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Mitteldeutschland Erstickt mit Plastiktüten: Mordprozess in Görlitz
Region Mitteldeutschland Erstickt mit Plastiktüten: Mordprozess in Görlitz
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12:57 08.08.2017
Die Staatsanwaltschaft wirft einem Paar gemeinschaftlichen Mord und die Verabredung eines weiteren schweren Verbrechens vor. Quelle: dpa
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Görlitz/Niesky

Bis auf den letzten Platz ist der große Schwurgerichtssaal im Landgericht Görlitz besetzt. Neben der Staatsanwaltschaft sitzt die Mutter des Mordopfers als Nebenklägerin. In Handschellen wird der 34-jährige Angeklagte hereingeführt. Seine zehn Jahre jüngere mutmaßliche Komplizin wartet, bis die Pressefotografen wieder den Raum verlassen. Erst dann nimmt sie neben ihren Verteidigern Platz. Regungslos folgen die Beschuldigten dem Verlesen der Anklageschrift zum gewaltsamen Tod eines 24-Jährigen aus See, einem Ortsteil von Niesky (Landkreis Görlitz). Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar gemeinschaftlichen Mord und die Verabredung eines weiteren schweren Verbrechens vor.

Wann der Mordplan entstanden ist, können die Ankläger nur mutmaßen. „Irgendwann im Januar oder Februar fassten sie den Entschluss, einen Menschen zu töten, um aus Habgier an Wertgegenstände zu kommen“, sagt der Staatsanwalt. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Frau den ihr flüchtig Bekannten am 5. Februar in ihre Wohnung in Görlitz lockte und in ein Gespräch verwickelte. Dort soll der Mitangeklagte gewartet haben, um den jungen Mann mit einem Schlag auf den Hinterkopf zu betäuben. Dann soll das Paar das Opfer mit drei Plastiktüten, die mit Paketband am Kopf befestigt wurden, erstickt haben.

Für die Ermittler ist das Motiv klar: Die Angeklagten hätten sich Geld besorgen wollen, um sich ins Ausland abzusetzen. Vom Konto des Getöteten hatten die mutmaßlichen Täter mit der gestohlenen EC-Karte insgesamt 2000 Euro abgehoben, wie es in der Anklage heißt.

Wenn die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft stimmen, plante das Paar noch ein weiteres Verbrechen. Die Behörden wollen in dem Prozess nachweisen, dass der Sohn der Angeklagten, der beim sorgeberechtigten Vater lebt, entführt werden sollte. Laut Anklage sollte der Junge mit einem Schlag auf den Kopf ebenfalls handlungsunfähig gemacht und dann hinter der tschechischen Grenze an einen Baum gefesselt werden, um ihn dort in der Einsamkeit seinem Schicksal zu überlassen.

Aber dazu kam es nicht mehr. Hinweise aus der Bevölkerung brachten die Polizei auf die Spur des arbeitsloses Paares. Das Duo war in einem Haus in Weigsdorf-Köblitz (Landkreis Bautzen) untergetaucht, rund 75 Kilometer entfernt von der Wohnung der Frau. Am 13. Februar klickten die Handschellen.

In der Wohnung der Frau in Görlitz fanden Beamte schließlich die Leiche des vermissten 24-Jährigen. Sein Vater hatte das Verschwinden des Sohns am 9. Februar der Polizei gemeldet. Das Auto des Opfers fand sich vor einem Supermarkt in Radeberg - gut 50 Kilometer weit weg.

Bis jetzt schweigen die Angeklagten zu den Vorwürfen. Der Verteidiger des 34-Jährigen kündigte für den nächsten Prozesstag am 14. August eine kurze Erklärung an. Das Urteil wird erst Ende Oktober erwartet. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht den Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.

dpa

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