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Dreifach-Impfstoff wirkt kaum gegen Grippevirus

Experten raten zu Vierfachschutz Dreifach-Impfstoff wirkt kaum gegen Grippevirus

Der diesjährige Grippeschutz verfehlt bei vielen Patienten seine Wirkung. Trotz Impfung erkranken immer mehr an der Influenza. Grund dafür ist, dass der bevorzugt verabreichte Dreifachimpfstoff nur bedingt wirkt. Das Robert-Koch-Institut in Berlin räumt jetzt ein, dass mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle durch Viren verursacht wurde, gegen die der Dreifachimpfstoff nicht wirkt.

Der diesjährige Grippeschutz verfehlt bei vielen Patienten seine Wirkung.

Quelle: dpa

Dresden. Der diesjährige Grippeschutz verfehlt bei vielen Patienten seine Wirkung. Trotz Impfung erkranken immer mehr an der Influenza. Grund dafür ist, dass der bevorzugt verabreichte Dreifachimpfstoff nur bedingt wirkt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin räumt jetzt ein, dass mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle durch B-Viren der Yamagata-Linie verursacht wurde. Gegen die schützt der Dreierimpfstoff nicht. Auch in Sachsen sind mehr als 50 Prozent aller Grippe-Fälle auf diese Viren zurückzuführen, wie aus den Berichten der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) hervorgeht.

Es sei eingetreten, was vorherzusehen war, sagt Professor Siegwart Bigl, langjähriger Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission (Siko). Er begrüße es, dass die beim RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (Stiko) jetzt bundesweit den Vierfach-, statt wie bisher nur den Dreifach-Impfstoff, empfiehlt. Allerdings hätten, so seine Kritik, die Berliner Experten wesentlich früher zu dieser Einsicht kommen können und müssen. „Seit Jahren ist klar, dass ein Vierfach-Präparat wesentlich besser vor der Grippe schützt.“

Dreifachmittel wirken nur bedingt

Untersuchungen in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass das Dreifachmittel nur bedingt wirkt. Bereits 2015 seien 52 Prozent der Grippeimpfungen mit dem empfohlenen Dreifachpräparat unwirksam gewesen, weil der Schutz vor dem damals grassierenden B-Virus nicht enthalten war, sagt Bigl. Er analysiert die Influenza-Impfungen seit 1999. Die Analyse für die Saison 2015/2016 hatte der Professor im Ärzteblatt Sachsen dargelegt und für den Schutz durch das Vierfach-Präparat geworben. Eine von ihm eingebrachte Initiative griff der Sächsische Ärztetag im November 2016 auf und forderte die Kassen auf, „künftig allen Versicherten, insbesondere Kindern, den tetravalenten Impfstoff anzubieten und die Kosten dafür zu übernehmen“. Durchsetzen konnte sich die Stiko damit nicht. Mit Ausnahme bei den Gesundheitsämtern. „In den Impfstellen aller sächsischen Gesundheitsämter wurde der Vierfach-Impfstoff verimpft“, teilt das Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz auf Nachfrage mit. „Die Kosten wurden und werden gemäß der lmpfstoffkosten-Vereinbarung zwischen dem Freistaat Sachsen und den beteiligten Krankenkassen abgerechnet“, heißt es weiter.

In den Arztpraxen sieht das meist anders aus. Die gesetzlichen Krankenkassen hatten vor Beginn der Saison die Ärzte ausdrücklich aufgefordert, den preiswerteren Dreifachimpfstoff zu spritzen – nur in Ausnahmefällen, etwa für Risikogruppen wie Ältere, chronisch Kranke und Schwangere, kann auch ein teures Vierfachpräparat zum Einsatz kommen. Bestehen Patienten dennoch auf dem Vierfach-Impfstoff, müssen sie für die Kosten selbst aufkommen. Hintergrund sind Rabattverträge, die die gesetzlichen Kassen mit Herstellern über Dreifach-Präparate abgeschlossen haben, um die Kosten zu minimieren.

Negative Auswirkung auf Impfbereitschaft

Auf die Impfbereitschaft in der Bevölkerung wirke sich die aktuelle Entwicklung erneut negativ aus, glaubt Bigl. Unter den Senioren hatte Sachsen 2008 eine Impfrate von 60 Prozent, was den Empfehlungen der WHO entsprach. Bis 2016 fiel die Rate aber kontinuierlich auf knapp 50 Prozent.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts macht eine Grippeschutzimpfung für Risikogruppen auch jetzt noch Sinn. Wegen der aktuellen Dominanz des B-Typs der Yamagata-Linie wäre es möglicherweise ratsam, Hochrisikopatienten bevorzugt mit dem Vierfachimpfstoff zu versorgen, heißt es. Konkret bedeutet das für Patienten, die bereits einen Dreifach-Impfstoff erhalten haben, dass sie sich erneut – jetzt mit einem Vierfachpräparat – impfen lassen. Ein Mittel, das nur gegen den B-Typ der Yamagata-Linie schützt, gibt es nicht. Letztlich habe der behandelnde Arzt die Therapiehoheit und könne dem Patienten den am besten geeigneten Grippe-Impfstoff verordnen.

Von Andreas Dunte

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