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Mitteldeutschland Ende der Weinlese in der Region in Sicht
Region Mitteldeutschland Ende der Weinlese in der Region in Sicht
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08:37 16.10.2017
Studentin Rebecca Bartel und Praktikant Julian Beckmann waren als Erntehelfer bei der Dunkelfelder-Lese des Weinguts Schuh dabei.  Quelle: Lars Müller
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Meissen/Radebeul

 Die Weinlese an den Elbhängen neigt sich dem Ende. Viele Weingüter haben bereits die letzten Trauben des Jahrgangs im Keller, andere Winzer nutzen die Wetterbesserung und gönnen ihren Trauben noch ein paar herbstliche Sonnenstrahlen. Doch die Kirschessigfliege und Fäulnisdruck lassen auch die Erfahrensten unter ihnen auf der Hut sein.

Zu ihnen gehört Martin Schwarz aus Meißen. Bekannt ist der vormalige Kellermeister von Schloss Proschwitz für höchste Qualität ohne Kompromisse. Schwarz und seine Erntehelfer sind in diesen Tagen mit der Vorlese im Riesling im Meißner Kapitelberg beschäftigt. Faulende Trauben werden dabei selektiv abgeschnitten und Beeren mit Botrytis-Befall aufwändig herausgepuhlt. Die Fäulnis beschere bis zu 30 Prozent Verlust, sagt Schwarz. Das vorsortierte Lesegut kommt danach in die Kellerei zur Verarbeitung. Was der Weinbauingenieur noch hängen lässt – nur gesunde Trauben – wird später separat ausgebaut und zu seinen Spitzenweinen vergoren, die fast alle im Holzfass reifen dürfen. „Ich würde gerne noch zwei Wochen ausreizen“, sagt er. Ob das klappt, hängt freilich am Wetter. „Sollte es wieder regnen, müssen wir schnell ran.“ Rund ein Drittel seines Gesamtertrags hat er noch hängen – vorwiegend Riesling, Weißburgunder und eine echte Rarität, den Nebiolo. „Das Mostgewicht ist aber nicht alles“, ergänzt er. Intuitiv entscheide er den Erntezeitpunkt nach dem Aroma der Trauben.

Handarbeit und Verzicht auf Masse

Martin Schwarz hat seinen Riesling für Spitzenweine bis zur Ernte besonders im Blick. Fäulnis toleriert er nicht und schneidet kritische Trauben heraus. Quelle: Lars Müller

„Aus Winzersicht war das Jahr 2017 gar nicht schlecht, der feuchte Sommer optimal für die Steillagen“, konstatiert Schwarz und meint sogar: „Es kann ein echter Top-Jahrgang werden.“ Das klappt natürlich nur mit viel Handarbeit und Verzicht auf Masse. Für hochwertige Weine teilen Schwarz und seine Lebensgefährtin Grit Geisler die Trauben, schneiden die Hälfte weg. Schon kurz nach der Blüte haben sie die Traubenzone der Rebzeilen entblättert, frühzeitig die Trauben eingenetzt und so vor Vogel- und Insektenfraß bewahrt. Beschädigte Trauben sind bei Regen besonders anfällig für Fäulnis. In diesem Jahr hat Schwarz viele Hornissen beobachtet, die sich an reifenden Beeren labten. Auch die gefürchtete Kirschessigfliege hat er im Portugieser und Spätburgunder festgestellt. „Wir haben dagegen behandelt, aber die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend.“ Im kommenden Jahr wolle er wahrscheinlich vorbeugend gegen die Kirschessigfliege spritzen, sobald die Reifezeit der roten Sorten beginnt. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Landesumweltamtes aus den Fallenfängen kämen für die Winzer oft zu spät, da bei Befall umgehend gehandelt werden müsse und nicht erst nach Tagen.

