Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Deutsche Bank legt in und um Dresden kräftig zu

Geld und Zinsen Deutsche Bank legt in und um Dresden kräftig zu

Die Deutsche Bank baut ihre Geschäfte in der Region aus. 4,56 Milliarden Euro hat das Geldhaus im vergangenen Jahr in Dresden und Ostsachsen für insgesamt 167000 Kunden bewegt – Tendenz 2018: steigend.

Voriger Artikel
In Sachsen beginnen die Abiturprüfungen
Nächster Artikel
Grüne sehen Kita-Umfrage skeptisch

Trotz inzwischen solider Geschäfte hat die große Deutsche Bank ein Imageproblem. In und um Dresden aber schadet ihr das kaum: Hier wachsen die Geschäfte.

Quelle: dpa

Dresden. Die Deutsche Bank beginnt gerade, sich unter ihrem neuen Chef Christian Sewing neu zu sortieren. Doch Turbulenzen wie der rabiate Sturz von Bankvorstand John Cryan und die erneuten Vorjahresverluste fechten das Vor-Ort-Geschäft nicht an. „Wir blicken auf ein gutes Jahr zurück“, bilanzierte am Montag in Dresden Jan Böttger, der für die Privatkunden in Dresden und Ostsachsen verantwortlich ist.

Hier sei das Geschäftsvolumen – also die Summe aller Einlagen, Wertpapieranlagen und Kredite – um 13 Prozent auf 4,56 Milliarden Euro gestiegen. „Eine beachtliche Leistung mit Blick auf die niedrigen Zinsen“, sagte Böttger. Die Bank betreut in Dresden und Ostsachsen mehr als 167 000 Privat- und Geschäftskunden – allein in Dresden sind es rund 80 400.

Postbank bleibt eigenständige Marke

In der Entscheidung, Postbank und Deutsche Bank zusammenzuführen, sieht Böttger trotz vieler wegfallender Arbeitsplätze ein „klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“. Mit zusammen 20 Millionen Kunden werde das größte Geldhaus in der Bundesrepublik geschaffen. „Wir werden weiterhin unter zwei Marken auftreten, und jede hat ihr eigenes Profil“, erklärte er. Allerdings hebe man natürlich Synergien – es gebe gemeinsame Plattformen beim Online-Banking, Zusammenarbeit bei Apps und überhaupt im ganzen IT-Bereich. Und selbstredend profitierten beide Geldhäuser davon, dass die Deutsche Bank weltweit agiere.

Weniger Filialen

Im vergangenen Jahr hat die Bank ihr Filialnetz konsolidiert. Anders als Sparkasse oder Commerzbank setzt Deutschlands größtes Kreditinstitut auf Verschlankung. In Sachsen sank die Zahl der Geschäftsstellen nur um eine auf 29. In ganz Ostdeutschland gibt es 124 Filialen (zuvor 174). Fünf der aktuell 13 Filialen Ostsachsens befinden sich in Dresden. Trotzdem sieht sich die Deutsche Bank für den stetig wachsenden Beratungsbedarf ihrer Kunden bestens gewappnet. Die Standorte wurden und werden modernisiert – im Schnitt flossen 500 000 bis zu 1,5 Millionen Euro in jede vierte Filiale, um sie für das digitale Zeitalter fit zu machen.

Mehr Beratung

Doch das Netz sei nur einer von vielen Wegen, die Kunden zur Bank führen. „Viele wollen ganz gezielt ihre finanzielle Situation besprechen, entwickeln mit Blick auf die mageren Zinsen und die Zukunft mehr Bewusstsein für Fragen zum Beispiel zur Altersvorsorge“, sagte Böttger. Deshalb gebe es in jeder Geschäftsstelle Experten für Baufinanzierungen und für Vermögensanlagen. Und bundesweit gebe es sieben Beratungscenter, deren bis Samstagnachmittag erweiterte Öffnungszeiten per Telefon und Video viel Zuspruch erfahren. Eines dieser bundesweit sieben Beratungscenter befindet sich in Schkeuditz.

Interesse an Aktien wächst

Statistiken sehen die Deutschen bekanntlich als Aktienmuffel – lediglich 16 Prozent aller Deutschen halten dem Deutschen Aktieninstitut zufolge Wertpapiere oder Fonds. Vor diesem Hintergrund hält es Böttger sicher zu Recht für einen Erfolg, dass das Depotvolumen 2017 im Marktgebiet um vier Prozent auf 1,16 Milliarden Euro zulegte – im Stadtgebiet Dresden lag das Wachstum sogar bei fünf Prozent, die Summe stieg auf 548 Millionen Euro.

Kredite vor allem an Häuslebauer

Allerdings hätten sich auch die Einlagen um elf Prozent auf 1,91 Milliarden Euro vermehrt. Einerseits ja ein Zeichen von Vertrauen, andererseits schwer, das gewinnbringend anzulegen. Immerhin wuchs auch das gewinnstiftende Kreditgeschäft. An den ausgereichten Krediten im Umfang von 1,25 Milliarden Euro (plus 4,7 Prozent) hatte die Baufinanzierung Böttger zufolge den größten Anteil. Allein gegenüber dem Jahr 2016 sei das Neugeschäft mit 120 Millionen Euro um knapp zehn Prozent gewachsen.

Auch mit den Firmenkunden habe die Bank ihre Zusammenarbeit erweitert. Die Firmenkundenbetreuung verantwortet in Dresden und Ostsachsen seit Mitte 2016 Andreas Fichte. Er bilanzierte für die rund 7500 mittelständischen Geschäfts- und Firmenkunden ein um acht Prozent gewachsenes Kreditgeschäft.

Hemmnis Fachkräftemangel

Die sprudelnde Konjunktur sei das eine, meinte Fichte, doch als ernstes Hemmnis erweise sich mehr und mehr der Fachkräftemangel. Darüber klage inzwischen jedes Unternehmen. Doch während Banken dafür naturgemäß keine Lösung zu bieten haben, könne sein Haus bei einem zweiten großen Problem durchaus helfen: bei der Unternehmensnachfolge.

Immer akuter: Unternehmensnachfolge

„Die Zahl bei den von uns betreuten Firmen, wo das akut wird, hat sich verdoppelt“, sagte Fichte. Waren es 2016 noch zwischen 100 und 150 Fälle, suchten im vergangenen Jahr schon etwa 300 in die Jahre gekommene Chefs nach einer passenden Lösung. „Wenn es in der Familie bleibt, ist der Aufwand absolut überschaubar“, erklärt Fichte. Aber wenn das Unternehmen ans vorhandene Management verkauft werden soll oder an institutionelle Partner, wird’s knifflig. Dann sei die Deutsche Bank mit ihrem dicht geknüpften Netz an Standorten, Kunden und Partnern zunehmend gefragt. „In der Mehrzahl sieht die Lösung national oder regional aus“, so der Firmenkunden-Chef für das Marktgebiet.

Von Barbara Stock

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr