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Mitteldeutschland Die Sachsen rüsten weiter auf – Zahl der Waffen steigt
Region Mitteldeutschland Die Sachsen rüsten weiter auf – Zahl der Waffen steigt
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11:10 06.10.2017
Im Freistaat sind aktuell (Ende August 2017) 153 775 Waffen – von der Pistole bis zum großkalibrigen Jagdgewehr – registriert. Quelle: dpa
Dresden

Das Attentat von Las Vegas heizt nicht nur in den USA die Diskussion um das Recht auf Waffenbesitz an. Auch in Deutschland sei ein Trend zur Aufrüstung auszumachen, „aufgrund wachsender oder gefühlt wachsender Kriminalität und mangelnder Polizeipräsenz“, sagt der Innenexperte der Linksfraktion im sächsischen Landtag, Enrico Stange. Anders als in den Staaten, wo statistisch fast auf jeden Einwohner eine Waffe kommt (rund 300 Millionen insgesamt), liegen die Zahlen in Deutschland aber weit darunter. Zwischen 5,4 und 5,7 Millionen Waffen soll es bundesweit geben – verteilt auf 1,45 Millionen Menschen, vorwiegend Sportschützen, Jäger, Sammler oder Sicherheitsunternehmen. Allerdings nehmen die Zahlen zu.

Auch in Sachsen: Im Freistaat sind aktuell (Ende August 2017) 153 775 Waffen – von der Pistole bis zum großkalibrigen Jagdgewehr – registriert. Das ist ein Anstieg um 7591 innerhalb eines Jahres und ein Plus von rund 19 549 in drei Jahren. Die Zahl der registrierten Schusswaffenbesitzer hat ebenfalls zugenommen – innerhalb von drei Jahren um rund 3800 auf aktuell 28 394. Mit Ausnahme des Vogtlandes ist die Zahl in allen Landkreisen und Großstädten gestiegen. Mit der Zahl der Waffen wächst auch die der Waffenrechtlichen Erlaubnisse (Großer Waffenschein), und zwar in fünf Jahren um mehr als ein Drittel auf 73 500. Mit dieser Erlaubnis dürfen scharfe Schusswaffen auch in der Öffentlichkeit mitgeführt werden.

Im Kommen ist auch der Besitz von Schreckschusswaffen, Signalpistolen oder Pfefferspray. Um diese Waffen in der Öffentlichkeit mit sich führen zu dürfen, bedarf es des Kleinen Waffenscheins. Aktuell verfügen 16 689 Sachsen über einen solchen. Das sind 3351 Personen mehr als vor einem Jahr.

Die „Volksbewaffnung“ sei besorgniserregend, meint der Innenexperte der Linksfraktion im sächsischen Landtag, Enrico Stange, „weil sie mit laienhaftem und unfallgeneigtem Umgang einhergehen kann“. Zugleich fielen Aggressionsschwellen. „Der Einsatz von Pfefferspray oder einer Schreckschusswaffe kann zu einer deutlichen Eskalation verbaler Auseinandersetzungen führen.“ Die Entwicklung sei Ausdruck eines zunehmenden Unsicherheitsgefühls in der Bevölkerung.

Das Innenministerium relativiert: Zwar habe es Ende 2015 und über das Jahr 2016 eine „erhebliche Zunahme“ bei den Kleinen Waffenscheinen gegeben. Zuletzt hätte sich der Anstieg aber „deutlich abgeschwächt“. Demnach gab es in Sachsen 2016 durchschnittlich 519 monatliche Neuzugänge, im August 2017 „nur noch 186“, so ein Sprecher von Innenminister Markus Ulbich (CDU). Auch besäßen die Sachsen deutlich seltener einen Kleinen Waffenschein als Einwohner anderer Bundesländer. „Die Anzahl der Kleinen Waffenscheine müsste sich hier fast verdoppeln, um den Bundesdurchschnitt zu erreichen.“ Ähnlich die Argumentation zum Anstieg bei den scharfen Schusswaffen im Freistaat. „Diese Entwicklung wird anhalten, da die Anzahl der Berechtigten – also insbesondere Sportschützen und Jäger – im Freistaat bezogen auf die Bevölkerung bisher nur halb so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt“, teilt das Ministerium mit.

Innenexperte Stange warnt vor einer Verharmlosung der Entwicklung. In Schützenvereinen und im Umfeld von Jagdvereinen würden sich oftmals auch zweifelhafte Personen aus der rechten Szene oder eben auch der Reichsbürgerszene versammeln. Notwendig wäre deshalb eine stärkere Kontrolle. Diese hatte sich wegen personeller Probleme bei den unteren Waffenrechtlichen Behörden zwischenzeitig mehr als halbiert. Fanden 2011 noch 1968 Kontrollen statt, waren es 2015 nur noch 570.

2016 und auch 2017 wurden die Behörden wieder aktiver mit 824 Kontrollen im Vorjahr und 486 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Um dem Anstieg bei den Waffen und Berechtigungsscheinen gerecht zu werden, fordert Stange eine personell deutlich bessere Ausstattung der Behörden.

Von Andreas Dunte

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