Bei Schloss Wackerbarth sei die Kirschessigfliege kein Problem gewesen, teilte Unternehmenssprecher Martin Junge auf Anfrage mit. „Besonders gefährdete Rebsorten wie Dornfelder, Frühburgunder und Regent konnten wir dank eines Reifevorsprungs von etwa zehn Tagen zum Start der diesjährigen Weinlese rechtzeitig ernten.“ Auch Fäulnis durch Botrytis habe keine Rolle gespielt. 80 Prozent der Weinlese hat das Staatsweingut abgeschlossen. In diesen Tagen werde Blaufränkisch, Riesling und Traminer geerntet. Ende Oktober sollen auf dem „Goldenen Wagen“ und dem „Wackerbarthberg“ die Trauben für edelsüße Riesling-Auslesen die Haupternte beschließen. Man sei bisher „sehr zufrieden – sowohl hinsichtlich der Qualität der Trauben und deren Mostgewichten als auch bezüglich der Lesemenge. Wir werden alle Qualitätsstufen keltern können und freuen uns somit auch auf edelsüße Weine, wie Spätlesen und Auslesen.“ Auf einer Fläche von 0,5 Hektar werden zudem Trauben an rund 3000 Riesling-Rebstöcken für Eiswein hängen gelassen.

Junge betont: „Dank unserer Betriebsgröße besitzen wir eine sehr gute Schlagkraft – sowohl bei der Handlese als auch bei der Maschinenlese.“ Bei Bedarf unterstütze die Verwaltung das Weinbauteam. Für Spitzenzeiten stünden 35 langjährige Aushilfen parat, darunter rumänische Saisonkräfte, die in verschiedenen Obstbaubetrieben und Weingütern helfen. Auch die beiden maschinellen Vollernter von Wackerbarth seien bei sächsischen Winzerkollegen in deren Direktzuganlagen eingesetzt worden, hieß es.

Probleme durch konstante Nässe

In diesem Jahr sind die Trauben etlicher Rebsorten in sächsischen Anlagen sehr unterschiedlich gereift, zudem fehlte im September Sonne. Die Regenmengen waren nach Einschätzung von Winzermeister Holger Horter aus dem Weingut Schuh gar nicht das Hauptproblem: Auf dem Gellertberg in Oberau wurden im August 68 Millimeter, im September 28 Millimeter und vom 1. bis 10. Oktober 33 Millimeter Niederschlag gemessen. Befördert wurde Fäulnis nach Angaben des erfahrenen Fachmanns aber dadurch, dass allein im September die Trauben drei Mal über 24 Stunden konstanter Nässe ausgesetzt waren. Im Weingut Schuh wurde vergangene Woche die Lese beendet. Wie der Familienbetrieb mitteilt, wurde auch der Dunkelfelder erfolgreich geerntet. Dabei handelte es sich um jene Rebfläche im Klausenberg, die in zwei Nächten im April mit jeweils knapp 100 Holzfeuerchen geschützt worden war. Im Frühjahr bangten sächsische Winzer, ob ihre Reben den Spätfrösten widerstehen.

Winzer Ronny Koch aus Nieschütz fasst das Weinjahr recht nüchtern so zusammen: Frühe Sorten hätten deutlich geringere Säure. Ab den mittelfrühen Sorten sei die Säure leicht erhöht. Die Mostgewichte lägen im langjährigen Mittel. „Bei den späten Sorten gab es wegen der langanhaltenden feuchten Phasen im September starke Probleme mit Fäulnis durch Botrytis-Erreger.“ Das sei noch durch die schnelle Reife zuvor und die daraus resultierenden dünnen Beerenhäute verstärkt worden. Diese platzen schneller auf. Die Erntemenge habe geschätzt ein Drittel unter dem Vorjahresertrag gelegen, so Koch.

Vom Weingut „Drei Herren“ hieß es, man werde in etwa vier Wochen mit dem Riesling die Ernte beenden. „Die Qualität der Trauben war sehr gut, die Erntemenge höher als im Vorjahr, die Mostgewichte waren durchwegs zufriedenstellend“, so Inhaber Rainer Beck.

Von Lars Müller

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