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Mitteldeutschland Neuerliche Solarworld-Insolvenz - offene Fragen auch in Sachsen
Region Mitteldeutschland Neuerliche Solarworld-Insolvenz - offene Fragen auch in Sachsen
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16:52 28.03.2018
Archivbild Quelle: dpa
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Dresden

Die erneute Solarworld-Insolvenz hat in Sachsen Sorgen ausgelöst und Fragen aufgeworfen. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zeigte sich am Mittwoch besorgt um das Schicksal der Mitarbeiter. Sie hätten im Freiberger Werk gute Löhne verdient: „Allerdings sind wir optimistisch, dass sie auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben.“

Sorge bereite ihm auch, „dass in der Solarindustrie die gesamte Wertschöpfungskette in Europa nachhaltig gestört ist“ – von Forschung über Entwicklung bis zur Produktion. Man müsse auf deutscher und europäischer Ebene klären, welche strategisch wichtigen Leitbranchen besondere Unterstützung erfahren und ein Gegengewicht zu staatlich geschützter Konkurrenz außerhalb der EU bilden sollen.

Nur acht Monate nach seinem Neustart aus der Insolvenz ist Deutschlands letzter großer Solarzellen-Hersteller Solarworld erneut pleite. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass beim Bonner Amtsgericht ein Insolvenzantrag gestellt wurde.

Von der Insolvenz sind rund 600 Mitarbeiter in den Werken im sächsischen Freiberg, in Arnstadt (Thüringen) und in der Bonner Verwaltungszentrale mit etwa 45 Beschäftigten betroffen. Mit rund 300 Beschäftigen ist Freiberg der größte der drei Standorte.

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger reagierte mit Bedauern auf die erneute Pleite. Es sei insbesondere für die Mitarbeiter unerfreulich, die innerhalb von zehn Monaten zum zweiten Mal von einer Insolvenz betroffen sind, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist schade für alle Mitarbeiter, die jetzt keine schönen Osterfeiertage haben.“

Dennoch machte der Oberbürgermeister den Beschäftigten auch Mut, bei einer Entlassung zeitnah wieder eine Anstellung zu finden. Freiberg habe 834 Gewerbesteuer zahlende Betriebe und dadurch einen robusten Arbeitsmarkt. „Durch die Wirtschaftsstärke der Stadt besteht die Möglichkeit, dass die Insolvenz keine größeren Verwerfungen für die Menschen produziert“, sagte Krüger.

Auch die meisten der Mitarbeiter, die im vorigen Jahr durch die Insolvenz arbeitslos geworden seien, hätten wieder einen Job gefunden. „Ich hätte dem Unternehmen einen erfolgreichen Neustart gewünscht“, sagte Krüger. „Es zeigt, die Produktion von Solarmodulen in einem Hochlohnland lohnt sich nicht.“

Das Unternehmen leidet unter den extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule. Solarworld und der Verband europäischer Solarhersteller EU ProSun sprechen von staatlich gefördertem Preisdumping.

Zusätzlich belastet wurde der Neustart durch US-Importzölle. Solarworld hatte schon im Mai 2017 unter dem Druck der China-Konkurrenz Insolvenz anmelden müssen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch gut 3000 Menschen im Unternehmen, das einst als Vorzeigebetrieb der deutschen Energiewende galt.

Die Opposition im Sächsischen Landtag sieht auch die Regierung des Freistaates in der Verantwortung. „Der Niedergang des letzten großen europäischen Photovoltaikproduzenten ist auch durch das Versagen der Landesregierung in der sächsischen Energie- und Technologiepolitik verursacht worden“, erklärte die Freiberger Landtagsabgeordnete Jana Pinka (Linke).

Jetzt werde mit der Zerschlagung des Unternehmens der schlimmste Fall eintreten. Nicht im Ansatz habe man die Warnsignale ihrer Fraktion ernst genommen: „Diese Staatsregierung hat alles weggewartet, sich nie eingebracht.“ Jetzt müsse man schnell versuchen, den Unternehmensteil „SolarWold Innovations“ zu halten: „Das wäre das Mindeste.“

„Wurden alle Schritte in Richtung Zukunft gegangen oder blieb die Staatsregierung auf halbem Weg stehen?“, fragte Grünen-Politiker Gerd Lippold. Bereits nach der ersten Solarworld-Insolvenz 2017 hätten sie die Staatsregierung aufgefordert, alles zu unternehmen, um die durch Forschung und Entwicklung „gefüllte Schatzkiste voll mit industriellem Knowhow, mit Schutzrechten und neuen Ideen“ in Sachsen zu sichern. Hier liege das eigentliche Zukunftspotenzial. Die Grünen hätten zum Beispiel angemahnt, die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung mit starken Partnern aus der Schadenszone herauszuholen. Nun wolle man von Dulig wissen, was der Freistaat getan habe.

dpa

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