01 28.08.2017
Werden Sie bis 2021 durch Automaten ersetzt? Mattias Barth und Sabine Liebmann sind als Wetterbeobachter auf der Station Fichtelberg im Dienst.  Quelle: dpa-Zentralbild
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Leipzig

 Kampf um die Zukunft der Wetterstationen in Mitteldeutschland: Grüne und Klimaforscher haben sich in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der Bitte gewandt, die aktuelle Messnetzkonzeption des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der dem Bundesverkehrsministerium untersteht, noch einmal zu überdenken, „nicht zuletzt, um Hochwassersituationen entsprechend vorhersagen und bewerten zu können“. Die derzeitige Planung sieht die deutschlandweite Vollautomatisierung der Wetterbeobachtung vor, einschließlich aller Flugwetterwarten.

Noch 152 Beschäftigte auf 36 Wetterstationen im Dienst

Derzeit arbeiten noch 152 Beschäftigte auf den 36 Wetterstationen des DWD. Schon umgestellt wurden die Standorte Chemnitz, Cuxhaven, Göttingen, Helgoland, Neuhaus, Hahn und Großer Arber. 27 weitere Stationen – darunter der Fichtelberg (nach über 100 Jahren Wetterbeobachtung) – sollen bis Ende 2019 folgen. In Mitteldeutschland wird es Zinnwald, Görlitz, Cottbus, Gera, Artern und Magdeburg treffen. Eine der letzten Stationen könnte die Wetterwarte auf dem Brocken sein, die ab dem Jahr 2020 nach 125 Jahren kontinuierlicher Wetterbeobachtung nur noch automatisch betrieben werden soll.

Die Kritiker hegen allerdings ernsthafte Zweifel, dass die Messgenauigkeit insbesondere bei langfristigen Klimareihen dann noch gesichert werden kann. „So ginge ohne ausgebildetes Personal unter anderem auch das flächendeckende Hagel- und Gewitternetz verloren, Informationen zu Tornados, Böenwalzen, Glatteis und so weiter ebenfalls“, heißt es. Für den Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn – einem der Unterzeichner – in Zeiten des Klimawandels das falsche Signal. Denn dass voll automatisierte Messstationen sogar fehlerhafte Daten liefern, zeige sich häufig auch bei einem Blick auf das Wetter-Online-Portal, wo die Werte aufbereitet werden. An frühen Märztagen dieses Jahres maß beispielsweise die Station Carlsfeld im Erzgebirge eine Schneehöhe von 0 Zentimetern, obwohl beim Blick auf die Webcam des Ortes eine geschlossene Schneedecke mit Wintersportlern zu erkennen war, heißt es in dem Schreiben.

Ministerium: Qualität der Sonden muss besser werden

Das Bundesverkehrsministerium räumte ein, dass für die rein technische Erfassung von Bedeckungsgraden und Schneehöhen die Datenqualität der Sonden verbessert werden muss. Deshalb gibt es auch noch keinen Termin, wann der automatisierte Regelbetrieb beginnen kann. Denn Sonden können auch das Schnee-Wasser-Äquivalent nur ungenau erfassen. Dabei handelt es sich – grob vereinfacht – um die Menge Wasser, die, wenn der Schnee taut, ins Tal fließt und dort im schlimmsten Fall für Hochwasser sorgen kann.

Zu Erinnerung: Auslöser der Jahrhundert-Hochwasser 2002 waren starke Niederschläge im Erzgebirge, die bis dahin noch nie erreicht wurden. Die in der Region entspringenden und in Mulde oder Elbe mündenden Flüsse – wie Zschopau, Flöha, Zwickauer und Freiberger Mulde, Rote Weißeritz, Wilde Weißeritz und Müglitz – schwollen binnen Stunden auf das Vielfache ihrer sonstigen Größe an. Pikanterweise ging der DWD damals von geringeren Regenmengen aus als der private Wetterdienst von Jörg Kachelmann.

Protest-Brief an Kanzlerin Merkel

Mit den DWD-Daten arbeitet – wenn auch nur mittelbar – das Landeshochwasserzentrum. Sprecherin Karin Bernhardt sagt: „Wir nutzen nicht die Rohdaten der einzelnen Stationen. Aber wir bekommen vom DWD ausgewertete Informationen. In diese fließen die Abtau- und Niederschlagsraten ein.“

Die Unterzeichner des Offenen Briefes an Merkel plädieren deshalb dafür, die Messnetzkonzeption des DWD, die das Konzept der manuell betriebenen Klimareferenzstationen in Frage stellt, zu überdenken. „Alles andere würde auch die z.T. weit über 100 jährige exakte und mühevolle Arbeit aller Wetterbeobachter ad absurdum führen“, wettern die Unterzeichner.

Von Roland Herold

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