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Mitteldeutschland Einstige Stahlstadt Riesa sucht ein neues Image
Region Mitteldeutschland Einstige Stahlstadt Riesa sucht ein neues Image
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10:08 06.02.2017
Bunter Einkaufstempel: Der Riesapark gibt nicht nur Arbeit, sondern auch Besucher anlocken. Quelle: dpa
Riesa

Das glamouröseste Ereignis der jüngeren Stadtgeschichte hat Marco Müller verpasst. Als Box-Legende Muhammad Ali vor beinahe 15 Jahren mit seiner Zwei-Tages-Visite den Blick der Welt auf die sächsische Provinz lenkte, war Riesa auf dem vorläufigen Höhepunkt als Sportstadt – und der heutige Oberbürgermeister noch zur Ausbildung in Chemnitz. Unter seiner Führung entledigt sich Riesa nun seines bisherigen Labels. Aus Geldmangel auch ein bisschen notgedrungen, gesteht der CDU-Politiker.

Einst Stahlstadt, dann Sportstadt – doch was kommt nun? Riesa ist auf der Suche nach einem neuen Image. Seit gut zwei Jahren ist Müller das Stadtoberhaupt. Der 41-jährige Jurist forciert einen erneuten Wandel, der schon mit dem Abschied der DHB-Pokal-Endrunde der Frauen 2010 eingesetzt hatte. In Zeiten knapper Kassen kann sich Riesa Sport von Weltrang nicht mehr leisten. Vorbei ist die Zeit, als sich Box-Promoter mit WM- und EM-Kämpfen die Klinke in die Hand gaben. Weltklasse-Bob oder -Schwimmen sind passé, von großem Fußball ganz zu schweigen. Dass Riesa unter seinem damaligen Stadtoberhaupt Wolfram Köhler in der Leipziger Bewerbung für Olympia 2012 eine Rolle spielte, ist nur ein kleiner Aspekt der Geschichte. Denn die Zuschüsse sind nicht mehr in der Höhe da, wie sie einmal geflossen sind. Noch immer sei Riesa für ihn eine Sportstadt, sagt Müller. Nur hießen die Schwerpunkte nun Breiten- und Nachwuchssport. Und natürlich Nischensport.

Der rekrutiert sich aus der nicht-olympischen Riege: Indoor Tractor-Pulling, Super Enduro Indoor WM, Cheerleading und nicht zuletzt schon traditionell die Stepptanz-WM. Neu im Portfolio ist in diesem Jahr Darts mit den International Open. Man müsse Veranstaltungen nach Riesa holen, die sich rechnen, sagt der Oberbürgermeister. „Wir kämpfen darum, dass Riesa auch überregional nicht nur durch die Industrie, sondern auch durch kulturelle Highlights weiter Strahlkraft erlangt.“ An der Autobahn ist der Wandel schon sichtbar: Die Werbetafel weist nicht mehr auf die Sportstadt hin, sondern auf „Riesa an der Elbe“.

Stahl-, Reifen-, Elektronik- und Nahrungsmittelproduktion sowie das Elblandklinikum und nicht zuletzt der ausgebaute Elbhafen sind die wirtschaftlichen Schwergewichte der Stadt. Müller preist die Trimodalität der Infrastruktur aus Wasserstraße, Bahn und Straße an. Aber erst mit dem Ausbau der B 169 bis zur A 14 würden sich die Voraussetzungen verbessern. Laut Bundesverkehrswegeplan 2030 hat die Trasse zwar vordringlichen Bedarf. Bis dahin bleibt die B 169 für Riesa aber ein beständiges Ärgernis. Mit Nachdruck fordert das Stadtoberhaupt wie schon seine Vorgänger den dringend erforderlichen Ausbau. Kein Thema mehr ist die A 16, die mal von Leipzig nach Cottbus geplant war.

„Nichtsdestotrotz sind wir aus meiner Sicht nicht nur im Landkreis, sondern in ganz Sachsen einer der wesentlichen Wirtschaftsstandorte mit ganz starker Industrie“, sagt Müller. Trotzig fügt er hinzu: „Riesa liegt nicht in der Pampa. Wir liegen im Herzen von Sachsen.“

Von Martin Kloth

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